Gewerkschaftstag Die Beamten wollen mitmischen

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Der Beamtenbund will künftig mehr mitgestalten. Die neue Führung unter Klaus Dauderstädt bietet der Bundesregierung einen Demografie-Pakt an.

Klaus Dauderstädt (links) hat vom langjährigen Vorsitzenden Peter Heesen das Regiment im Deutschen Beamtenbund übernommen und strebt nun neue Ziele an. Foto: dapd
Klaus Dauderstädt (links) hat vom langjährigen Vorsitzenden Peter Heesen das Regiment im Deutschen Beamtenbund übernommen und strebt nun neue Ziele an. Foto: dapd

Berlin - Sonntagsreden werden auch an Dienstagen gehalten – das gilt besonders, wenn die Parteien ihre Grußwortredner zum Gewerkschaftstag entsenden. Plötzlich sind sie alle den Staatsdienern wohlgesonnen. Kein Politiker mag es sich mit dem Beamtenbund und den 1,26 Millionen Mitgliedern auf offener Bühne verscherzen – zumal das Wort des DBB bis in die Ministerien hinein Gewicht hat.

Was wäre nun, wenn der als Bundesratspräsident eingeladene Winfried Kretsch­mann nicht seinen Stellvertreter, den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU), vorschicken würde? Würde der Grüne in Berlin seine massiven Probleme mit den Beamtenvertretern im Südwesten beklagen? Kaum. So bleibt den 860 Delegierten wegen Kretsch­manns Terminkollision in Stuttgart eine weitere Wohlfühlansprache erspart.

„Den Ländern ordentlich einheizen“

Dass Sonntagsreden auch überraschende Pointen enthalten können, beweist der SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann. Der öffentliche Dienst müsse für die Beschäftigten finanziell attraktiv bleiben, fordert er wie seine Vorredner – und rät dem Beamtenbund für die anstehende Tarifrunde, den Ländern „ordentlich einzuheizen“. Immer mehr Finanzminister seien Sozialdemokraten – „die können das ab“, sagt Oppermann. Dies dürfte der neue Verhandlungsführer der Ländergemeinschaft (TdL), Jens Bullerjahn (SPD) aus Sachsen-Anhalt, nicht so locker sehen.

Keine Sonntagsrede, sondern einen für seine Verhältnisse kämpferischen und zukunftsgerichteten Auftritt bietet der neue DBB-Chef Klaus Dauderstädt. Der Bundesregierung schlägt er einen Demografie-Pakt für den öffentlichen Dienst vor. Die bisherige Strategie bleibe an der Oberfläche. Nun will der Vorsitzende einen praktischen Bezug zur Ausbildung, zur Familienfreundlichkeit, zum Gesundheitsmanagement und zu altersgerechten Bedingungen im Betrieb schaffen. „Der DBB bietet an, bei demografiefesten Anpassungen des Beamtenrechts ebenso konstruktiv mitzuwirken wie bei der Formulierung von Demografie-Tarifabschlüssen“, sagt Dauderstädt. Dass dies nicht ohne Zugeständnisse abgeht, steht vorerst nur zwischen den Zeilen. Eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeitgrenzen soll es aber keinesfalls geben.

Die Regierung hat als Teil ihrer Demografiestrategie bereits eine Arbeitsgruppe zum öffentlichen Dienst eingerichtet. Geleitet wird sie vom Bundesinnenminister, Dauderstädt ist sein Kovorsitzender.