Georg Kreisler im Interview Auf der Seite der S-21-Demonstranten

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Sie haben für die US-Army nach dem Krieg den "Stürmer"-Herausgeber Julius Streicher verhört. Was haben Sie da empfunden?

Ich war noch sehr jung, ich habe nur eine Art Vorverhör gemacht. (Pause) Ja, wie empfindet man das, wenn da ein alter Mann vor einem steht, der nicht mehr ganz bei Sinnen ist? Der auf die Frage nach dem Beruf lange nachdenkt und dann sagt: Volksschullehrer. Was soll man da machen? Es ändert ja nichts, wenn ich dem eine runterhau', und das hab' ich dann auch nicht getan.

War da eine Mischung aus Mitleid, Genugtuung?

Es war Ekel.

Sie haben 1947 in den USA zum Gattenmord aufgerufen, ihr Song ,Please shoot your Husband' wurde aber als "unamerikanisch" abgelehnt. Hatten sie damals Angst, vor den McCarthy-Ausschuss zu kommen?

Ja. Ich hatte Angst, keinen Pass mehr zu bekommen. Allerdings nicht wegen der Lieder, sondern weil ich auch kommunistische Freunde hatte. Ich selber war nicht in der Partei, ich war schon damals gegen den Kommunismus. Ich bin bis heute zwar links, war aber nie für so einen Sozialismus, wie er in der DDR praktiziert wurde.

Wie war das, als Sie dann nach Wien sind und dort mit Qualtinger, Bronner und anderen Kabarett gemacht haben?

Alle haben mich a bissel enttäuscht, ich hatte gehofft, sie wären angriffslustiger.

Von außen betrachtet wirkt Ihr Leben mit seinen vielen Stationen unstet und gehetzt.

Ja, Sie haben recht, ich bin ruhelos, ich sage immer: Ich bin ein Fortgeher! Wenn ich irgendwo Schwierigkeiten habe, dann gehe ich woandershin. Allerdings bin jetzt seit vielen Jahren in Salzburg zufrieden und glücklich. Aber ich bin ja auch bald 89.




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