General Motors Immer mehr Tote im Zündschloss-Skandal

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Bis zu 143 Todesopfer sind im Zündschloss-Skandal um General Motors möglich. Doch erst 21 Fälle hat GM bisher offiziell anerkannt. Das ist die aktuelle, bittere Statistik zu den Unfällen, die durch defekte Zündschlösser in Fahrzeugen des US-Herstellers verursacht wurden.

Dieses Zündschloss stand am Anfang einer langen Kette schwerer Unfälle. Foto: General Motors
Dieses Zündschloss stand am Anfang einer langen Kette schwerer Unfälle. Foto: General Motors

Stuttgart - Bis zu 143 Todesopfer sind möglich. Doch erst 21 hat General Motors bisher offiziell anerkannt. Das ist die aktuelle, bittere Statistik zu den Unfällen, die in den vergangenen zehn Jahren durch defekte Zündschlösser in Fahrzeugen des US-Herstellers verursacht wurden. Nachdem General Motors (GM) lange hartnäckig von dreizehn möglichen Todesfällen gesprochen hatte, wächst die Zahl inzwischen Woche um Woche. Am 15. September lag die Ziffer bei 19 Fällen, nun sind erneut zwei hinzugekommen.

Der Defekt, dessentwegen allein in diesem Jahr 2,6 Millionen Autos in die Werkstatt gerufen wurden, betraf die Zündschlösser von Fahrzeugen der Produktionsjahrgänge nach 2004. Wenn der Schlüssel durch daran befestigte Anhänger oder andere Gegenstände zu schwer wurde, konnte er während der Fahrt herausfallen. Der Motor stoppte – und Unfälle waren die Folge. Doch GM und die Behörden nahmen das Problem über Jahre hinweg nicht ernst.

Inzwischen hat die von dem US-Anwalt Kenneth Feinberg geleitete Entschädigungskommission ihre Arbeit aufgenommen. Feinberg hat auch den Opferfonds nach dem 11. September 2001 gemanagt. Angehörige und Hinterbliebene von 143 tödlich Verunglückten haben Anträge eingereicht. Zusammen mit den Verletzten und Schwerverletzten sind 445 Fälle auf dem Tisch. Die offizielle Zahl der Opfer dürfte also in den kommenden Wochen und Monaten unaufhaltsam steigen.

Suche nach der „substanziellen Wahrscheinlichkeit“

Das hat allerdings nichts mit einer Verzögerungstaktik von General Motors zu tun, sondern damit, dass nun alle Verdachtsfälle gründlich abgearbeitet werden. Der US-Autokonzern hat schon Anfang des Jahres signalisiert, dass er – auch aus Imagegründen – bei der Beurteilung nicht kleinlich sein will. Feinberg hat freie Hand. Ihm gehe es nicht um absolute Sicherheit, was die Unfallursachen angehe, sagte der Anwalt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Unsere Messlatte ist lockerer: War das Zündschloss mutmaßlich die Ursache, oder gibt es eine substanzielle Wahrscheinlichkeit, dass es den Unfall auslöste?“ Insgesamt hat GM bisher bis zu 600 Millionen Dollar (465 Millionen Euro) für die Entschädigungszahlungen reserviert.

Den juristischen Kampf ficht General Motors lieber an einer anderen Front aus: Mit allen Mitteln wehrt sich GM weiterhin gegen Autobesitzer, die lediglich eine materielle Entschädigung etwa für den Wertverlust ihrer Fahrzeuge verlangen. Angesichts von Rückrufaktionen, die sich auch wegen anderer Fahrzeugmängel in diesem Jahr bereits auf 30 Millionen Autos weltweit summieren, wäre ein solches Eingeständnis für GM finanziell folgenreich.