Vor Ostern ist mit der Second-Hand-Boutique PragA am Pragfriedhof Schluss. Doch mit neuem Konzept soll es an einem anderem Standort weitergehen.

Den Kopf hängen zu lassen, das ist nicht die Sache von Petra Heinold-Sauber. Sie ist Betriebsleiterin bei der Caritas für Stuttgart und seit zwölf Jahren die Chefin der Textilwerkstatt, die zu der gemeinnützigen Second-Hand Boutique PragA an der Friedhofstraße im Stuttgarter Norden gehört. Eröffnet hatte das PragA jedoch schon viel früher. „Nämlich am 27. September 2008“, sagt der PragA-Sprecher Wilfried Kremer. Das Konzept des von der Caritas Stuttgart und der Kirchengemeinde St. Georg getragenen Projekts: Frauen in Langzeitarbeitslosigkeit eine Perspektive zu bieten und sie möglichst für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Beschäftigt wurden die Frauen über das Programm Pia (produktiv in Arbeit). Es gab ganz unterschiedliche Kurse wie die Flüchtlingsintegrationsmaßnahme Fim für geflüchtete Frauen. Oder Move on, das Frauen in der Buchhaltung, der Textilkunde und im Verkauf qualifiziert.

Es werden keine neuen Teilnehmerinne zugewiesen

In der Boutique konnten Kundinnen hochwertige Kleidung zu einem Bruchteil des regulären Preises kaufen. Viele Kundinnen shoppen nicht nur im PragA, sondern spenden auch Kleidung. In den 13 Jahren seit Bestehen haben rund 400 Frauen an den Qualifikationsangeboten teilgenommen. Derzeit sind nur noch zwei Frauen dabei. Eine der beiden soll gute Chancen haben, auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job zu finden. Die andere möchte zunächst einmal zu ihrer Familie ins Ausland. An dem Projekt mitgewirkt haben laut Caritasverband Stuttgart bis heute mehr als 50 Ehrenamtliche. Durch Aktionen wie Modeschauen, Vernissagen, Gesprächsrunden mit Prominenten wurde das PragA auch Treffpunkt für die Menschen im und außerhalb des Quartiers.

Das Aus für das Projekt mit seinem jetzigen Konzept hängt laut Petra Heinold-Sauber und Kremer damit zusammen, dass es mittlerweile andere Integrationsprojekte zum Beispiel mit Ganztageskursen gibt, die die Arbeitslosen schneller in den Arbeitsmarkt vermitteln und sich die Arbeitsmarktsituation erheblich verbessert habe. Man bekomme keine Teilnehmerinnen mehr zugewiesen. Derzeit sind nur noch zwei Frauen in unserem Qualifikationsangebot Pia. Der letzte verkaufsoffene Tag im PragA ist am Gründonnerstag vor Ostern. Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten läuft Mitte Juli aus.

Ganz verschwinden soll das PragA allerdings nicht. Und auch der Name, der sowohl an das Luxus-Modelabel Prada als auch auf den derzeitigen Standort der Boutique am Pragfriedhof anspielt, soll beibehalten werden – auch wenn für die Boutique ein neuer Standort gesucht wird. „Dass die Stadtbahnhaltestelle am Pragfriedhof demontiert worden ist, hat uns sowohl viele Kundinnen als auch Kleiderspenden gekostet“, sagt Heinold-Sauber und beziffert den Einbruch mit jeweils rund 20 Prozent. Die Pandemie hat ein Übriges getan: Heinold-Sauber: „Unsere Fans sind zu Hause geblieben.“ Da es aber an einem anderen Standort weitergehen soll mit dem PragA, wird es auch keinen Ausverkauf geben. Petra Heinold-Sauber: „Dafür brauchen wir unsere Ware.“

An neuem Standort soll es weitergehen

Wie das Weitermachen aussieht, ist noch unklar. Es gibt Ideen, aber in trockenen Tüchern sind die noch nicht. Eine Überlegung ist, gemeinsam mit der Lederschmiede in Feuerbach einen neuen gemeinsamen Standort zu suchen. Die Lederschmiede bietet ebenfalls Qualifikationsangebote und Arbeitsmöglichkeiten für einen sehr großen Teilnehmerkreis an. „Der reicht von Menschen mit psychischen Erkrankungen über Menschen, die Arbeitsstunden ableisten müssen oder Suchtprobleme haben“, sagt Petra Heinold-Sauber. Das Problem: Das PragA und die Lederschmiede bräuchten rund 1500 Quadratmeter Fläche – und das an einem Ort, wo das PragA Kundenzulauf hat. Petra Heinold-Sauber: „Das ist für uns unbezahlbar.“

Die Alternative: Das PragA macht allein weiter. Dafür wären 800 Quadratmeter nötig. Da das PragA ohne sein Qualifizierungsangebote seine Gemeinnützigkeit einbüßt, gehen die Überlegungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch dahin, die Gemeinnützigkeit wieder herzustellen.

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