Geschäftsaufgabe in Lauterstein Der Albhof gibt auf

Der Lautersteiner Landwirt Theo Schömbucher in seiner Molkerei: Zum Jahresende schließt er diesen Teil des Albhofs, die Marke wird vom Markt verschwinden. Foto: Staufenpress

Gestiegene Kosten und weniger Umsatz: Der landwirtschaftliche Betrieb aus Lauterstein schließt auch seinen Hofladen. 16 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt. Inhaber Theo Schömbucher sieht für sein Geschäftsmodell keine Zukunft mehr.

Es war ein kurzes Schreiben, das die Privatkunden des Lautersteiner Albhofs vor Heiligabend in ihren Briefkästen fanden. Es enthielt keine guten Nachrichten: „Nach langer und reiflicher Überlegung müssen wir Ihnen schweren Herzens mitteilen, dass wir zum 31. Dezember die Herstellung unserer Albhof-Produkte und den damit verbundenen Lieferdienst einstellen werden“, schreibt Familie Schömbucher. Zur Begründung heißt es: „Steigende Kosten, rückläufige Umsätze und ein immer schwieriger werdendes Umfeld veranlassen uns zu diesem Schritt.“

 

Hof leidet unter hohen Energiepreisen und Umsatzrückgang

Weder im Hofladen noch in Supermärkten der Region wird es künftig Milch, Quark oder Käse von dem Familienbetrieb oberhalb der Weißensteiner Steige geben. Die Molkerei werde zum Jahresende geschlossen, die Milchviehhaltung eingestellt, sagt Landwirt Theo Schömbucher. Im Mai habe er die Preise erhöht, daraufhin seien die Verkaufszahlen zurückgegangen, aber der Umsatz noch nicht, berichtet der Firmenchef. Im Herbst sei dann auch der Umsatz zurückgegangen, zudem sei sein Stromvertrag ausgelaufen, nun müsse der Betrieb das Drei- bis Vierfache bezahlen. „Wir produzieren sehr energieintensiv“, erläutert Schömbucher, zudem gebe es auch einen Lieferdienst für Privatkunden, da machten sich die hohen Spritpreise bemerkbar. „Hinzu kommt auch noch die Erhöhung des Mindestlohns.“

Nach fast 30 Jahren Direktvermarktung ist nun Schluss

Und es gibt weitere Faktoren, die dem Albhof das Leben schwer machen: „Die ganzen Imitate wie Hafermilch tragen auch nicht zu mehr Umsatz bei.“ Verärgert zeigt sich der Landwirt über die aktuelle Kritik an der Milchviehhaltung von den Schauspielern Hannes Jaenicke und Sky du Mont. „Da verlierst du auch die Lust“, sagt Schömbucher. Unterm Strich sei das nun alles zu viel für den kleinen Betrieb.

„2023 wären es 30 Jahre Direktvermarktung auf dem Albhof gewesen, doch wir haben uns entschlossen, jetzt aufzuhören“, bedauert der Firmenchef. Noch habe der Albhof 17 Beschäftigte, künftig werde es noch einer sein. „Wir haben vor Weihnachten gekündigt, das war natürlich auch nicht ganz einfach, wir haben Leute, die mehr als 20 Jahre dabei waren“, erzählt Theo Schömbucher. Dabei habe es zu Beginn der Corona-Pandemie gar nicht schlecht ausgesehen für den Albhof. „Da sind die hochpreisigen Produkte ja durch die Decke gegangen“, erinnert er sich. Das sei nun wieder ganz anders: „Regional und nachhaltig, das müsste es den Kunden doch wert sein – aber sie sparen eben an den Lebensmitteln.“ Ganz aufgegeben wird der Albhof jedoch nicht. Die rund 140 Hektar Acker- und Grünland will Schömbucher weiter bewirtschaften. Auch die schottischen Hochlandrinder, die an den Hängen in Lauterstein weiden, sollen bleiben. „Es kann auch sein, dass wir uns nochmal ein paar Mastrinder anschaffen, das wird sich dann zeigen.“

Kein Glück hatte Theo Schömbucher auch mit seiner Biogas-Anlage. Anfang 2020 hatte die Alb-Biogas GmbH Insolvenz angemeldet. Der Landwirt war 2004 mit der ersten Biogasanlage gestartet, im Jahr 2007 kam eine zweite hinzu. Nach der Insolvenz gehörte auch der Albhof zu den Gläubigern der Biogas-Gesellschaft.

Zahlungen eingefroren: Strom- und Gasversorgung in Gefahr

Im Oktober hatte der Unternehmer für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er einen Aufruf gestartet hatte: Um auf die existenzbedrohende Situation aufmerksam zu machen, sollten Betriebe ihre Zahlungen für Strom und Gas auf dem Niveau der Preise aus dem Jahr 2021 einfrieren. Er selbst hatte diesen Schritt auch getan und bezahlte nur noch einen Teilbetrag der monatlichen Stromrechnung. Dafür bekam er Mahnungen und Anwaltsschreiben. Letztlich habe er eingelenkt, berichtet Theo Schömbucher jetzt, ansonsten wären ihm Strom und Gas abgestellt worden.

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