Glücksbeauftragter aus Bhutan in Winterbach Glücks-Tipps vom staatlichen Experten

Von ibu 

In Bhutan ist das Glück der Bürger in der Verfassung verankert. Ha Vinh Tho arbeitet im Zentrum für Bruttonationalglück – und verrät, wie das kleine Land das große Glück finden will.

Ha Vinh Tho ist seit einigen Jahren Programmdirektor des Zentrums für Bruttonationalglück in Bhutan – und sichtlich zufrieden mit seinem Job. Foto: Gottfried Stoppel
Ha Vinh Tho ist seit einigen Jahren Programmdirektor des Zentrums für Bruttonationalglück in Bhutan – und sichtlich zufrieden mit seinem Job. Foto: Gottfried Stoppel

Winterbach - Ha Vinh Tho hat einfach Glück gehabt. Als vor einigen Jahren eine Stelle im Zentrum für Bruttonationalglück in Bhutan ausgeschrieben war, bewarb er sich und landete schließlich dort, wo er schon immer hin wollte. In dem Land, in dem die Zufriedenheit der Menschen, ihr Glück, mehr zählt als das Bruttonationalprodukt. So steht es seit 2008 sogar in der Verfassung. Als Mitarbeiter des internationalen Roten Kreuzes hatte er zuvor die Krisen und Kriege der Welt kennengelernt und ihren Ursprung dafür ausgemacht: das Wirtschaftssystem und das Streben nach dem maximalen Profit. Das Konzept des Bruttonationalglücks (BNG) ist für ihn der Gegenentwurf, an dem er nun mitarbeiten darf.

Ha Tho Vinh hat einst an der Waldorfschule unterrichtet

Was sich dahinter verbirgt, darüber hat er bereits überall auf der Welt referiert – und am Mittwoch vor Oberstufenschülern der freien Waldorfschule Engelberg. „Selten habe ich dabei das Gefühl, dass ich mich wie zuhause fühle“, sagte Ha Vinh Tho. Dass es ihm an diesem Vormittag so ging, hat einen Grund: Vor etwa 40 Jahren hat er in dem Winterbacher Teilort Eurythmie und Französisch gelehrt, „die wahrscheinlich schwersten Fächer“, wie er augenzwinkernd bemerkte.

Seinen Lehrerberuf hat er vor vielen Jahren aufgegeben, aber eine Überzeugung hat er aus dieser Zeit mitgenommen: Dass eine ganzheitliche Erziehung eine zentrale Rolle spielt, wenn es um gesellschaftlichen Wandel geht. „Es ist die Frage, welches Menschenbild vermittelt wird. Ob ein guter Job das Ziel eines erfolgreichen Lebens ist, oder ob andere Werte zählen“, sagte Ha Vinh Tho.

Was Mülltrennung mit dem Streben nach Glück zu tun hat

In Bhutan wird deswegen schon an den Schulen für das Bruttonationalglück gearbeitet. Dieses stehe auf vier Grundpfeilern: dem Schutz der Umwelt, einer guten Regierungs- und Verwaltungsstruktur, Bewahrung der kulturellen Werte und Förderung einer sozialgerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung. „Geld ist kein Ziel, sondern ein Mittel. Das wird in der modernen Wirtschaft verwechselt“, sagte Tho, der buddhistischer Lehrer ist.

Wie die konkrete Umsetzung aussehen kann, auch davon erzählte der promovierte Erziehungswissenschaftler. „Wir haben uns zum Beispiel das Ziel gesetzt, keinen Müll mehr zu produzieren.“ Schüler der Hauptstadt hätten etwa auf eigene Initiative beschlossen, nur noch an einem Tag in der Woche Essen in Verpackung mitzubringen. „Aus dieser Verpackung stellen sie Produkte her, die sie zugunsten einer Stiftung verkaufen“, berichtete Ha Vinh Tho. Inzwischen hätten viele Schulen im Land diese Idee übernommen.

Für’s eigene Glück wichtig: Einklang mit der Natur, den anderen und sich selbst

Neben den äußeren Bedingungen für das Glück gebe es auch die innere Dimension. „Echtes Glück ist mehr als ein bisschen feel good“, sagte Tho. Für ihn kann es nur bestehen, wenn man im Einklang mit sich selbst lebt, im Einklang mit der Natur und im Einklang mit den anderen. „Glück kann nur bestehen, wenn andere nicht leiden und es einen inneren Frieden gibt.“

Bruttonationalglück:
Der Ausdruck stammt von Jigme Singye Wangchuck, dem vierten König von Bhutan. Er stellte den Begriff dem Bruttoinlandsprodukt entgegen, um damit zu unterstreichen, dass für ihm die ausgewogene und nachhaltige Entwicklung seines Landes wichtig ist. In Bhutan sind Gesundheit und Bildung kostenlos, die Sozialpolitik und der Umweltschutz haben hohe Priorität. Die Zufriedenheit der Bürger wird mittels Umfragen gemessen.

Vortrag Ha Vinh Tho spricht am Donnerstag, 12. Januar, im Rahmen der Tagung „Glück im Quartier“ der Rudolf Schmid und Hermann Schmid-Stiftung um 17.30 Uhr im Rathaus Stuttgart über innere und äußere Bedingungen des Glücks. Es gibt allerdings nur noch Stehplätze.

Biografie
: Ha Vinh Tho wurde 1951 als Sohn eines Vietnamesen und einer Französin in Toulouse geboren. Er studierte Eurythmie und arbeitete als Waldorflehrer. Von 2005 bis 2011 war er Direktor des Ausbildungsbereichs beim internationalen Roten Kreuz und schulte Menschen für den Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten. Seit 2012 ist er Programmdirektor beim Zentrum für Bruttonationalglück in Bhutan.




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