Gerüchte um Asperger Diskothek Waldhaus-Chefs denken an Verkauf
Um den Asperger Kultclub ranken sich wilde Gerüchte. Ein Swingerclub soll dort einziehen, heißt es zum Beispiel. Das stimmt zwar nicht, aber es ist tatsächlich etwas in Bewegung.
Um den Asperger Kultclub ranken sich wilde Gerüchte. Ein Swingerclub soll dort einziehen, heißt es zum Beispiel. Das stimmt zwar nicht, aber es ist tatsächlich etwas in Bewegung.
Wer in den frühen 1990er-Jahren sein Herz vor allem an Grunge, Indie und andere, eher abseitige Populärmusik verloren hatte, pilgerte in die Scheune nach Bietigheim oder etwas später, nach der Eröffnung 1994, ins Waldhaus nach Asperg. Während Erstere längst Geschichte ist, wird hier bis heute Musik aufgelegt. Aktuell kursieren allerdings wilde Gerüchte, nach denen auch für den Kultclub beim Ludwigsburger Osterholz bald das letzte Stündlein geschlagen habe. Wahlweise heißt es, die Betreiber seien pleite und müssten Insolvenz anmelden, oder das Gebäude werde veräußert und ein Swingerclub siedele sich dort an.
Beide Nachrichten sind aber Unfug, stellt Besitzer Ramon Peao klar. „Das mit dem Swingerclub habe ich aber auch schon mehrfach gehört“, sagt er lachend – um gleich danach einzuräumen, dass er selbst womöglich nicht ganz unschuldig ist, dass solche Falschmeldungen im Umlauf sind. Denn Fakt ist, dass er und seine Kollegin Birgit Hörer mit dem Gedanken spielen, sich von der Diskothek zu trennen. „Das haben wir unseren Mitarbeitern auch offen mitgeteilt. Diese Nachricht hat sich wahrscheinlich verselbstständigt, und über die Stille Post sind dann solche Geschichten wie die mit dem Swingerclub entstanden“, erklärt der 48-Jährige.
Peao betont, dass er und Hörer das Waldhaus nicht um jeden Preis verkaufen wollen. Man preise das Gebäude auch nicht offensiv auf Immobilienportalen an. Es sei eher so, dass man das Ganze auf sich zukommen lasse. Wenn ein passendes Angebot eintreffe, werde man sich damit auseinandersetzen. „Am liebsten würden wir an jemanden verkaufen, der den Club weiterbetreibt“, sagt Peao. Der Betreiber der Diskothek macht zugleich keinen Hehl daraus, dass er und seine Geschäftspartnerin nach zwei Dekaden an der Spitze des Waldhauses etwas amtsmüde sind. „Das ist kein Job, dem man bis zum Eintritt ins Rentenalter nachgeht“, erklärt der Betreiber. Er würde es begrüßen, wenn er es etwas ruhiger angehen lassen könnte.
Sollte jemand Interesse an einem Kauf des Clubs haben, würde er nach Angaben des aktuellen Besitzers ein bestelltes Feld übernehmen. „Wir haben keine finanziellen Probleme, im Gegenteil. Wir haben zuletzt einen richtigen Aufschwung erlebt“, betont Peao. Man habe neue Partyreihen an den Start gebracht, mit denen man beim Publikum einen Nerv getroffen habe.
Ein singuläres Ereignis soll indes die große Geburtstagsparty werden, die im April oder Mai im Waldhaus steigen wird und die Peao vor einer eventuellen Veräußerung auf jeden Fall noch mitnehmen möchte. Dabei gibt es doppelten Grund, auf die Pauke zu hauen. Zum einen ist es dann satte 30 Jahre her, seit das Musiketablissement in dem Waldareal unweit der A 81 seine Pforten öffnete. 20 Jahre sind wiederum vergangen, seit Birgit Hörer und Ramon Peao das Zepter übernommen haben. Anfangs war noch Birgit Hörers Bruder mit im Boot, der aber alsbald wieder ausstieg. „Das Programm und die genauen Daten der Party stehen noch nicht fest. Es soll aber auf jeden Fall was Spezielles werden“, erklärt der Waldhauschef.
Man kann davon ausgehen, dass ihm und seiner Kollegin das tanzwütige Volk zum Jubiläum die Bude einrennen wird. Das Durchhaltevermögen des Duos wird damit belohnt. „Es gibt ja nicht mehr viele Clubs in der Gegend“, sagt Peao und blickt etwas wehmütig auf Zeiten zurück, als die Diskothekenlandschaft weitaus dichter besiedelt war, zum Beispiel mit der Rockfabrik oder eben ganz früher mit der Scheune, in der Peao selbst Stammgast war. „In Ludwigsburg gibt es keinen Club mehr für ganz junge Leute“, sagt er. Das Ars Vivendi setze tendenziell eher auf ältere Gäste, bleibe im näheren Umkreis fast nur das Palazzo in Freiberg am Neckar, das Jugendliche ab 16 Jahren empfängt.
Im Waldhaus war der Personalausweis einstmals ebenfalls so etwas wie die Eintrittskarte in die Welt der fetten Riffs und dicken Beats. Schon vor zehn Jahren verschärften Peao und Hörer jedoch die Regeln. Man musste von da an volljährig sein, um sich am Türsteher vorbeischieben zu dürfen. Die Besitzer hatten schlechte Erfahrung mit Minderjährigen gemacht, die sich harte Alkoholika selbst mitgebracht hatten und den Schnaps oftmals hemmungslos in sich hineinschütteten. „Am nächsten Tag standen dann erboste Eltern auf der Matte, die sich beschwerten, dass ihre Kids betrunken nach Hause torkelten. Dabei konnten wir gar nichts dafür“, sagt Peao.
Inzwischen habe sich das Durchschnittsalter der Besucher bei um die 25 Jahre eingependelt. Manche Events sprächen aber auch ein älteres Publikum an, wie die Ü-40-Partys. Solche und andere musikalische Reihen sollen auch in Zukunft im Waldhaus eine Bühne erhalten – allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz.
Eröffnung
Das Waldhaus ist ein Musikclub, der an der Straße Im Osterholz 2 in Asperg gelegen ist. Der Club wurde 1994 eröffnet, damals noch unter anderen Besitzern. Ramon Peao und Birgit Hörer haben das Zepter vor 20 Jahren übernommen.
Geschichte
Wie die Stadt Asperg mitteilt, steht das Gebäude seit mindestens 1892 an dieser Stelle an der Grenze zu Ludwigsburg. Zunächst habe es unter anderem als Wachhaus gedient. Im Laufe der Jahre sei die Immobilie in vielen Schritten zu einem Wohnhaus sowie einer Gaststätte mit Biergarten umgestaltet worden. Die Umbauten seien dabei teils genehmigt, teils ungenehmigt gewesen.