Trotz der morgendlichen Mitteilung auf den Social-Media-Kanälen des Breuningerlands und der lokalen Zeitungen, dass das Zentrum durch einen andauernden Polizeieinsatz vorerst geschlossen bleibt, steuern unzählige Menschen die Mall an, zum Shoppen, Kaffee trinken oder Brot kaufen. So gut wie alle, die am Freitagvormittag verblüfft vor verschlossenen Türen stehen, haben von der Geldautomaten-Sprengung nichts mitbekommen. So auch eine Dame, die ungläubig und kopfschüttelnd mit leerer Brottüte wieder von dannen zieht. „Unglaublich, dass so was hier passiert. Ich wollte nur Brot kaufen. Jetzt muss ich wieder gehen“, stellt die Frau ratlos fest. Zwei weiteren Besucherinnen ergeht es ähnlich – auch sie waren für den Brotkauf gekommen. Gebetsmühlenartig erklärt das strategisch positionierte Sicherheitspersonal: „Das Breuningerland ist geschlossen!“
Um 3.30 Uhr kommen die Einbrecher
Das Quartett erbeutet einen größeren Bargeldbetrag
Statt reger Konsumlaune herrscht gähnende Leere in den Fluren und Geschäften. Nur die Spurensicherung darf an den Security-Männern vorbei ins Innere – zum Ort des Geschehens. Was war passiert? Am Freitagfrüh um 3.30 Uhr hatten vier bislang unbekannte maskierte Täter die Eingangstüren des Einkaufstempels aufgehebelt. Ihr Ziel: zwei Geldautomaten der Kreissparkasse, die ganz in der Nähe zu einem der Seiteneingänge im Erdgeschoss des Gebäudes stehen. Dort sprengen die vier die beiden Geldautomaten in die Luft.
Der kriminelle Plan geht auf: Das Quartett erbeutet einen „größeren Bargeldbetrag“, wie ein Polizeisprecher unserer Zeitung bestätigt. Weiter ins Detail im Bezug auf die erbeutete Geldmenge möchte die Polizei allerdings nicht gehen. Auch die Kreissparkasse hält sich bedeckt: „Aus ermittlungstaktischen Gründen werden wir die Höhe der Summe nicht veröffentlichen“, erklärt Axel Kammerhoff von der Kreissparkasse Böblingen auf Anfrage. Die professionell agierende Tätergruppe jedenfalls benötigte nur kurze Zeit. Nachdem die Sprengung geglückt ist, flüchten die Täter in einem Auto. Eine schnell eingeleitete Fahndung mit Unterstützung der Polizeipräsidien Stuttgart, Reutlingen, Heilbronn und Pforzheim führten bislang nicht zum Erfolg.
Acht Geschäfte werden demoliert
Die Detonation hat nicht nur die beiden Automaten vollständig zerstört, auch angrenzende Ladengeschäfte sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Acht von ihnen, darunter der Shop eines Mobilfunkanbieters, eines Geländewagenherstellers und die Kreissparkasse, bleiben bis auf Weiteres geschlossen. „Unsere Räumlichkeiten sind nach der Sprengung erheblich zerstört. Wir hoffen, dass wir den Betrieb wieder in acht bis zehn Wochen aufnehmen können. Wir sind dazu in enger Abstimmung mit dem Centermanagement“, so Axel Kammerhoff von der Kreissparkasse.
Die Explosion hat zudem Versorgungsleitungen beschädigt und zu einem Wasserrohrbruch geführt. Es sind Scheiben geborsten, Trümmerteile durch die Gegend geflogen und Wasserschäden durch die Sprinkleranlagen entstanden – das Ausmaß der Zerstörung sei teilweise sehr hoch, teilt ein Polizeipressesprecher mit.
Spuren sichern braucht seine Zeit
Jetzt heißt es für die Center-Betreiber Großreinemachen. Bis zum Nachmittag, als das Einkaufszentrum wieder öffnet, wurden zahlreiche technische Prüfungen und erste Aufräumarbeiten im betroffenen Teil des Erdgeschosses unternommen. „Die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter steht an vorderster Stelle. Wir arbeiten weiter eng mit Polizei und lokalen Behörden zusammen. Bislang hat das vorbildlich funktioniert“, sagt Andrea Eggers, Pressesprecherin von Breuningerland.
Durch das Ausmaß der Zerstörung ist die Spurensicherung Klein-Klein-Arbeit
Viel Arbeit wartet auch auf die Polizei. Die fahndet nicht nur mit Hochdruck nach dem Quartett, auch vor Ort gilt es weiter zu ermitteln. Bis zum Mittag war bereits die Kriminaltechnik, oft auch als Spurensicherung bezeichnet, am Tatort zugange. Aufgrund der Zerstörung wird das Spurensichern aber kein leichtes Unterfangen, wie es aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg heißt: „Die Auswertung der Spuren ist nun eine sehr aufwendige ‚Klein-Klein-Arbeit’. Durch das Ausmaß der Zerstörung, das Wasser, das sowohl von den Sprinkleranlagen als auch den Wassereinbrüchen kam, ist es schwierig Spuren zu finden.“ Man müsse zunächst rekonstruieren, wo die Täter eingestiegen sind und wo sie Spuren hinterlassen haben könnten. Zudem werden die Videoaufzeichnungen aus dem Center und den angrenzenden Gebäuden gesichtet.
Sprengungen von Geldautomaten sind in den vergangenen Jahren häufiger vorgekommen. Für die Kreissparkasse Böblingen ist es dennoch ein Novum, wie Axel Kammerhoff erläutert: „Es ist die erste erfolgreiche Sprengung unserer Geldautomaten. Der in diesem Jahr gesprengte Geldautomat im Gärtringer Grabenzentrum wurde von der Volksbank in Gärtringen betrieben und auch von unseren Kunden mitgenutzt.“ Geld abheben bei der Kreissparkasse geht für einige Wochen nun nicht mehr, das Shoppingvergnügen dagegen ist schon am Freitagnachmittag wieder möglich.