Gigabitregion Stuttgart Glasfaserausbau: die Politik macht Druck

Es könnte schneller gehen, ist aber in Deutschland bisher nicht üblich: das so genannte Trenching. Dabei werden die Glasfaser-Mikrorohre in schmale Schlitze in der Bordsteinkante verlegt – die Straßen müssen nicht aufgebaggert werden. Foto: Telekom

Bis 2030 sollen alle Haushalte in der Region einen Glasfaseranschluss haben. Das dauert vielen Politikern zu lang. Das Ausbau-Tempo ließe sich steigern – wären da nicht deutsche Vorgaben.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Stuttgart - Walter Goldenits, der Geschäftsführer Technologie der deutschen Telekom, ist quasi als Feuerwehrmann nach Stuttgart gekommen. Denn ein Versprechen seines obersten Chefs, Tim Höttges, hatte bei vielen Verantwortlichen in der Region Stuttgart für erhebliche Irritationen gesorgt. Der Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende hatte im Frühjahr in einem Interview für das Jahr 2030 den bundesweiten Ausbau des Glasfasernetzes bis in jede Wohnung in Aussicht gestellt.

 

Nicht nur, dass dies angesichts der aktuellen Situation in Deutschland ein überaus ambitioniertes Ziel zu sein scheint. Denn momentan bewegt man sich in Deutschland noch immer im niedrigsten zweistelligen Bereich und belegt damit, wie die regionale CDU ermittelt hat, weltweit gerade einmal Platz 37.

Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen

In Stuttgart fragte man sich aber vor allem, wie diese Aussage zu dem Vertragswerk passt, das die Deutsche Telekom vor zwei Jahren mit der Gigabitregion Stuttgart geschlossen hatte. Darin ist geregelt, dass die Telekom eine Milliarde Euro für den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes in der Region in die Hand nimmt, wenn die Gigabitregion ihrerseits 500 Millionen Euro beisteuert. So sollen bis 2030 mindestens 90 Prozent aller Haushalte mit Glasfaseranschluss ausgestattet sein. Bekommt also Restdeutschland mehr als die Region Stuttgart – und das ganz ohne eigenen Beitrag? Ganz und gar nicht, beteuerte Walter Goldenits nun vor der Regionalversammlung. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen. Vielmehr habe Höttges deutlich gemacht, dass die Telekom den Ausbau allein nicht werde stemmen können, sondern auf Mithilfe angewiesen sein wird.

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Frankfurt will Nummer zwei werden – hinter Stuttgart

In Stuttgart sei das Telekom-Engagement aber besonders groß. Während die Telekom davon ausgeht, aus eigener Kraft bundesweit bis 2030 rund 60 Prozent der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgen zu können, werde der Telekom-Anteil in der Region bei mindestens 90 Prozent liegen. Stuttgart werde nicht nur deshalb überall in Deutschland um seine Gigabitregion beneidet, betonte Goldenits. Frankfurt etwa habe nun eine ähnliche Region gebildet mit dem Ziel, die Nummer zwei in Deutschland zu werden – hinter Stuttgart, versteht sich.

Das Besondere an der Stuttgarter Lösung sei, dass der Vertrag festschreibt, dass die Glasfaser so schnell wie möglich in alle 174 beteiligten Städte und Kommunen gebracht werden soll – auch in Gegenden, die aus wirtschaftlicher Sicht nicht vorrangig ausgebaut werden müssten. Man sei mit gut 80 Gemeinden im Gespräch, wo und wann in den nächsten zwei Jahren der Ausbau vorangetrieben werden könne.

„In kaum einer Region in Deutschland werden momentan so viel und so schnell Glasfasern verlegt wie in der Gigabitregion Stuttgart“, betonte der Telekom-Technik-Chef. Bereits jetzt habe die Telekom mehr als 100 000 Haushalte der Region mit einem Zugang zu einem Glasfaseranschluss ausgestattet, im kommenden Jahr sollen weitere 100 000 dazu kommen. Mehr als 100 Gewerbegebiete seien zudem mittlerweile für den Glasfaserausbau frei gegeben. Das sei ein Rekord für die Telekom. Hans-Jürgen Bahde, der Chef der Gigabitregion Stuttgart, sprang Goldenits zur Seite: „Stuttgart wird die erste Wirtschaftsregion in ganz Deutschland sein, die flächendeckend mit einem Glasfasernetz ausgestattet sein wird.“

Insgesamt müssen rund 1,3 Millionen Abschlüsse geschaffen werden

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Allerdings geht das vielen Regionalräten immer noch nicht schnell genug. Denn allein in der Region Stuttgart müssen insgesamt rund 1,3 Millionen Anschlüsse geschaffen werden. Und es soll noch fast zehn Jahre dauern, bis das Mammutprojekt Glasfaser für die Region abgeschlossen sein könnte, das ist im digitalen Zeitalter eine Ewigkeit. Auch sorge die Tatsache, dass in der Region zwar an ausgewählten Stellen Glasfasern verlegt werden, aber an vielen Orten eben nicht, für Neid und Unmut in der Bevölkerung.

Vorbehalte müssen ausgeräumt werden

Aber auch der Druck aus der Politik wächst – verbunden mit der Forderung, das Tempo beim Glasfaserausbau noch einmal deutlich zu erhöhen. Goldenits spielte diesen Ball jedoch zurück in die Region: Natürlich sei ein schnellerer Ausbau möglich. Allerdings müssten dafür zunächst die Voraussetzungen geschaffen und Vorbehalte ausgeräumt werden. Neben beschleunigten Bauverfahren müsse man dann auch über alternative Verlegemethoden sprechen. Während es in anderen Ländern üblich sei, die Glasfasern oberirdisch zu verlegen und an den Außenwänden der Häuser zu befestigen, sei das in Deutschland bisher nicht möglich.

Auch die Begeisterung für das „Micro-Trenching“, ein Verfahren, mit dem die Glasfasern mindestens doppelt so schnell verlegt werden können, halte sich hierzulande bisher in Grenzen: Statt die Straße mühselig mit Baggern aufzugraben, werden beim Micro-Trenching nur schmale Schlitze direkt an der Bordsteinkante gefräst, um die Mikrorohre zu verlegen. Eine Methode, die in vielen Ländern bereits erfolgreich seit mehr als zehn Jahren angewandt wird.

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