Gemeinderat Weil im Schönbuch gibt grünes Licht Bauprojekt „Seegärten III“ nimmt letzte Hürde

Am südlichen und westlichen Rand des Feuerwehrsees soll das Bauprojekt entstehen. Foto: Stefanie Schlecht/sts

Die Vorbereitungen für das Bauprojekt „Seegärten III“ sind auf der Zielgerade. Nach dem einstimmigen Satzungsbeschluss des Gemeinderats können bald die Bagger anrollen.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Bürgerhaus, Pflegeheim, Tagespflege und Wohnungen – alles sehr zentral und mit idyllischem Seeblick: Das soll das Baugebiet „Seegärten III“ in der Ortsmitte von Weil im Schönbuch künftig bieten. Ohne viel Diskussion und in bemerkenswerter Einhelligkeit hat das Millionenvorhaben jetzt die letzte Hürde genommen. Bei seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat den Satzungsbeschluss für das Areal am Feuerwehrsee abgesegnet.

 

Der Beschluss wird jetzt als amtliche Bekanntmachung veröffentlicht und der nun rechtskräftige Bebauungsplan wird für einen Monat öffentlich ausgelegt. Dies war der letzte Schritt auf dem Weg vom Aufstellungsbeschluss am 26. April 2022 bis zu dem noch unbestimmten Tag, voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres, an dem schließlich die Bagger anrollen werden.

Die Anfänge des Bauprojekts gehen weit zurück

Tatsächlich reicht die Entstehungsgeschichte dieses Projekts noch viel weiter zurück. Schon im Jahr 2006 diskutierte man in Weil im Schönbuch darüber, am See ein Bürgerhaus zu bauen. Bald darauf entstand die Idee, daneben auch ein Pflegeheim zu bauen. Nach Bürgerbefragungen, zahlreichen Gemeinderatsdebatten und dem zwischenzeitlichen Umschwenken auf einen alternativen Standort in der Röte fiel im Sommer 2018 die Entscheidung für den Standorte am See.

Die ursprünglich auf rund sieben Millionen Euro taxierten Baukosten für das Bürgerhaus liegen laut letzter Schätzung des Planungsbüros mittlerweile eher bei elf Millionen Euro für das Gebäude und weiteren drei Millionen für die Freianlagen.

Ein zentrales Element neben diesem „Leuchtturmprojekt“ für die Gemeinde, die dank weiterer Baugebiete in den kommenden Jahren deutlich mehr als 10 000 Einwohner haben wird, ist aber das neue Pflegeheim, das zwischen dem bestehenden Pflegeheim „Haus Martinus“ und der an der Hauptstraße gelegenen Seniorenwohnanlage „Seegärten“ entstehen soll. Damit verbunden ist die Schaffung einer Tagespflege. Die gibt es bisher nicht in Weil im Schönbuch.

Unter dem Motto „Servicewohnen Premium“ will die Stiftung Liebenau hier 36 Wohneinheiten schaffen. Geplant sind Appartements mit zwei bis drei Zimmern und meist barrierefrei, dazu eine Tagespflege für 15 Gäste halbtags oder tageweise. Das Angebot soll die Lücke zwischen dem betreuten und heimgebundenen Wohnen sowie dem Pflegeheim schließen. Weil die zugesagten Fördergelder bis Ende 2026 befristet sind, drückt die Stiftung Liebenau aufs Gas. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten ausgeschrieben sein, damit man im Frühjahr 2024 mit dem Bau beginnen kann.

Vor der Abstimmung bei der Sitzung am Dienstagabend hatte der Gemeinderat sich noch die Ausführungen von Claudio Miracapillo angehört. Der Architekt listete auf, welche Punkte bei der für Bauprojekte üblichen Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit aufgekommen waren. Hier ging es um Themen wie Lärmschutz (etwa bei Veranstaltungen wie dem Seenachtsfest, das jährlich auf dem Areal stattfindet), Parkflächen, Zufahrtswege sowie um Auswirkungen auf Umwelt und Mikroklima.

Wesentliche Hinderungsgründe oder gravierende Einwände gab es hier nicht. Auch der Naturschutzbeauftragte im Böblinger Landratsamt sieht keine grundsätzlichen Bedenken. Vor einem Monat legte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises ihren Umweltbericht für das Bauvorhaben vor. Demnach entsteht wegen der Baumaßnahme ein Defizit von 134 908 Ökopunkten. Mit einem Alt- und Totholzkonzept, das im Gemeindewald ein Rückzugsgebiet für diverse Tierarten bietet, kann Weil im Schönbuch dieses Minus laut Verwaltung vollständig ausgleichen.

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