Glasfaser in Sindelfingen Bis 2030 soll das gesamte Stadtgebiet abgedeckt sein

In Sindelfingen verlegen die Stadtwerke die Glasfaser selbst. Foto: /Stadtwerke Sindelfingen

Sindelfingen wollte den Glasfaser-Ausbau voranbringen und kooperiert dafür mit der Telekom. Das Fazit nach einem Jahr fällt positiv aus.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Die Telekom hat Mitte März ihren ersten Kunden auf dem Glasfasernetz der Stadtwerke Sindelfingen begrüßt. Die Besonderheit dieser Nachricht steckt vor allem in der zweiten Hälfte des Satzes. Denn in Sindelfingen bauen die Stadtwerke das Glasfasernetz selbst aus – in Kooperation mit der Telekom. So soll ein flächendeckender Ausbau aus einer Hand gelingen. Bis 2030 wollen Stadtwerke und Telekom 24 000 Haushalte ans Glasfasernetz bringen. Diese Art der Zusammenarbeit scheint derzeit noch eher selten zu sein. Die Telekom listet auf ihrer Homepage deutschlandweit bislang lediglich 19 Kooperationen auf – darunter seit Ende 2022 die mit Sindelfingen.

 

Markus Metzger von den Stadtwerken Sindelfingen erklärt, wie die Zusammenarbeit funktioniert und welche Vorteile sie aus seiner Sicht bringt. Als einen entscheidenden Vorteil nennt er den schnelleren Ausbau. Die Stadtwerke verlegen bereits seit 2008 Glasfaser. Vor der Kooperation mit der Telekom allerdings meist zusammen mit anderen Leitungsbaumaßnahmen der Stadtwerke. „Wir haben festgestellt, dass wir mit diesem Mitverlegungskonzept noch über 30 Jahre benötigen, um einen flächendeckenden Glasfaserausbau in Sindelfingen zu erreichen“, erklärt Metzger.

Hoffnung, dass kein doppelter Ausbau erfolgt

Seit der Kooperation mit der Telekom erfolge der Ausbau losgelöst von anderen Leitungsbauprojekten der Stadtwerke. „Hierdurch haben wir einen ganz anderen Ausbaufortschritt“, sagt er. Als weiteren Vorteil bezeichnet er die Bündelung von Expertisen: Die Stadtwerke würden sich vor Ort auskennen und wissen, wie man Versorgungsnetze aus- und aufbaut, die Telekom wiederum wisse, wie man Telekommunikationsnetze betreibe.

Markus Metzger ist Abteilungsleiter IT/ Telekommunikation bei den Stadtwerken in Sindelfingen. Foto: Stadtwerke Sindelfingen/Harald Reich

Verhindert die Kooperation auch, dass doppelt oder gar dreifach ausgebaut wird? Das ist zumindest Metzgers Hoffnung. Er erinnert an das Baugebiet Allmendäcker II in Maichingen, das vor der Kooperation verkabelt wurde. „Da liegen drei Glasfaserkabel im Boden. Das ist einfach verbranntes Geld.“ Zwar verhindert die Kooperation de facto nicht, dass andere Anbieter Glasfaserkabel in Sindelfingen verlegen, sie könnte es aber unattraktiver machen. Gegen eine Durchleitungsgebühr bietet die Telekom anderen Telekommunikationsunternehmen Zugriff auf das von den Stadtwerken ausgebaute Netz, erklärt Metzger.

Die Stadtwerke wiederum bekommen pro Kunde, der ein Internetprodukt – egal bei wem – bucht, eine Pachtgebühr. Denn die Kooperation bedeutet nicht, dass Sindelfingerinnen und Sindelfinger nur noch bei der Telekom einen Glasfaseranschluss buchen können. „Die Sindelfinger Bürger können auf dem Glasfasernetz der Stadtwerke einen Telekommunikationsanbieter frei wählen“, betont Metzger.

Bis 2030 komplettes Stadtgebiet abdecken

Das Versprechen des schnelleren Ausbaus scheint sich bislang zu erfüllen. Seit dem Start der Kooperation bis Februar 2024 haben die Stadtwerke etwa 17 Kilometer Glasfasertrasse in Maichingen-Süd gebaut. Dort können nun 2800 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen werden und haben die Möglichkeit, einen Glasfaseranschluss direkt bis ins Haus oder die Wohnung zu bestellen. Laut Metzger haben das von den 2800 Haushalten bislang knapp 900 getan. „Und täglich kommen neue Bestellungen dazu.“ Nach Maichingen-Süd sind bis 2025 Maichingen-Nord und Darmsheim an der Reihe. Dort sind es insgesamt 5300 Haushalte, die die Möglichkeit eines Glasfaseranschlusses bekommen sollen.

Die Glasfaser, die die Stadtwerke vor und seit der Kooperation verlegt haben, decken laut Metzger 37 Prozent des Stadtgebiets ab. Er zeigt sich zuversichtlich, dass sie bis 2030 das gesamte Stadtgebiet schaffen werden. „Das Projekt läuft super und wir sind sehr gut im Zeitplan.“

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