Göppingen Die AfD drängt in den Göppinger Gemeinderat

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Die Stadt steht wirtschaftlich gut da. Doch ob das reicht, um die Zahl der Protestwähler gering zu halten?

Der aktuelle Göppinger Gemeinderat nach seiner Wahl vor vier Jahren. Foto:  
Der aktuelle Göppinger Gemeinderat nach seiner Wahl vor vier Jahren. Foto:  

Göppingen - Wenn sich der Göppinger Gemeinderat mit Themen plagt, die einen langen Atem brauchen, dann heißt es in der jüngsten Zeit häufig: „Das wird der neue Gemeinderat entscheiden müssen.“ Und wenn sich eine Debatte in die Länge zieht oder einzelne Stadträte ihre Umgangsformen vergessen, heißt es, man habe ja bald einen„neuen Gemeinderat“.

Stets schwingt darin die Hoffnung auf mehr Frieden, mehr Effizienz und vielleicht auch ein bisschen mehr Mut zu schwierigen Entscheidungen mit. Tatsächlich aber befürchten viele Stadträte, dass die Kommunalpolitik in Zukunft noch viel schwieriger werden könnte als sie es bisher war. Man weiß ja nicht einmal, wer dieser „neue Gemeinderat“ eigentlich sein wird.

Die meisten Stadträte rechnen mit zukünftigem Ärger

Die meisten Göppinger Stadträte gehen aber davon aus, dass die Irritationen, als vor acht Jahren die Linke in Gestalt von Christian Stähle in das bürgerlich dominierte Gremium einzog, und eine Wahl später mit Philipp Siemer und Michael Freche noch ein weiterer Linker und ein Pirat folgten, nichts sein werden im Vergleich zu dem Ärger, denn es nach der bevorstehenden Wahl geben wird. Denn nun drängt auch die AfD in das Stadtparlament.

Viele Stadträte befürchten, dass die Rechtspopulisten gute Chancen haben, mit mehreren Vertretern in den Gemeinderat einzuziehen. Man müsse sich einfach die Ergebnisse der letzten Wahlen ansehen, sagt einer. Dass die Stadt wirtschaftlich gut da stehe, helfe da vermutlich nicht viel, mutmaßen die Kommunalpolitiker. Auf der Wahlliste der AfD steht, gleich hinter dem 29-jährigen Polizisten und Kampfsportler Michael Weller, ein alter Bekannter: der frühere Baubürgermeister und FWG-Stadtrat Joachim Hülscher.

Die erwartete Rückkehr von Joachim Hülscher löst ein geteiltes Echo aus

Während die meisten Stadträte noch keine rechte Vorstellung davon haben, was von Weller zu erwarten sein wird, so er es tatsächlich in das Gremium schafft, verdrehen einige beim Gedanken an Hülscher schon jetzt die Augen. Denn sie gehen davon aus, dass der einst geschasste Baubürgermeister immer noch vor allem ein Hühnchen mit dem Oberbürgermeister Guido Till rupfen möchte und die Sachpolitik erst an zweiter Stelle kommt.

Andere weisen hingegen daraufhin, dass man mit Hülscher einen AfDler zu erwarten habe, der zwar sehr konservativ sei, aber nicht der extremen Rechten angehöre. „Mit dem kann man wenigstens noch vernünftig reden und muss sich nicht nur Parolen anhören“, sagt ein Stadtrat. Einig sind sich freilich alle, das eine zusätzliche Fraktion im Gremium es nicht einfacher machen wird, Mehrheiten zu finden. Vor allem die CDU befürchtet, zugunsten der AfD Federn lassen zu müssen. Trotzdem gibt sich die bisher stärkste Fraktion im Gemeinderat selbstsicher.

SPD und Grüne haben abwechselnd Frauen und Männer auf der Liste

Wie in den vergangenen Jahren hat die CDU ihre Kandidaten auf der Wahlliste alphabetisch platziert, statt wie alle anderen Fraktionen nach Bekanntheitsgrad und politischem Gewicht. So findet sich der langjährige Gemeinde- und Regionalrat Jan Tielesch etwa erst auf Platz 40. Wesentlich weiter vorne, auf Platz 13 steht hingegen mit Rüdiger Gramsch, dem ehemaligen Redaktionsleiter der Lokalzeitung, ein Neuling auf der Liste. Franziska Spießhofer tritt nicht mehr an.

SPD und Grüne hingegen haben die Listen nicht nur nach politischem Gewicht geordnet, sondern auch darauf geachtet, dass sich weibliche und männliche Kandidaten abwechseln. Die Sozialdemokraten bringen mit dem Lehrer Daniel Schindler einen Kandidaten zur Wahl, der mit seinen Vorschlägen in den vergangenen Jahren immer wieder vor allem junge Leute begeistert hat, etwa mit dem Trendsportplatz oder der Idee, eine Surfwelle auf der Fils zu etablieren. Die Grünen müssen derweil auf drei bewährte Kräfte verzichten: Eva Epple. Christine Lipp-Wahl und Barbara Schrade treten nur noch für den Kreistag an. Dafür hat die Fraktion unter anderem in Ursula Biskup – sie ist vielen ein Begriff durch die Lesezeit in der Stadtbibliothek – eine weithin bekannte Persönlichkeit gefunden.

Die FDP versammelt besonders viele bekannte Bürger

Die Freien Wähler Göppingen müssen ebenfalls den Verlust einer bewährten Kraft hinnehmen: Annemarie Schewe tritt nicht mehr an. Die Fraktion hat dafür unter anderem den Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Frank Genske für sich gewonnen. Die beste Figur beim Werben um bekannte Persönlichkeiten für ihre Wahlliste hat allerdings die FDP gemacht: Neben den amtierenden Stadträten treten unter anderem an: der Chef des Café Berner, Mathias Bidlingmaier, der Trainer der Frisch Auf Handball-Frauen, Aleksandar Knezevic, der ehemalige Christophsbad-Chefarzt Leo Hermle und der Ex-Buchhändler und Ex-Stadtrat Till Herwig.