Glaube in Bad Cannstatt Die Ostergeschichte hautnah erleben

Von Georg Linsenmann 

Vom Garten Gethsemane, dem letzten Abendmahl, Gefangennahme, Kreuztragung über die Via Dolorosa bis auf Golgotha: In der ehemaligen Gärtnerei Munder entsteht eine Ostergarten-Szenerie zur Passion Christi.

Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler und Initiator Andreas Munder (v.r.) mit Mitspielern bei der Erstbesichtigung des Ostergartens, der am 1. April eröffnet wird. Foto: Linsenmann
Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler und Initiator Andreas Munder (v.r.) mit Mitspielern bei der Erstbesichtigung des Ostergartens, der am 1. April eröffnet wird. Foto: Linsenmann

Bad Cannstatt - In den Gewächshäusern rechter Hand warten großformatige Terrassenpflanzen in ihrem wohltemperierten Mietquartier höchst beschaulich auf das Frühjahr. In den zwei verbliebenen Gewächshäusern aber herrscht Emsigkeit, gemischt mit den einschlägigen Geräuschen von Kreissägen, Bohrern, Hämmern und Schraubern. So geht das nun schon seit Oktober vergangenen Jahres, Samstag für Samstag. Auch dieses Wochenende, wo trotz zweistelliger Minusgrade schon um 9 Uhr die ersten Helfer am Eingang standen. Kurt Fähnle zum Beispiel, der Schreiner, dem Andreas Munder am liebsten gleich einen Orden für vorbildlichen Einsatz verleihen würde. Beispielhaft für die Begeisterung, mit der über 200 ehrenamtliche Helfer das Großprojekt „Ostergarten“ baulich ins Werk setzen.

Ein Elan, den Munder selbst verkörpert. Vom Gärtner im Unruhestand ist die Idee, am grünen Rand von Cannstatt, in der Masurenstraße 31, auf den 4000 Quadratmetern Fläche der beiden großräumigen Gewächshäuser einen Ostergarten zu realisieren: „Weihnachten kennt und versteht jeder. Bei Ostern ist das immer weniger der Fall. Deshalb wollen wir die Ostergeschichte den Menschen in historischer Kulisse nahebringen“, erklärt Munder und betont: „Uns geht es um die Werte von Ostern. Um Jesu Vorbild, um echte Freundschaft, um die Liebesbotschaft. Der Glaube ist Dreh- und Angelpunkt unserer Motivation.“

Ambiente des antiken Jerusalem

Der Kern der Idee ist, die Besucher atmosphärisch in die Zeit Jesu zurückzuversetzen, in das nachempfundene historische Ambiente des antiken Jerusalem. Schon der Zugang zur Gärtnerei wird „römisches Jerusalem“ signalisieren, Marktplatz und Wächter inklusive. Drinnen wird dann das Passionsgeschehen in elf Stationen skizzenhaft nachgespielt. Vom Garten Gethsemane, dem letzten Abendmahl, Gefangennahme, Kreuztragung über die Via Dolorosa bis auf Golgatha, wo 15 Tonnen Erde und Gestein einen stattlichen Hügel abgeben. Durch einen Grabestunnel geht es schließlich Richtung Auferstehung im finalen Ostergarten, wo Munder bereits tausend Narzissen-Zwiebeln gepflanzt hat.

Die theologische Konzeption des Ganzen obliegt Jugendpastor Martin Seiler, der auch die erste Führung durch die „Baustelle“ macht, die schon weit fortgeschritten ist: „Wir wollen die Ostergeschichte zwar im historischen Gewand zeigen, aber auch als erfahrbares, gelebtes Christentum. Es geht uns nicht um einen Event, sondern um eine Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen“, betont Sailer. Dabei spiele auch ein neutraler, zur Meditation einladender Raum mit einem roh auf die Erde gelassenen Kreuz eine wichtige Rolle. Und nach dem Verlassen des Ostergartens besteht draußen, beim Gärtnerei-Pavillon, „Gelegenheit für ein schönes Miteinander im Grünen samt kleinem Streichelzoo“, ergänzt Munder.

Eine Attraktion für Bad Cannstatt

Getragen wird das Projekt von den Gemeinden der Evangelischen Allianz Stuttgart, von denen sich drei besonders engagieren: der Offene Abend, die protestantisch-freikirchliche Gemeinde Brothaus sowie das Gospelforum, das in rechtlicher Hinsicht auch als Veranstalter fungiert. In der Gestaltung werden offensichtlich keine Mühen gescheut. Die 90 Kubikmeter Holz, die der Abriss eines alten Bauernhauses bescherte, sind schon restlos verbaut. Ihr Alter kommt der angestrebten Atmosphäre sehr entgegen. 2000 Quadratmeter Folie wurde schon im Stile von Natursteinmauern bemalt, 80 elektrische Fackeln warten auf die Installation, 150 Tonlampen aus Marrakesch auf den richtigen Platz.

Für das Szenische ist Heike Zilly aus dem Enzkreis zuständig, wie schon mehrfach andernorts: „Ich bin in Jerusalem. Das ist das Gefühl, das wir auch über das Spiel erzeugen wollen“, sagt sie, „und in jedem Bild gibt es eine andere Aktion mit den Menschen, die hier durchgehen.“ Gruppenweise und im Stundentakt wird das geschehen, vom 1. bis zum 17. April.

Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler, der an dieser ersten Führung teilnimmt, hatte sich gefreut, als ihm vor Jahresfrist das Projekt vorgestellt wurde: „Ich dachte, das wird eine kleinere Geschichte. Jetzt sehe ich, dass das allein durch die Einbauten eine beeindruckende Sache wird. Etwas richtig Schönes für Cannstatt und vielleicht auch ein Attraktion darüber hinaus.“

Sonderthemen