Gerlingen Bewusster Abschied vom Ehrenamt

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Hans-Jörg Schopf lässt sich nach 20 Jahren als Feuerwehrkommandant nicht noch einmal wählen. Der 60-Jährige will sich künftig mehr den Reben und dem Wein widmen – auch das hat Tradition in seiner Familie.

Die Autos stehen bereit für den nächsten Einsatz – bald ohne den Kommandanten Hans-Jörg Schopf. Foto: factum/Bach
Die Autos stehen bereit für den nächsten Einsatz – bald ohne den Kommandanten Hans-Jörg Schopf. Foto: factum/Bach

Gerlingen - E r war 44 Jahre lang aktiv bei der Gerlinger Feuerwehr, die letzten 20 Jahre als Kommandant. Am Ende seiner vierten Amtsperiode sagt Hans-Jörg Schopf „ade“ – am kommenden Freitag wird sein Nachfolger gewählt. Er geht weder wegen Differenzen in der Mannschaft, noch, weil ihm das Ganze zu viel ist neben dem Beruf. Solche Begründungen sind andernorts schon vorgebracht worden. Schopf hat auch lange für seine Heimatstadt als Stadtbrandmeister gearbeitet. Nun, im 61. Lebensjahr, sagt er: „Das Alter ist nicht der Auslöser.“ Obwohl er wegen einer körperlichen Malaise erst einige Wochen in einer Reha-Klinik verbracht hat. Sondern: „Nach einer entsprechend langen Zeit ist es Zeit, zu gehen.“

Die Alternative wäre gewesen, dass er sich nochmals für fünf Jahre hätte wählen lassen. Aber Schopf hat einen Grundsatz. „Wenn man den Posten annimmt, bindet man sich.“ Mittendrin zu gehen – das gehöre sich nicht, und das gehe auch nicht einfach so. Also reifte in dem Mann, der auch Nebenerwerbswengerter ist, der Entschluss: Die Feuerwehr muss sich einen neuen Kommandanten wählen. „War meine freie Entscheidung.“ Wie viele Kameraden seit seinem Beginn als 16-Jähriger noch aktiv dabei sind? Der Mann mit den grauen kurzen Haaren lächelt. „Keiner.“

Einmal Feuerwehr, (fast) immer Feuerwehr

Einmal Feuerwehr, (fast) immer Feuerwehr – an diesem Prinzip und an dem Grundsatz der Freiwilligkeit macht sich auch eines der Hauptprobleme der Feuerwehren fest, nicht nur im Strohgäu: Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die ausscheidende Mitstreiter ersetzen. Vor einigen Jahren erreichte der Personalstand schon einmal alarmierende Zahlen. Doch in jüngster Zeit, so berichtet Schopf, sei dieses Problem nicht mehr gravierend. Im vergangenen Jahr seien sechs „Neue“ aus der Jugendfeuerwehr eingestellt worden, in diesem Jahr seien es schon elf – davon acht Nachwuchskräfte und drei von außen. Jetzt habe die Einsatzabteilung 72 Mann; als Mindestzahl sind 70 gefordert.

Auch über die technische Ausrüstung können die Gerlinger Wehrleute nicht klagen: Vor wenigen Wochen kam eine neue Drehleiter, im Oktober 2013 ein neues Lösch- und Hilfsfahrzeug. Und für unterschiedliche Einsätze kann man Material, das gepackt bereitsteht, auf zwei andere Fahrzeuge rasch aufladen. Diese Paletten stehen in der Fahrzeughalle.

Alles paletti bei Florian Gerlingen?

Also alles paletti bei Florian Gerlingen? Nicht ganz. Im Fokus sollte jetzt das Gebäude stehen, meint Schopf. Heißt konkret: das Feuerwehrhaus an der Maybachstraße, 1988 eingeweiht, sei viel zu klein. Die Jugendfeuerwehr habe zu wenig Platz – und dabei sei sie so wichtig für den Nachwuchs. Im ganzen Haus gibt’s nur eine Toilette für Damen – und keine Duschräume für sie. „Dass überall etwas rumsteht, kann so nicht weitergehen“, sagt der scheidende Kommandant. Die Lösung für ihn heißt: Anbau. Ein solcher ist seit einiger Zeit geplant, aber noch nicht angepackt.

Aber Schopf will zum Abschied nicht so laut klagen. Er freut sich auf die Hauptversammlung am 12. Juni und auf seine Verabschiedung im Juli. Sein Rückblick fällt insgesamt nicht schlecht aus. Der letzte große Feuereinsatz war ein Brand im Kleintierzüchterheim Anfang Januar.

Unfälle gibt es nicht mehr so viele wie früher, und wenn, dann haben sie dank Sicherheitstechnik keine so gravierenden Auswirkungen wie einst. Ganz fürchterlich sei ein Unfall Ende der 70er-Jahre an der Einfahrt zur Waldsiedlung gewesen, als drei Autos ineinander krachten, erinnert sich Schopf. „Da gab es elf Schwerverletzte, überall haben die Menschen geschrien. Echt schlimm.“ Belastend seien auch Einsätze zum Öffnen von Wohnungstüren, weil man dahinter immer wieder Tote finde. Voriges Jahr sei das einmal der Fall gewesen, davor aber vier oder fünf Mal pro Jahr. „Nicht angenehm.“

Angenehmer ist für den 60-Jährigen die Zeit im Weinberg. Seit 1969 arbeitet er zwischen Trollinger-, Silvaner-, oder Lembergerreben. Die qualitätsfördernde Ertragsreduzierung kam im Lauf der Zeit hinzu, ebenso wie moderne Technik im Keller. Rund drei Hektar bewirtschaftet seine Familie heute, veranstaltet Feste und öffnet die Tür des Besens. Auch wegen der Finanzen, „vom Flaschenverkauf ist der Ertrag zu gering“. Sohn Christoph ist maßgeblich bei Weinbau Schopf dabei. Der Vater sagt: „Ich werde mich einbringen, bin ja noch nicht so alt. Aber es wird eine Umstellung.“ Trollinger leuchtet im Gegenlicht fast so wie das Rot der Feuerwehrautos.