Der Werbespruch klingt einleuchtend: „Kein Kuchen ist auch keine Lösung.“ Aus medizinischer Sicht kann Professor Ludger Staib als Leiter des Adipositas-Zentrums am Klinikum Esslingen diese Aussage einordnen. Ein kompletter Verzicht auf Genuss sei nicht zu empfehlen. Kulinarisches gehöre zur Lebensqualität. Essen sei lebensnotwendig. „Muskelkraft statt Magerwahn“, lautet daher das Motto des Arztes; „Stark ja, aber nicht fett – und vor allem nicht zu mager.“ Doch sehr hohes Übergewicht gefährde die Gesundheit. Bei zu starker Körperfülle könnten chirurgische Eingriffe unter bestimmten Voraussetzungen helfen.
Über Nacht zur Bohnenstange – das geht nicht. Von Adipositas Betroffene müssen Geduld aufbringen, sagt Ludger Staib. Eine ausführliche Beratung im Zentrum stehe am Anfang jeder Behandlung. Danach werde je nach Grad des Übergewichts bei der Erstbehandlung auf ein vielschichtiges Konzept mit Ernährungsänderungen, einem Bewegungsprogramm und psychologischen Beratungen gesetzt. Erst wenn diese Methoden nichts nutzten, werde über operative Methoden nachgedacht, so der Professor. Die früher gebräuchlichen Methoden zur Gewichtsreduktion wie Magenband oder Magenballon haben sich nach Angaben des Arztes nicht bewährt. Ein Teil der gefallenen Pfunde sei bei diesen Maßnahmen in kurzer Zeit wieder drauf.
Funktionaler sind seinen Angaben zu Folge ein Schlauchmagen oder ein Bypass. Etwa ein- bis zweimal pro Woche werde am Adipositas-Zentrum am Klinikum Esslingen ein Schlauchmagen operativ angelegt. Dieser etwa einstündige chirurgische Eingriff sei relativ einfach: Der Teil des Magens, in dem sich die Hungerrezeptoren befinden, wird entfernt. Innerhalb von zwei Jahren sei dadurch ein Verlust von 50 bis 70 Prozent des Übergewichts möglich.
Die andere operative Möglichkeit zur Abnahme bei sehr starkem Übergewicht ist nach Angaben des Professors der Bypass. Durch die Operation münde der Magenausgang nicht mehr in den Zwölffingerdarm, sondern in den tiefer gelegenen Dünndarm. Dadurch werde das Hungergefühl gebremst, die Nahrungszufuhr reduziert, die Insulinproduktion normalisiert. Ein Patient habe die Wirkung gut beschrieben: „Die erste Maultasche schmeckt richtig gut – doch die zweite ist schon zu viel“. Eine Adipositas wird laut dem Mediziner mit dem Body-Mass-Index (BMI) aus Daten von Lebensalter, Gewicht und Körpergröße berechnet. Eine Adipositas mit Grad 1 liege ab einem BMI von 30 bis 35 vor.
Betroffene haben laut Ludger Staib meist einen langen Leidensweg hinter sich. Viele fühlen sich allein gelassen, erleben soziale Isolation und ziehen sich in ein Schneckenhaus zurück. „Gemeinsam statt einsam“ lautet daher das Motto der Adipositas-Selbsthilfegruppe Stuttgart-Esslingen. Sie trifft sich laut Anja Dietze, der Pressesprecherin des Klinikums Esslingen, an jedem vierten Dienstag im Monat um 19 Uhr im Casino des Krankenhauses in der Hirschlandstraße 97. Ansprechpartnerin ist Claudia Schwarz-Blazek, erreichbar unter der E-Mail-Adresse claudia@bw-adipositas.de.
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