Gemeinschaftsschule in Möhringen Geeint im Unverständnis

Von ott 

Die Anne-Frank-Realschule in Möhringen ist mittlerweile zur Gemeinschaftsschule geworden. Bekannt war das schon seit Jahren, doch Lehrer, Eltern und Schüler müssen jetzt noch Jahre auf die Erweiterung warten.

Rund 70 Lehrer, Eltern und Schüler aus  zwei Schulen wollten sich am Montagabend einbringen. Was sie zu hören bekamen, gefiel den wenigsten Foto: Rüdiger Ott
Rund 70 Lehrer, Eltern und Schüler aus zwei Schulen wollten sich am Montagabend einbringen. Was sie zu hören bekamen, gefiel den wenigsten Foto: Rüdiger Ott

Möhringen - Die Wut der Eltern kondensiert zu wenigen Sätzen. Und eine Mutter in der dritten Reihe spricht aus, was den anderen untern den Nägeln brennt. „Ich habe mein Kind in diese Schule getan, weil das pädagogische Konzept toll ist“, sagt sie. „Aber nutzen kann ich das erst, wenn mein Kind aus der Schule raus ist. Da macht sich die Stadt doch lächerlich.“ Das sitzt. Die rund 70 Lehrer, Eltern und Schüler, die sich am vergangenen Montagabend im Musiksaal der Anne-Frank-Realschule (AFRS) eingefunden haben, klatschen, und die Vertreter des Schulverwaltungsamt sehen aus, als ahnen sie, was auf sie zukommen wird. Denn die Frau in Reihe drei hat mit ihrer feurigen Ansprache das Eis gebrochen, und was folgt, taugt nicht zu blumigen Sonntagsreden. Es wird Tacheles geredet, ändern wird das freilich nichts.

Ein Abend um alles Wichtige zu besprechen

Das Schulverwaltungsamt hatte geladen, um die Schulgemeinde in die geplante Entwicklung einzubeziehen. Seit September ist die AFRS Gemeinschaftsschule. Damit das funktionieren kann, benötigt die Schule mehr Platz. Wo könnte was gebaut werden, wie viel Platz wäre für was nötig, wie könnten die AFRS und die benachbarte Heilbrunnenschule kooperieren und wie viel Beton müsste dafür gegossen werden? Fragen wie diese sollen mit Lehrern, Eltern und Schülern geklärt werden. Gleichzeitig arbeitet das Hochbauamt an einer Machbarkeitsstudie, die festlegt, was technisch machbar und rechtlich erlaubt ist. Beides, die schulischen Wünsche und die städtischen Vorgaben, sollen zusammenfließen.

Eine Gemeinschaftsschule ohne nötige Mittel

Das hört sich im Prinzip gut an. Verwunderlich ist nur der Zeitpunkt. Seit mehr als fünf Jahren beschäftigt sich die AFRS damit, Gemeinschaftsschule zu werden. Nun ist sie es, aber noch einmal solange wird es dauern, bis sie die dafür nötigen Mittel bekommt. Es ist ein Lehrstück darüber, was sich Menschen, die mit der Verwaltung nicht vertraut sind, erhoffen, und wie groß die Enttäuschung ist, wenn Engagement sich im Dickicht von Plänen, Beschlüssen und Ämterdurchläufen verheddert.

Das Konzept soll zusammen erarbeitet werden

„Wir möchten sie motivieren, sich einzubringen“, sagt Philipp Noll vom Schulverwaltungsamt. Gemeinsam könnte man ein Konzept für die Mensa entwerfen, die von Schülern der benachbarten Schulen genutzt werden kann. Und gemeinsam könnte man ein Raumprogramm erstellen, um zu klären, was die Pädagogen brauchen. Das zusammen trüge den Namen Phase 0. An einer Erklärung, was das ist, versucht sich die Architektin Simone Aschenbrenner. „Die Phase 0 ist den Leistungsphasen eins bis sieben vorgeschaltet, damit der Planer die Weichenstellungen mitnehmen kann“, sagt sie.

Wurde zu spät mit der Planung angefangen?

„Sie sprechen immer in Phasen, aber wie lange dauert das eigentlich?“, will jemand wissen. „Wird mein Sohn dann überhaupt noch an der Schule sein?“ Und ein anderer spricht das leidige Thema der Essensversorgung an. Denn Gemeinschaftsschule bedeutet auch Ganztagsschule. In den vergangenen Monaten speisten die Schüler auf dem Pausenhof, die Lehrer stellten Biertischgarnituren auf. Inzwischen wurde das Vereinsheim Arces angemietet. „Seit Jahren reden wir darüber, Gemeinschaftsschule zu werden. Und jetzt beginnen wir damit, über die Mensa zu reden. Warum?“, will er wissen.

Die Erklärung dafür, man ahnt es, liegt im Dickicht von Plänen, Beschlüssen und Ämterdurchläufen. Noll und Aschenbrenner wissen soviel: Die neue Mensa wird frühestens in zwei Jahren fertig sein, doch für das Frühjahr ist ein Provisorium vorgesehen. Die Erweiterung der AFRS, um Platz für Unterrichtsräume zu schaffen, wird aber länger dauern, wohl vier bis sechs Jahre. Festlegen wollen sie sich aber nicht.

Pädagogik ohne Geld für Beton – Informationen:

Gemeinschaftsschule
: Seit September ist die Anne-Frank-Realschule eine Gemeinschaftsschule. Sie hatte sich seit fünf Jahren darauf vorbereitet. Schüler werden nicht mehr in Klassen unterrichtet, mit einem Lehrer und einer Tafel. Stattdessen gibt es Lerngruppen und Vierertische, die zur Gruppenarbeit taugen. Die Lehrer heißen Lerncoaches, die das Durcheinander eher moderieren als mit Kreidestrichen führen.

Raumbedarf
: Das pädagogische Konzept wird bei den Fünftklässlern eingeführt. Jahr für Jahr wächst die Gemeinschaftsschule in die nächsthöhere Klassenstufe und verdrängt die Realschule der alten Art. Dass dafür Platz benötigt wird – für die Mensa, die Betreuung und den Unterricht – ist bekannt. Geschehen ist nichts.

Weiteres Vorgehen:
Lehrer, Eltern und Schüler der Anne-Frank-Realschule und der benachbarten Heilbrunnenschule treffen sich voraussichtlich am 15. Dezember für weitere Gespräche. Im Frühjahr sollen die Wünsche formuliert sein, dann wird auch die Machbarkeitsstudie fertig sein, die sich mit rechtlichen und technischen Aspekten beschäftigt. Beides wird zusammengeführt, um Planungsmittel für den Doppelhaushalt 2015/2016 beantragen zu können. Erst danach, also 2017/2018, könnten Mittel für die tatsächliche Erweiterung beantragt werden. Die Mittel für die Mensa sind dabei ausgenommen. Sie wurden bereits bewilligt.

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