Wer am Computer arbeitet, klagt oft über gesundheitliche Probleme. Neue vertikale Mäuse sollen chronische Schmerzen vermeiden.

Leben: Ricarda Stiller (rst)

Stuttgart - Mit einem leichten Ziehen im Unterarm fängt es oft an. Später kann ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern hinzukommen. Und wenn es schon zu spät ist, hören die Schmerzen vom Ellenbogen bis in die Fingerspitzen auch dann nicht mehr auf, wenn man den Arbeitsplatz verlassen hat. Die Diagnose lautet immer häufiger: chronischer Tennisarm, der längst auch unter Mausarm bekannt ist – oder unter der allgemeinen Bezeichnung RSI (Repetitive Strain Injury), was übersetzt „Verletzung durch wiederholte Belastung“ heißt.

Je nach Tätigkeit, klicken wir an einem Arbeitstag mehrere hundert oder gar mehrere tausend Mal auf die Maus. Diese einseitige und immer wiederkehrende Belastung kann zu schmerzhaften Entzündungen führen. Daher – darin sind sich Orthopäden und Physiotherapeuten einig – ist ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz das beste Mittel zur Vorbeugung. Ist eine Überlastung erst einmal eingetreten, die Entzündung an den Sehnenansätzen, am Ellenbogen oder im Handgelenk bereits chronisch, kann es Jahre dauern, bis der Betroffene wieder schmerzfrei ist.

Unter der Bezeichnung vertikale Maus sind mittlerweile mehrere Geräte auf dem Markt, mit denen eine natürlichere Handhaltung ermöglicht wird. Auch an Joysticks erinnernde aufrechte PC-Mäuse oder sogenannte Penclic-Stiftmäuse sollen dafür sorgen, dass die Arbeit am Computer nicht mit chronischen Schmerzen im Unterarm quittiert wird. Der Orthopäde Axel Neumann aus München sagt: „Vertikale Mäuse sind eine Revolution.“ Ihm ist es ein Rätsel, dass sie selbst in Fachgeschäften kaum angeboten werden. Neumann ist davon überzeugt, dass in diesem Bereich ein großer Bedarf besteht.

Dadurch dass der Arm bei einer vertikalen Maus in einer wesentlich natürlicheren Haltung die Arbeit verrichten kann, werden andere Muskeln benutzt als bei der herkömmlichen Maus, bei der der Unterarm unnatürlich verdreht wird. Eine Überanstrengung und Reizung der Sehnen soll somit von vornherein ausgeschlossen werden. Außerdem empfiehlt Neumann, dass der gesamte Unterarm auf dem Tisch aufliegen sollte. Ebenso wichtig seien Tastaturen, die ergonomisch geformt sind.

Im Test hatten wir zunächst eine geteilte Tastatur, die vor allem für diejenigen sehr gewöhnungsbedürftig ist, die das Zehnfingersystem des Maschinenschreibens nicht beherrschen. Weil es mittlerweile ein recht große Auswahl an ergonomischen Tastaturen gibt, empfiehlt es sich, die eigenen Bedürfnisse zu erörtern. Oft lässt sich die gesamte Tastatur schräg stellen. Es gibt auch Tastaturen mit wellenförmiger oder in der Mitte erhöhter Anordnung. Eine integrierte Handauflage oder die Möglichkeit, den Öffnungswinkel der Tasten durch einen Klappmechanismus zu bestimmen, können sehr entlasten.

Ungewöhnliche Form entlastet spürbar

Die Auswahl an vertikalen Mäusen ist bisher noch recht überschaubar. Wir haben uns im Test für die Evoluent Vertical Mouse 4 für Rechtshänder entschieden, die im Handel für etwa 70 Euro erhältlich ist. Als kabellose Version muss man etwa 85 Euro für dieses Modell rechnen. Ähnlich wie bei einer ergonomisch geformten Tastatur, muss man sich an die ungewöhnliche Form und veränderte Arm- und Handhaltung erst einmal gewöhnen. Doch nach kurzer Eingewöhnungszeit lässt sich damit genauso schnell und präzise arbeiten wie mit einer herkömmlichen Maus.

Der Haken an der Sache: klicken muss man trotzdem. Auch wenn die Belastung der Sehnen durch die natürlichere Unterarmhaltung schonender ist, bleibt ein Klick ein Klick – und damit eine für den Menschen ungewohnte einseitige Belastung. Um einem chronischen Mausarm effektiv vorzubeugen oder auch bereits vorhandene Schmerzen zu lindern oder gar zu beseitigen, haben Wissenschaftler der TU Darmstadt in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen ein Übungsprogramm für Bildschirmarbeitsplätze entwickelt.

Unter der Leitung von Hardo Sorgatz, Psychologie-Professor an der TU Darmstadt, ist ein Seminar entstanden, in dem gemeinsam mit Physiotherapeuten ein Programm zur Muskelentspannung, Ergonomie und zum Stressmanagement vermittelt wird, das im Arbeitsalltag eine langfristige Veränderung des Arbeitsverhaltens zum Ziel hat. Denn der Mausarm führt immer häufiger zu Arbeitsausfällen. Mit einem individuell gestalteten, ergonomischen Arbeitsplatz, lässt sich chronischen Erkrankungen am besten vorbeugen. Und am Ausgleichssport führt ohnehin kein Weg vorbei. Axel Neumann rät neben Yoga, das sehr gut für Tiefenentspannung sorge, durchaus zu dynamischen Sportarten wie Badminton, Tischtennis oder sogar Squash.

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