Girokonto Kritik am Gebührendschungel der Banken

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Von der Abhebung am Geldautomaten bis zur Kartenzahlung an der Ladenkasse: Immer mehr Kreditinstitute rechnen jede Transaktion einzeln ab. Das erschwert Verbrauchern den Vergleich der verschiedenen Kontomodelle.

Geld abheben kostet bei einigen Banken und Sparkassen Geld. Foto: dpa
Geld abheben kostet bei einigen Banken und Sparkassen Geld. Foto: dpa

Frankfurt - Fast 250 Euro an Kontogebühren pro Jahr: In einem am Dienstag veröffentlichten Preisvergleich der Stiftung Warentest hat die Bremische Volksbank den Vogel abgeschossen. Genau 249,20 Euro müsste laut den in der Zeitschrift „Finanztest“ veröffentlichten Ergebnissen ein Kunde zahlen, der das Kontomodell Klassik der Bremer online nutzt. Der Grund für die hohen Kosten: Bei diesem Kontomodell fällt neben der monatlichen Grundgebühr für jede Buchung ein Entgelt an – auch im Internet oder bei Kartenzahlungen. Die Bremische Volksbank bietet allerdings auch günstigere Kontomodelle an. Ein Klassik-Konto besäßen lediglich zwei Prozent aller Kunden des Geldinstitutes, teilte die Bremische Volksbank auf Anfrage mit.

Ähnlich verhält es sich bei der Südwestbank: Das Konto Giro Individual, das unter den getesteten Angeboten aus Baden-Württemberg das teuerste ist, wird nach Angaben des Instituts von „weniger als einem Prozent“ der Kunden genutzt. Der von den Warentestern unterstellte Online-Nutzer käme hier auf eine Jahresgebühr von 171,22 Euro. Er könnte stattdessen aber auch das reine Online-Konto Giro Kompakt für 34,80 Euro wählen. Wie die Bremische Volksbank bietet auch die Südwestbank auf ihrer Website einen Kontofinder an. Mit wenigen Angaben können Kunden dadurch das für sie beste Konto ermitteln.

Fast 50 Konten sind noch kostenlos zu haben

Auch kostenlose Konten gibt es noch: In ihrem Online-Produktfinder (siehe Infokasten) listet die Stiftung Warentest 23 „Gratiskonten ohne Wenn und Aber“ auf. Hinzu kommen 25 Konten, die unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos sind – beispielsweise bei Eingang einer monatlichen Mindestsumme. Als günstig stufen die Warentester alle Konten mit einem Jahrespreis bis 60 Euro ein. Mehr sollte ein Girokonto ohne Kreditkarte ihrer Ansicht nach nicht kosten.

Der Trend geht klar zu steigenden Gebühren: 2014 fanden die Tester – obwohl weniger Angebote geprüft wurden – noch 30 Gratiskonten ohne Nebenbedingungen. Angesichts der niedrigen Zinsen sind viele Geldhäuser auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. In einer im Juni veröffentlichten Erhebung der Unternehmensberatung Ernst & Young gab ein Drittel der 120 befragten Banken an, die Gebühren für Privatkunden in diesem Jahr angehoben zu haben oder Erhöhungen vorzubereiten.

„Teilweise haben die Preiserhöhungen absurde Züge“, stellt die Stiftung Warentest fest. Als Beispiel nennt sie die Salzlandsparkasse in Sachsen-Anhalt, die einigen Kunden für Geldabhebungen am eigenen Automaten 50 Cent berechne. Dass eine ganze Reihe von Sparkassen und Volksbanken Gebühren fürs Geldabheben von den eigenen Kunden kassiert, war bereits im Frühjahr bekannt geworden – bei den meisten Instituten ist allerdings eine gewisse Anzahl von Abhebungen im Monat kostenlos.

Grüne fordern Begrenzung von Einzelabrechnungen

Die Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch (Grüne) forderte: „Gängige Leistungen wie Abhebungen müssen wieder einheitlich durch die Kontoführungsgebühr abgedeckt sein, versteckte Zusatzkosten für Standardleistungen darf es nicht geben. So können Verbraucherinnen und Verbraucher die Angebote von Banken und Sparkassen wieder einfacher miteinander vergleichen.“ Die Grünen-Fraktion hatte im Mai einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) übte scharfe Kritik: „Kontoführungsgebühren schießen bei vielen Banken und Sparkassen durch die Decke“, sagte VZBV-Finanzexperte Christian Pauli. Zwar könne niemand verlangen, dass die Institute Konten und Zahlungsdienstleistungen komplett kostenfrei anböten. Wohl aber müssten Verbraucher „durch einen Kontowechsel Druck auf die Preisvorstellungen der Anbieter ausüben“. Eben dies werde durch intransparente Gebühren behindert: „Immer neue Abrechnungsansätze und Entgelte machen es immer schwerer, Kontokosten zu vergleichen“, sagte Pauli.

Fortschritte erhofft sich der Verbraucherschützer von neuen EU-Regeln, die Banken ab 2018 zu einer jährlichen Auflistung der Gebühren verpflichten : „Dann sehen die Verbraucher wenigstens auf einen Blick am Jahresende, was sie gezahlt haben.“ Unklar sei hingegen noch, wie viele Verbesserungen die EU-weite Standardisierung von Gebühreninformationen für Zahlungsdienste bringen werde.