Geschichten zur Glemsgaustraße Ein Dorfsheriff auf Streifzug

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Wenn Bernd Reif die Glemsgau­straße entlangschlendert, weiß er zu vielen Gebäuden eine Geschichte zu erzählen. Denn wenn in seinem Zuständigkeitsbereich in Weil­imdorf etwas passiert, ist der Polizeioberkommissar vor Ort.

Bernd Reif kennt an der Straße viele Leute mit Namen. Foto: Leonie Hemminger
Bernd Reif kennt an der Straße viele Leute mit Namen. Foto: Leonie Hemminger

Weilimdorf - Wenn Bernd Reif die Glemsgau­straße entlang schlendert, kann er zu einer Vielzahl der Gebäude eine Geschichte erzählen. Denn wenn in seinem Zuständigkeitsbereich im Kern von Weil­imdorf etwas passiert oder zu passieren droht, ist der Polizeioberkommissar vor Ort. Von seinem Schreibtisch im Polizeiposten an der Glemsgaustraße 27 aus bearbeitet Bernd Reif seine Fälle. Mindestens ein Mal am Tag begibt er sich auf Streifzug durch sein Revier, das von der Korntaler Landstraße bis zur Grenze nach Feuerbach und von der Bundesstraße 295 bis zur Reisachmulde reicht. Dabei ist er fast ausschließlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. „Ich lege bestimmt zehn Kilometer am Tag zurück“, sagt Reif, der sich selbst einen „Dorfsheriff“ nennt.

Mit offenen Augen spaziert er durch den Bezirk und zeigt Präsenz. „Irgendwas ist immer“, sagt er, und diese Aussage bestätigt sich gleich nach wenigen Metern. Als der Polizist ein Hupen hört und sieht, dass sich an der Ecke Glemsgau-/Solitudestraße der Verkehr staut, beschleunigt er seinen Schritt. Ein Linienbus, der wegen eines Falschparkers in der Kurve stecken geblieben ist, versperrt die Kreuzung. Während der Busfahrer hilflos mit der Leitstelle telefoniert, greift Bernd Reif beherzt ein und sichert den Verkehr ab, so dass der Bus gefahrlos zurücksetzen kann. Anschließend nimmt er sich den Falschparker, der zu seinem Auto zurückkehrt, zur Brust und notiert sich das Kennzeichen. Der Mann ist ihm bekannt – von einem anderen Fall.

Plausch mit den Anwohnern

So geht es Bernd Reif nicht selten. Viele Menschen, die in seinem Revier wohnen, kennt der Bezirksbeamte mit Namen. Häufig ist ihm auch die Familienstruktur und in manchen Fällen auch der strafrechtliche Hintergrund bekannt. Wird nach einer Person gefahndet, erkennt er mitunter die Vorgehensweise des Straftäters und kann ihn mit diesem Wissen überführen. „Auch in Zeiten von Computern ist das von unschätzbarem Wert“, sagt er. Aber auch für einen Plausch mit den Bewohnern ist Bernd Reif auf seinen Streifzügen zu haben. Hin und wieder läuft er einer asiatischen Frau über den Weg, der er einmal bei einem Wasserschaden zu Hilfe geeilt ist. „Dann reden wir immer übers Kochen“, sagt der Polizist, der selbst leidenschaftlich gerne in der Küche steht. Nicht zuletzt sind es aber die kleinen Weil­imdorfer Bewohner, die auf ihn zu stürmen, wenn sie ihn sehen. „Die Kinder kennen mich alle“, sagt er und lacht.

An der Glemsgaustraße gefällt dem Bezirksbeamten die gemischte Bevölkerungsstruktur. „Hier wohnen die alteingesessenen Weilemer, aber auch Neubürger aus allen Ländern der Erde.“ Im gesamten Stadtbezirk fühle er sich zu keiner Tageszeit unsicher. Erst ein einziges Mal sei er hier von jemandem provoziert worden – verglichen mit der Stuttgarter Innenstadt ist das eine heile Welt. „Und selbst wenn mich einmal jemand auf dem Löwen-Markt attackieren sollte, bin ich mir sicher, dass mir 20 Leute helfen würden.“

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