Geschichtliche Internetportale im Kreis Böblingen Zeitreise durch die Geschichte des Landkreises

Von Carolin Klinger 

Mit einer sprechenden Landkarte und einem aktualisierten geschichtlichen Internetportal will das Landratsamt in die Kultur des Landkreises Böblingen eintauchen. Darunter finden sich auch eigenwillige und skurrile Geschichten.

Auch Hilde Luz (geboren 1930) aus  Deckenpfronn  ist auf der Dialektkarte zu hören. Foto: Landratsamt Böblingen 4 Bilder
Auch Hilde Luz (geboren 1930) aus Deckenpfronn ist auf der Dialektkarte zu hören. Foto: Landratsamt Böblingen

Böblingen - Der Landkreis Böblingen wird geprägt durch die Firmen, die sich hier angesiedelt haben, durch schöne und düstere Ereignisse, die sich hier abgespielt haben – vor allem aber durch die Menschen, die hier gelebt haben und die Orte prägten.

Ihre Geschichten und die des Kreises hat das Landratsamt gesammelt und präsentiert sie nun auf dem Internetportal www.zeitreise-bb.de in neuem Gewand. Wer auf der Seite stöbert, findet die wichtigsten Ereignisse, kann aber auch kleine Perlen ausgraben. So wird beispielsweise die Geschichte der Nufringer Pfarrerstochter Elise Hauff erzählt, die 1885 als Missionsbraut nach Indien ging, um dort einen fremden Mann zu heiraten und mit ihm unter fremden Menschen zu leben.

Blutige, erfolgreiche und abseitige Kapitel der Geschichte

Zu den düstersten und blutigsten Ereignissen im Landkreis gehört wohl die Bauernschlacht im Jahr 1525, die in einem Massaker endete. Schöner sind dagegen die Erinnerungen an die erste Eisenbahn, die 1869 zunächst über Leonberg und Weil der Stadt fuhr. Mit Aufschwung und Wohlstand sind auch die Geschichten von Firmen wie IBM, Daimler, Porsche und Ritter Sport verbunden, die sich im Kreis Böblingen ansiedelten. Aber auch eigenwillige Kapitel der Gewerbegeschichte, wie das über die Sindelfinger Seidenraupenzucht, geben Aufschluss über die Vergangenheit. Der Versuch, Sindelfingen zur Seidenbauzentrale Deutschlands zu machen, scheiterte allerdings gleich zweimal kläglich.

„Wir wollen zeigen, dass Geschichte nicht trocken daher kommen muss, sondern sie erlebbar und transparent gestalten“, sagt der Landrat Roland Bernhard. Bereits im Jahr 2004 wurde das Projekt Zeitreise-BB aus der Taufe gehoben, doch im Laufe der Zeit ließen die Zugriffszahlen auf das geschichtliche Portal nach. „Die Sehgewohnheiten der Nutzer haben sich vor allem durch den Siegeszug der Tablets und Smartphones geändert“, erklärt Bernhard. Deshalb wurde die Seite in den vergangenen Monaten grunderneuert – in Sachen Webdesign, aber auch inhaltlich. 15 Jahre nach der ersten Version von Zeitreise-BB werden die Texte nun übersichtlich und kompakt dargestellt – und sie sind somit auch am Smartphone gut lesbar. Die Seite bietet einen Fundus an Materialien und Quellen, der sowohl von Schulen als auch von allen anderen Interessierten genutzt werden kann. Lebendig werden die Geschichten aber vor allem auch durch die historischen Bilder.

Sprechende Landkarte schwätzt schwäbisch

Mit einem weiteren Projekt der Kreisarchivarin Helga Hager rückt das Landratsamt die Menschen, die den Kreis prägen, in den Vordergrund. Mit ihrem Buch „Mundwerk“ ist sie den Dialekten im Kreis auf den Grund gegangen. Ergänzend dazu hat sie nun eine sprechende Landkarte online gestellt, um die unterschiedlichen Dialektfärbungen hörbar zu machen. Wer also beispielsweise wissen will, wie in Mötzingen oder in Rutesheim gesprochen wird, kann den Geschichten von Siegfried Bertsch und Elke Haigis lauschen. „Es ist nicht so, dass in jedem Ort ein anderer Dialekt gesprochen wird“, stellt sie klar. Doch sei zum Beispiel im Altkreis Leonberg noch heute ein anderes Schwäbisch zu hören, als im restlichen Kreis. „Der nördliche Teil wird vom Fränkischen beeinflusst“, sagt die Archivarin. Außerdem gebe es von Ort zu Ort Eigenheiten, die auch bis heute erhalten geblieben sind.

Nach Ansicht der Archivarin lässt sich der Dialekt, der die Menschen prägt, nicht von den Lebensgeschichten trennen. Deshalb erzählen die meist älteren Menschen auf der sprechenden Landkarte auch Begebenheiten aus ihrem Leben. „Der Lebensweg der Menschen ist elementar mit ihrem Dialekt verbunden“, betont Hager.

Während in den Schulen der 80er Jahren die Lehrer versuchten, ihren Schülern den Dialekt abzugewöhnen, hat Hager festgestellt, dass die jüngere Generation wieder Interesse daran zeigt: „In Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung will man sich wieder regional verorten.

Internetportale:

Unter www.zeitreise-bb.de findet sich die Geschichte des Landkreises. Unter www.lrabb.de/dialekt ist die sprechende Landkarte abrufbar.