Gesundheitsversorgung Kreis Ludwigsburg Die Einzelpraxis ist bald Geschichte

Zu wenig Ärzte, für zu viele Patienten Foto: dpa

Die Menschen werden älter, der Bedarf an Ärzten wird immer größer. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, sagt die Vorsitzende der Ärzteschaft im Kreis Ludwigsburg. Aber es gibt Stellschrauben, mit denen man steuern kann.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Es sieht nicht gut aus, und es gibt keine Anzeichen für eine Besserung. Im Gegenteil. Carola Maitra,die Vorsitzende der Ärzteschaft im Landkreis Ludwigsburg, sieht schwere Zeiten auf Patienten und Mediziner zukommen. Die Situation, insbesondere die primärärztliche Versorgung, stelle sich nicht nur allgemein im ganzen Land als schwierig dar, sondern zunehmend auch im Landkreis Ludwigsburg.

 

Eine immer älter werdende Gesellschaft habe einen höheren Bedarf an ärztlicher Versorgung, doch der könne nicht aufgefangen werden. Es seien in der Vergangenheit zwar mehr Studienplätze geschaffen worden, aber kurzfristig helfe das nicht. „Das greift erst in Jahren.“

Dazu komme, dass die Ärzteschaft immer älter werde. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren ist von einer zunehmenden Knappheit der ärztlichen Versorgung auch bei uns im Kreis zu rechnen“, prognostiziert sie. Derzeit sei sie insbesondere bei den Haus- und Kinderärzten spürbar. „Und das wird sich noch verschlechtern, sofern keine effektiven Gegenmaßnahmen getroffen werden“, sagt Maitra warnend.

Die Arbeitsrealität habe sich verändert. Eine durch einen einzelnen Arzt oder Ärztin inhabergeführte Einzelpraxis, der oder die rund um die Uhr erreichbar ist, werde der Vergangenheit angehören. Bereits heute könne davon ausgegangen werden, dass es durch veränderte Arbeits- und Lebensvorstellungen für die Neubesetzung von zwei alten Arztsitzen dreier Neuanfänger bedarf.

Ärzte auch selbst in der Pflicht

Die schnelle Lösung hat jedoch auch Maitra nicht parat. Gleichwohl könne gegengesteuert werden. Beispielsweise durch einen weiteren Ausbau an Studienplätzen. Oder durch eine Steigerung der Attraktivität der ärztlichen Weiterbildung. „Dazu gehören Fördermaßnahmen bereits für Studentinnen und Studenten, die im Rahmen von Praktika und Famulaturen hier interessante Rahmenbedingungen vorfinden könnten“, sagt Maitra.

Aber auch die praktizierenden Ärzte nimmt sie in die Verantwortung. Die Ausbildungssituation in den Praxen müsste trotz hoher Belastung attraktiv gestaltet werden. Kollegen, die mit einer Niederlassung liebäugelten, sollten attraktive Rahmenbedingungen bekommen – beispielsweise auch für ihre Familien. Außerdem spielen nach Maitras Erfahrung auch kooperative Praxis- und Arbeitsmodelle und flexible Arbeitszeitzeiten eine wichtige Rolle.

„Es ist im ärztlichen Bereich nicht anders als an anderen Stellen: Je größer die Verbundenheit mit der Region und je attraktiver die Arbeitssituation und je stabiler die Rahmenbedingungen sind, umso mehr Interessenten werden sich finden.“ Deshalb sei es notwendig, über die Berufs- und Sektorengrenzen hinweg im Landkreis zu überlegen, wie eine möglicherweise in der Zukunft drohende Unterversorgung vermieden und die bisherige hochstehende medizinische Versorgung erhalten werden könne.

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