Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen Ideen fürs Sorgenkind Synergiepark

Zu den Ideen gehört, das Grundstück, auf dem heute zwei Gasbehälter stehen, zum Zentrum des Gebiets zu machen. Foto: Götz Schultheiss

Der Stuttgarter Unternehmer Andreas Lapp hat professionelle Stadtplaner engagiert, sich Gedanken über die Aufwertung des Synergieparks zu machen. Die Ergebnisse wurden nun vorgestellt.

Vieles, was in Stuttgart gut und schön ist, finanziert die Landeshauptstadt mit den Gewerbesteuereinnahmen aus dem Synergiepark in Möhringen und Vaihingen. Trotzdem ist das Gewerbegebiet ein Sorgenkind. Dort arbeiten gegenwärtig rund 20 000 Menschen, in wenigen Jahren werden es circa 40 000 sein. Schon jetzt gibt es dort massive Verkehrsprobleme. Außerdem präsentiert sich das Areal als Betonwüste ohne Grünflächen, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.

 

Diese Woche hat nun Andreas Lapp, der Vorstandsvorsitzende der im Synergiepark ansässigen Lapp Holding AG, im Bürgerhaus Möhringen den Bezirksbeiräten von Möhringen und Vaihingen Pläne für die Aufwertung des Gewerbegebiets zu einem Werkquartier vorgestellt. Dabei ist die Eigeninitiative des Unternehmers, der dafür professionelle Stadtplaner beauftragt hatte, überwiegend auf positive Resonanz gestoßen.

Frage der Seilbahn noch offen

Die Stadt, klagte Andreas Lapp, habe das Gebiet lange vernachlässigt, weshalb er sich entschlossen habe, ein Gesamtkonzept für den Synergiepark entwerfen zu lassen: „Nur jammern nützt nichts. Mal hier eine Straße begrünen, mal dort einen Parkstreifen wegmachen, ergibt kein Gesamtkonzept.“ Dabei, betonte er, gehe es nicht nur um den Verkehr. Wenn man allerdings Lastwagen und Autos aus Vaihingen und Möhringen herausbringen wolle, dann müsse man die Nord-Süd-Straße vierspurig ausbauen. „Weil wir noch nicht wissen, ob zur Verbesserung des Verkehrs in Vaihingen eine Seilbahnverbindung vom Regionalbahnhof durch den Synergiepark kommt oder nicht, haben wir das Werkquartier so konzipiert, dass es auch ohne Seilbahn funktioniert“, sagte Lapp.

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Ein wesentlicher Ansatz zur Verkehrsreduzierung sei der Bau großer Mobilitäts-Hauptumschlagbasen (Hubs) am östlichen und westlichen Rand des Synergieparks, über die das Ankommen im Gebiet laufe und die den motorisierten Verkehr abfingen, sagte Florian Groß vom Stadtplanungsbüro Mess aus Kaiserslautern. Von den Hubs ausgehend solle ein internes Verkehrssystem, zum Beispiel Shuttlebusse, den Personen- und Warenverkehr optimieren.

Neben dem Hub West am Regionalbahnhof als Verkehrsknoten des Nahverkehrs und dem geplanten Großparkhaus an der A8 soll ein weiterer Mobilitätsknoten unmittelbar im Osten des Quartiers an der Nord-Süd-Straße zur weiteren Verkehrsreduzierung beitragen. „Der Grundgedanke liegt darin, dass ein neues großes Parkhaus mit Hub spürbar Druck aus dem Quartier nehmen kann“, sagte Groß. Neben einem Grüngerüst an den Rändern des Gebiets und kleinen grünen Oasen, auch auf auf Firmengrundstücken, bestehe mit der Freilegung des Sindelbachs auch „die Chance, das Quartier gestalterisch und ökologisch aufzuwerten.“

Quartier gestalterisch und ökologisch aufwerten

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Eine große Brücke über die Bahnschiene am Regionalbahnhof Vaihingen soll den Ort mit dem Gewerbegebiet verbinden. Flankiert werden soll sie durch ein neues Bahnhofsgebäude. Zum Zentrum des Synergieparks könnte laut Groß das Grundstück der EnBW werden, auf dem zwei globusförmige Gasbehälter stehen: „Dort ist die Mitte des Quartiers, wo bis zur Neuordnung des Areals Zwischennutzungen wie ein Biergarten, ein Stadtstrand oder eine Veranstaltungsbühne untergebracht werden könnten.“

Pendler mit Parkhaus an der A8 abfangen

Hermann-Lambert Oedinger von der Abteilung Stadtentwicklung, der nach der Präsentation des Werkquartiers die Maßnahmen der Stadt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Revue passieren ließ, verwies darauf, dass die Stadt prüfe, wie sich Einzelvorschläge der von Lapp in Auftrag gegebenen Studie rasch verwirklichen ließen. Im Mai wolle die sich die Verwaltung mit Andreas Lapp und der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV), die ebenfalls seit Langem an der Quartiersaufwertung arbeitet, über die Vorschläge beraten.

Bei den Bezirksbeiräten stieß das Werkquartierskonzept überwiegend auf positive Resonanz. Er sei vom Konzept beeindruckt, sagte Ulrich Bayer (CDU Vaihingen). Er sehe das Parkhaus am Hub Ost allerdings nicht als zielführend an. Man müsse die Pendler mit einem Parkhaus an der A8 abfangen. Für Christa Tast (Grüne Vaihingen) standen die Pläne im Widerspruch zur angestrebten Klimaneutralität des Gewerbegebiets. Dies, versicherte ihr Oedinger, sei nicht der Fall. Beide Ziele ergänzten sich. Gerhard Wick (Die Fraktion) begrüßte die Begrünung des Quartiers, kritisierte aber, dass auf dem EnBW-Gelände Raum für Bebauung vorgesehen werde. Björn Selent (SPD Möhringen) kritisierte, dass der von Lapp geforderte Ausbau der Nord-Süd-Straße, wie jeder andere Straßenausbau, mehr Verkehr generiere.

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