Gesundheitswesen Mehr Personal allein hilft nicht

Sieht sich durch das Gutachten des Sachverständigenrates bestätigt: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: dpa/Felix Müschen

Ein neues Gutachten beschreibt die vielen Baustellen im deutschen Gesundheitswesen. Das Hauptproblem ist aber nicht die Personalausstattung, sondern die ineffizienten Strukturen, kommentiert Norbert Wallet.

Berliner Büro: Norbert Wallet (nwa)

Und ewig grüßt das Murmeltier? Wieder hat eine Studie das gravierende Ausmaß des Personalmangels im Gesundheitswesen beschrieben. Diesmal ist es der Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege, der die immer bedrohlicheren Perspektiven der Unterversorgung mit Pflegekräften, Ärzten und medizinischem Fachpersonal herausgearbeitet hat.

 

Wir haben zu viele Krankenhäuser

Nichts Neues also, könnte man denken – und läge damit falsch. Die Experten machen nämlich deutlich, dass es längst nicht mehr ausreicht, Wege zu verstärkter Personalgewinnung zu erschließen. Im internationalen Vergleich hat das deutsche Gesundheitswesen trotz bedrohlicher demografischer Entwicklung noch immer eine gute Stellung, was die Ausstattung mit Personal angeht.

Aber ineffiziente Strukturen sorgen dafür, dass dennoch erhebliche Engpässe entstehen: weil wir zu viele Krankenhäuser haben; weil wir zu viel stationär behandeln, weil wir bei der Ambulantisierung der Leistungen noch nicht genug Fortschritte machen; weil zu viel Bürokratie der effizienten Versorgung im Wege steht.

Widerstand gegen die Klinikreform ist erschreckend kurzsichtig

Das alles zeigt, wie erschreckend kurzsichtig der verbissene Widerstand der Krankenhausgesellschaft und mancher Länderminister gegen die Krankenhausreform ist. Sie ist dringend notwendig. Sie muss – unter anderem – begleitet werden von mehr Telemedizin, mehr Digitalisierung, klaren Vorgaben für medizinische Versorgungszentren, einer umfassenden Entlastung vor allem der niedergelassenen Ärzte von Bürokratieaufwand.

Man kann am zuweilen irritierenden Politikstil und dem defizitären Kommunikationstalent von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vieles bemäkeln. Aber unter seiner Amtsführung arbeitet sein Haus mit Hochdruck an all diesen Baustellen, die zu lange unbearbeitet geblieben sind. Das wenigstens sollten auch seine Kritiker anerkennen.

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