Gesichtserkennung Big Brother fährt in Peking U-Bahn

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Kaum ein Land kontrolliert den U-Bahn-Zutritt so streng wie China. In Peking soll nun die Gesichtserkennung noch einen Schritt ausgebaut werden. Das hat weitreichende Folgen.

Wer am Flughafen in die Metro steigt, hat meistens noch Platz. Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN
Wer am Flughafen in die Metro steigt, hat meistens noch Platz. Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN

Stuttgart - Es ist nun ziemlich genau 50 Jahre her, dass die erste U-Bahn unter Peking hindurchbrauste. Die Fahrt war in den Anfangsjahren den Beamten vorbehalten, Schubsen, Drängeln, Rempeln galten als unfein. Die rote und die blaue Linie von einst gibt es immer noch, in der Zwischenzeit sind mehr als 20 weitere Strecken hinzugekommen. Mit einem Netz von rund 570 Kilometern ist die Metro von Peking heute die zweitgrößte der Welt (hinter Shanghai), im vergangenen Jahr wurden mehr als 3,8 Milliarden Passagiere gezählt. Schubsen, Rempeln und Drängeln gehören tagtäglich zur Benutzung dazu wie Sicherheitskontrollen. Der Zugang zu Pekings U-Bahn ist an manchen Stationen ähnlich geschützt wie an europäischen Flughäfen.

Jeder Fahrgast wird erfasst

Zhan Minghui, der Direktor der U-Bahn-Kontrolle in Peking, hat nun bei einer öffentlichen Veranstaltung erklärt, wie er weiterhin die Sicherheit der Fahrgäste garantieren und zugleich lange Wartezeiten an den Kontrollpunkten vermeiden möchte – durch Technik. Automatische Gesichtserkennung soll jeden Fahrgast erfassen und dann in zwei Gruppen einteilen. Die Guten dürfen schneller passieren, die Bösen müssen vor Metalldetektoren und Gepäckdurchleuchtern anstehen. Pekings U-Bahn ist in großen Bereichen schon mal mit modernster 5G-Technologie ausgestattet worden. Wer genau zur Gruppe der Bösen zählen wird, ist hingegen nicht bekannt. Nach den Vorstellungen der Planer soll das im Aufbau befindliche Sozialkreditsystem dazu verwendet werden, Gut und Böse zu separieren. Bei dem System gibt es Negativpunkte für Straftaten, bewertet wird aber auch das soziale und politische Verhalten.

Mehr als 200 Millionen Kameras

Was europäischen Datenschützern das kalte Grausen über den Rücken jagt, ist in China weniger umstritten. Mehr als 200 Millionen Überwachungskameras sind schon heute über das Land verteilt – und sollen verdoppelt werden. Als unlängst ein Straftäter per Gesichtserkennung aus einem mit 50 000 Zuschauern gefüllten Stadion herausgefischt wurde, gab es überwiegend Zustimmung für die Technik. Mit Künstlicher Intelligenz und 5G-Technologie wird nun möglich, wovon die U-Bahn-Fahrer vor 50 Jahren nicht zu träumen wagten.