Gewerbeumfrage in Baltmannsweiler Betriebe wollen sich vergrößern
Vier Betriebe suchen Erweiterungsflächen – das hat die erste Gewerbeumfrage der Kommune Baltmannsweiler ergeben. Allerdings sind Gewerbeflächen dort knapp.
Vier Betriebe suchen Erweiterungsflächen – das hat die erste Gewerbeumfrage der Kommune Baltmannsweiler ergeben. Allerdings sind Gewerbeflächen dort knapp.
Baltmannsweiler - Rund ein Viertel der Betriebe in Baltmannsweiler, die sich an der Befragung beteiligt haben, möchten sich in Zukunft vergrößern. Das ist eine der zentralen Aussagen der Gewerbeumfrage der Kommune. Allerdings ist der Wunsch nach Erweiterung auf der Markungsfläche kein Selbstläufer. Ähnlich wie in anderen verdichteten Siedlungsräumen auf den Fildern sowie entlang von Neckar und Fils, sind die Flächen auch in der Schurwaldgemeinde längst knapp geworden.
Wie Erweiterungsbedarf und Flächenangebot zusammenpassen, das möchte der Bürgermeister Simon Schmid im nächsten Schritt klären. Die Umfrage hatte einen Erweiterungsbedarf von 6650 Quadratmetern bei insgesamt vier Betrieben ergeben. Dem stehen laut Flächennutzungsplan 1,9 Hektar potenzielle gewerbliche Bauflächen gegenüber.
Nur jeder fünfte Betrieb in Baltmannsweiler hat sich überhaupt an der Gewerbeumfrage der Kommune beteiligt. Das sei gering, aber akzeptabel, bewertet die Verwaltung den Rücklauf. Bei der Vorstellung der Ergebnisse im Gemeinderat standen auch die Fragen im Raum, ob die erste Befragung dieser Art eher als Stimmungsbild zu verstehen ist oder wirklich repräsentative Daten geliefert hat.
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Wie dem auch sei, zunächst soll das Ergebnis der Umfrage mit dem örtlichen Bund der Selbstständigen (BDS) besprochen werden, immerhin war der BDS bereits an den Vorbereitungen zur Umfrage beteiligt. Und das Thema Erweiterungsbedarf wird auch beim nächsten Gewerbefrühstück, das für Anfang 2022 vorgesehen ist, auf der Tagesordnung stehen. Um den Bedarf zu verifizieren, möchte Schmid gezielt auf die Betriebe zugehen, die erweitern wollen. Dann gelte es, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Sowohl im Gewerbegebiet Klingenäcker in Baltmannsweiler als auch im Gewerbegebiet Escherländer in Hohengehren ist das Potenzial an freien Flächen nahezu ausgereizt. Die Klingenäcker „sind eigentlich vollständig bebaut“. Lediglich ein Grundstück am nördlichen Zipfel wartet noch auf den Bau der neuen Feuerwache. Ansonsten „gibt es nur noch einzelne Restflächen in Privateigentum, die teils als Lagerflächen genutzt werden“, skizzierte Rainer Metzger vom Nürtinger Ingenieurbüro Melber & Metzger die Lage.
Ähnliches gelte für Hohengehren, wo inzwischen auch die letzten Flächen im Gewerbegebiet Escherländer bebaut worden sind, das sich südlich der Kreisstraße befindet. Im Flächennutzungsplan werden als Reserven noch zwei benachbarte Flächen zwischen Wilhelm- und Wasenstraße ausgewiesen. Diese bestehen aus einer lediglich 0,3 Hektar großen potenziellen Gewerbefläche sowie einem 1,1 Hektar großen Mischgebiet.
„Kein nennenswertes Potenzial“, erklärte dazu Rainer Metzger. Und erinnerte an Überlegungen, wonach nördlich der Kreisstraße auf Basis des Flächennutzungsplans perspektivisch weitere Flächen erschlossen werden könnten. Gegen eine Nutzung dieser 1,6 Hektar großen Wiesenfläche, die nur ein schmales Gewerbegebiet zulassen würde, regte sich im Rat Unmut.
Peter Röser (Grüne) erinnerte an den geforderten Abstand von 20 Metern, der zur Kreisstraße zwingend eingehalten werden müsse. Dadurch würde die bebaubare Fläche „verschwindend gering“ und der Eingriff in die Natur und die Kosten für die Erschließung stünden dazu in keinem Verhältnis. Man müsse gut abwägen und fragen, was man sinnvoll erschließen könne angesichts der „sehr kostbaren Flächen“ und das in Zeiten, in denen Klimawandel und Artensterben die global schärfsten Krisen darstellten. Man müsse sich fragen, „welchen Benefit hat die Gemeinde, wie viele Mitarbeiter kommen dazu und wie viel Gewerbesteuer wird bezahlt“.
Nadine Grimme (Freie Wähler) erklärte: „Ich will nicht, dass in Baltmannsweiler nicht mehr gebaut werden kann. Wir müssen weiterkommen, wir sind nicht am Ziel.“ Bürgermeister Schmid sagte, der Streifen nördlich der Kreisstraße in Hohengehren eigne sich für ein Gewerbegebiet, doch zunächst wolle er den Bedarf bei den Betrieben abfragen. „Wir schauen uns die Dinge Schritt für Schritt an.“
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23 von 109 angeschriebenen Betrieben haben geantwortet
Beteiligung Insgesamt 109 Betriebe aus den Branchen Handwerk, Dienstleistung, Handel und Produktion sind bei der Gewerbeumfrage angeschrieben worden. 23 Unternehmen haben sich beteiligt und den Fragebogen beantwortet.
Flächenbedarf Sechs Betriebe haben einen Erweiterungsbedarf genannt, davon gaben zwei an, am Standort vergrößern zu können. Der Bedarf an neuen Flächen der übrigen vier Unternehmen summiert sich auf besagte 6650 Quadratmeter. In den nächsten ein bis vier Jahren wollen sich vergrößern: Zimmerei und Gesundheitspraxis sowie Betriebe aus den Branchen Handel, Produktion, Freizeit und Tourismus. Entstehen sollen ferner Büro-, Lager- und Seminarräume.
Standort Von den 23 teilnehmenden Betrieben sind 15 sehr oder eher zufrieden mit ihrem Standort. Kritik gab es an beengten Verhältnissen im Gebiet Escherländer, an der Befahrbarkeit des Gewerbegebiets Klingenäcker und am LKW-Fahrverbot Schurwald. Kritisiert wurden auch eine ungünstige Lage des Betriebs in zweiter Reihe und Probleme mit angrenzender Wohnbebauung.
Internet Die Bewertung mit und der Bedarf an Breitbandversorgung fiel unterschiedlich aus. com