Göppingen Maientag: Einwände gegen kürzeren Umzug

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Ist es sinnvoll, die Strecke zu ändern, um Baustellen zu vermeiden und Kinderfüße zu schonen? Oder sollten die Bleichstraße und die Mörikeanlagen ein Teil des Spektakels bleiben? Im Gemeinderat wird darüber heftig debattiert.

Der Maientags-Umzug hat in Göppingen eine lange Tradition. In den Vergangenheit gab es zwar kleine Änderungen an der Route, aber nie so weitreichende wie jetzt. Foto: Horst Rudel/Archiv
Der Maientags-Umzug hat in Göppingen eine lange Tradition. In den Vergangenheit gab es zwar kleine Änderungen an der Route, aber nie so weitreichende wie jetzt. Foto: Horst Rudel/Archiv

Göppingen - Um die unattraktiven Baustellen in der Stadt zu vermeiden, wird der Maientags-Festumzug in Göppingen in diesem Jahr gestrafft und führt nicht an Baugruben und -zäunen vorbei, sondern bezieht neben dem Markt- und dem Schlossplatz auch den Schillerplatz ein. Das hat die Stadt bereits Ende Februar verkündet. Warum auch nicht? Schließlich hatte die Maientags-Kommission, in der neben Vertretern der Schulen auch zehn Stadträte sitzen, dem Plan bereits zugestimmt.

Aber es ist fraglich, ob es dabei bleibt. Denn in der jüngsten Gemeinderatssitzung sind Vertreter der FDP/FW-Fraktion und der FWG auf die Barrikaden gegangen. Der FWG-Chef Emil Frick bezeichnete die Streckenänderung als „Schwabenstreich“, der Weg sei „kastriert“. Bislang führte die Strecke vom Marktplatz über die Hauptstraße zum Schlossplatz, dann die Schlossstraße hinab auf die Grabenstraße und von dort über den Spitalplatz in die Schützen- und die Poststraße und dann die Mörikestraße hinauf zu den Oberhofenanlagen.

Umzug soll einen Kilometer kürzer werden

Doch weil auf der zweiten Hälfte der Route zurzeit eine Baustelle auf die andere folgt – von den Apostelhöfen über die abgerissenen Gebäude bei Minos Bar bis hin zur Baustelle für das neue Einkaufszentrum –, hatte die Stadtverwaltung nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr der Maientags-Kommission empfohlen, diese Hälfte zu streichen. „Dort konnte keine echte Stimmung aufkommen“, sagt der Oberbürgermeister Guido Till. „Für die 4000 Festzugsteilnehmer war der Anblick von Baugrube und Bauzäunen eher trist und langweilig.“

Deshalb soll der Umzug in diesem Jahr einen Kilometer kürzer werden und nicht wie bisher links in die Grabenstraße einbiegen, sondern rechts über den Schillerplatz und die Schillerstraße bis zur Schiller-Realschule führen, wo der Zug nach eineinhalb Kilometern enden würde. Die FDP/FW-Fraktion hält das für ein Unding und hat beantragt, die alte Strecke beizubehalten. Ingo Hagen (CDU) berichtete, er habe niemanden getroffen, der die Änderung gut finde.

Kritik: Keine Fensterplätze mehr für die Wilhelmshilfe

Die neue Strecke sei zu kurz und stehe in einem krassen Missverhältnis zum Aufwand, kritisierte Horst Wohlfahrt (FDP/FW). Zudem gebe es auf dem Pausenhof der Schillerschule viel weniger Platz als in den Oberhofenanlagen. Zu wenig aus Sicht von FDP/FW, damit sich der Zug mit all seinen Gruppen und Gefährten problemlos auflösen kann. Und Wohlfahrt bemängelte, dass die Bewohner des Seniorenzentrums Wilhelmshilfe den Festzug bisher auch aus dem Fenster beobachten konnten und es nicht weit zu den Tribünen gewesen sei. Ersteres sei dann nicht mehr möglich, und die Tribünen, die am Schlossplatz stehen sollen, seien für viele vermutlich zu weit.

Der Sozialamtsleiter Ulrich Drechsel wies hingegen daraufhin, dass auf dem Marktplatz zwei überdachte Tribünen mit 130 Plätzen aufgestellt würden und die Senioren dort sitzen könnten. Außerdem seien viele Schulen froh über den kürzeren Weg, weil die bisherige Strecke – von den Schulen zum Umzug durch die Stadt und dann zurück zur Schule – manchen Kindern zu weit gewesen sei. Außerdem sei es für die Feuerwehr von Vorteil, wenn die Feuerwache an der Mörikestraße nicht mehr blockiert werde.

Felix Gerber plädiert dafür, den Umzug in diesem Jahr als Testlauf zu betrachten

Christian Stähle (LIPI) stellte sich hinter die Pläne der Verwaltung. Denn entlang der Baustellen stehe ohnehin niemand. Es sei sinnvoll, den Umzug in diesem Jahr zu konzentrieren. Der SPD-Chef Armin Roos erklärte, er sehe die Pläne kritisch, und man dürfe die Senioren nicht vergessen. Insgesamt sei seine Fraktion geteilter Meinung. Der CDU-Chef Felix Gerber gestand den Kritikern der Änderung zwar zu, dass alle ihre Argumente stichhaltig seien. Doch auch die Stadt habe gute Argumente. Er plädierte dafür, in diesem Jahr einen Testlauf zu machen und zu sehen, wie die geänderte Route funktioniere. Eine Entscheidung zu dem Thema will der Gemeinderat in einer der kommenden Sitzungen fällen.