Querdenken in Konstanz Bisher nur Kleindemo angemeldet

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Am 3. Oktober will die Querdenker-Bewegung nicht in Berlin, sondern in Konstanz demonstrieren. Diese Ankündigung hat am Bodensee für Aufregung gesorgt. Jetzt ist tatsächlich eine Demoanmeldung von Corona-Rebellen eingegangen.

Der Platz in der Altstadt von Konstanz ist begrenzt. Foto: Werner Kuhnle
Der Platz in der Altstadt von Konstanz ist begrenzt. Foto: Werner Kuhnle

Konstanz - Üblicherweise wird die Konstanzer Innenstadt an verkaufsoffenen Samstagen überrannt, wenn Einkaufstouristen vor allem aus der Schweiz in die Stadt strömen. Am Samstag, 3. Oktober, sind wegen des Tags der Deutschen Einheit die Geschäfte geschlossen. Voll dürfte es aber dennoch werden. Der Stadt liegen mittlerweile acht Anmeldungen für Demonstrationen vor. Eine davon stammt tatsächlich aus den Kreisen so genannter Corona-Rebellen. Sie war am Donnerstagvormittag eingegangen, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Allerdings handelt es sich bei dieser Veranstaltung nicht um die angekündigte Großdemonstration. Unter dem Motto „Fest der Freiheit“ würden laut Anmeldung rund 100 Teilnehmer erwartet, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Anmeldung stamme aus dem selben lokalen Organisatorenkreis Querdenken-753, der in Konstanz schon mehrere kleine Demonstrationen veranstaltet hatte.

Zuletzt versammelte man sich am Samstag im Stadtgarten, um dort gemeinsam auf einer Videoleinwand die Reden bei der Großkundgebung in Berlin zu verfolgen. Der örtliche „Südkurier“ sprach in einem Bericht von 150 Teilnehmern. Rechtsradikale Symbole, wie sie in Berlin negativ aufgefallen waren, seien nicht gezeigt worden.

Alte Reichskriegsflaggen und Nazisymbole wolle er in Konstanz nicht sehen, erklärte der Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) in einer ersten Reaktion. Gleichwohl sei die „Versammlungsfreiheit ein hohes Gut, das wir selbstverständlich schützen“. Sollte eine Demonstration angemeldet werden, werde man prüfen, ob die Versammlung bestätigt werden kann.

Zuvor hatte der Organisator der Berliner Großdemonstration, Michael Ballweg von der Stuttgarter Querdenken-711-Bewegung angekündigt, den Schwerpunkt wieder zurück nach Baden-Württemberg zu verlegen. Dabei wurden Konstanz und die Bodenseeregion als möglicher Veranstaltungsort genannt.

Es könnte eng werden

In jedem Fall würde es unter den gegenwärtigen Umständen Auflagen geben wie eine Maskenpflicht und Abstandsregelungen, erklärte Burchardt. Allerdings sind für den 3. Oktober inzwischen sieben weitere Demonstrationen bei der Stadt angemeldet. „Das könnte eng werden“, sagte Burchardt.

Bei den meisten angekündigten Veranstaltungen handelt es sich um Gegenkundgebungen, die unter den Stichworten „Demonstrieren mit Verstand und Maske“, „Rechten Bewegungen keine Chance geben“ oder „Linke für Völkerfreundschaft – Antisemitismus die Stirn bieten“ firmieren.

Ihn hätten die Bilder aus Berlin erschreckt, sagte der SPD-Stadtrat Jan Welsch, der seine Demonstration unter dem Titel „Freiheit und Verantwortung“ bereits am Mittwoch angemeldet hatte. „Wir wollen ein breites Bündnis schmieden.“

„Warum zur Hölle Konstanz?“

Derweil wird in Konstanz über die Hintergründe der möglichen Verlegung des Corona-Protests an den Bodensee diskutiert. „Warum zur Hölle Konstanz?“, schreibt ein Nutzer auf einer lokalen Facebook-Seite.

In der 85 000-Einwohner-Stadt gebe es nicht genügend Platz, um Abstand zu halten. Andere wiesen auf die grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit hin. „Warum sollten die Gerichte in Baden-Württemberg anders entscheiden als in Berlin?“, schrieb eine Nutzerin.

In der Bundeshauptstadt waren auch Flaggen aus der Schweiz und Österreich gesichtet worden. Bei einer Demonstration am Bodensee könnte trinational mobilisiert werden, heißt es auf der Internetseite der Konstanzer Aktivisten. Sie arbeiten nach eigener Darstellung mit den Querdenker-Organisationen in Zürich und Bregenz zusammen.

Auch eine Menschenkette rund um den See beziehungsweise von Vaduz in Lichtenstein bis nach Konstanz wurde bereits ins Spiel gebracht. Dies wäre allerdings ein ehrgeiziges Projekt. Bei einer Uferlänge von mehr als 270 Kilometern müsste sie mehr als doppelt so lange werden wie die große Menschenkette, die die Friedensbewegung im Jahr 1983 zwischen Stuttgart und Neu-Ulm spannte.

Vielleicht ist aber alles auch nur ein Ablenkungsmanöver und die Querdenker beehren am 3. Oktober eine ganz andere Stadt. Das allerdings ist nicht mehr als eine Spekulation hinter vorgehaltener Maske.

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