Göppingen Vom Rathaus gibt es kein "Gefällt mir"

Vorbild der Göppinger Aktion: Thessas Party in Hamburg. Foto: dapd
Vorbild der Göppinger Aktion: Thessas Party in Hamburg. Foto: dapd

Eine Gruppe names Partyleudz lädt 15.000 Jugendliche via Facebook zu einer Party ein. Die Göppinger Polizei ist bereit.  

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Göppingen - Tausende Jugendliche rüsten zur großen Sause, die Polizei ist alarmiert, und eine Tankstellenpächterin zittert. Unter dem Motto "Was Thessa kann, können wir in Göppingen schon lange" soll am Samstag von 14 Uhr an bei der EWS-Arena eine Massenparty stattfinden. Einen Organisator gibt es nicht, lediglich eine Einladung, die von einer Gruppe namens Partyleutz via Internet-Plattform Facebook verbreitet wurde. Die Seite hat mehr als 15.000 Freunde im Raum Göppingen, die alle die Einladung erhalten haben.

Unfreiwilliges Vorbild der Aktion ist die 16-jährige Thessa aus Hamburg. Die Schülerin hatte Anfang des Monats aus Versehen Tausende Facebooknutzer zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Am Ende belagerten 1600 wildfremde, teilweise randalierende und stark alkoholisierte Partygäste das Haus von Thessas Familie.

Seither sind solche Facebook-Partys zum nervigen Sommersport unter Deutschlands Jugendlichen geworden. Dabei wird allerdings mit voller Absicht öffentlich eingeladen. So versammelten sich am vergangenen Wochenende 500 Technofans bei Lörrach zu einer nächtlichen Freiluftparty. 40 Polizeibeamte und drei Hundestaffeln waren nötig, um das Fest aufzulösen. Andernorts ging der Aufruf hingegen ins Leere. In Schleswig-Holstein soll ein Jugendlicher 20.000 Menschen zu einem Stadtfest eingeladen haben, nur 35 kamen.

Über 2000 Zusagen

Darauf hofft auch die Göppinger Polizei. Sie war durch einen jüngeren Kollegen, der ebenfalls die Online-Einladung erhalten hatte, auf die Party aufmerksam geworden. "Wir werden das beobachten und notfalls reagieren", sagt der Sprecher Rudi Bauer. Bis gestern hatten 2180 Facebook-Nutzer im Internet ihre Teilnahme signalisiert. Doch eine Zusage per Mausklick heiße noch nicht, dass der Betreffende auch tatsächlich komme, sagt Bauer. "Sollten 20 Jugendliche friedlich feiern, ist das sicher nichts für uns."

Auch im Rathaus erntet das Vorhaben der Partyleutz keinen "Gefällt mir"-Button. "Wir sind dabei, uns vorzubereiten", sagt die Sprecherin der Stadt, Jutta Neumann. Einzelheiten will sie aus taktischen Gründen nicht nennen. Derweil ist es der Pächterin der nahen Tankstelle mulmig zumute. Der ebenfalls auf Facebook verbreitete Hinweis, das Partyvolk könne sich im Tankstellen-Shop mit Chips und Getränken eindecken, stößt bei ihr keineswegs auf Dankbarkeit. "Wir fühlen uns überfordert", sagt die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Aus Sicherheitsgründen werde sie zusätzliches Personal einteilen und notfalls sogar die Tankstelle schließen.

Gleichzeitig versuchen verschiedene Clubbetreiber, die Partygäste in ihre Räume umzuleiten. Ein Club am Bahnhof will an der EWS-Arena Fünf-Euro-Gutscheine verteilen, ein anderer hat für 22 Uhr Shuttlebusse bestellt, die die Jugendlichen zur After-Show-Party in den Stauferpark bringen sollen. Für die Anwohner besteht damit zumindest die Hoffnung, dass der Spuk beizeiten vorbei ist.




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