Goldpreis auf Rekordhoch Lohnt sich der Einstieg für Anleger noch?
Goldanhänger haben am Finanzmarkt derzeit allen Grund zur Freude. Was hinter der Rekordjagd steckt und wie es weitergeht.
Goldanhänger haben am Finanzmarkt derzeit allen Grund zur Freude. Was hinter der Rekordjagd steckt und wie es weitergeht.
Der Goldpreis klettert von einem Allzeithoch zum nächsten – vier Handelstage in Folge markierte das Edelmetall zuletzt Rekordstände. Die Feinunze (31,1 Gramm) Gold legte in der vergangenen Woche um fast fünf Prozent im Preis zu, mit über 2195 US-Dollar (2006,90 Euro) kostete sie zeitweise so viel wie nie zuvor. Was sind die Gründe für den Höhenflug? Sollten Anleger sich noch rasch Gold ins Depot legen?
Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus Activtrades sieht eine Reihe von Faktoren, die den Goldpreis antreiben. „Besonders hervorzuheben sind die geopolitische Instabilität und die Besorgnis über das weltweite Wirtschaftswachstum, die die Märkte dazu veranlasst haben, sich auf das als sicherer Hafen geltende Edelmetall zu konzentrieren“, erklärt der Experte. Angesichts gestiegener Unsicherheiten durch Kriege und Konflikte – erst Ukraine, dann Nahost – hat Gold ein Comeback als Krisenwährung erlebt.
Dennoch liegt der Hauptgrund für die Rallye laut Evangelista in Zinserwartungen. Da Gold im Gegensatz zu anderen defensiven Kapitalanlagen wie US-Staatsanleihen keine Zinsen abwirft, reagiert der Preis stark auf die Geldpolitik. Heben die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen an, so verliert Gold gegenüber festverzinslichen Wertpapieren, aber auch Tages- oder Festgeldkonten an Attraktivität. Rechnen die Finanzmärkte hingegen mit sinkenden Zinsen, so steigt in der Regel die Nachfrage nach dem Edelmetall. Genau das ist derzeit der Fall. Deshalb wetten große Investoren auf höhere Preise.
Zudem wird der Trend laut Marktbeobachter Evangelista durch umfangreiche Käufe von Zentralbanken verstärkt. Mit Blick auf physisches Gold sind Zentralbanken neben der Verbrauchernachfrage aus Ländern wie China oder Indien, wo Schmuck hoch im Kurs steht, ein wichtiger Preistreiber. Während Zentralbanken westlicher Industriestaaten meist schon beträchtliche Teile ihrer Währungsreserven in Gold halten – bei der Deutschen Bundesbank etwa stellen sie das Gros davon dar –, sehen die Währungshüter von Schwellenländern wie China noch Aufholbedarf. Dass Zentralbanken überhaupt so viel Gold kaufen, liegt daran, dass sie es als stabile Reservewährung ansehen.
Ob der Goldrausch am Finanzmarkt anhält, wird von Fachleuten jedoch bezweifelt. „Wir gehen davon aus, dass am Goldmarkt zu viel Zinsoptimismus besteht, und sehen in dem starken Anstieg eine Übertreibung“, warnt Commerzbank-Strategin Barbara Lambrecht. In den nächsten Tagen und Wochen sei deshalb mit einer Gegenbewegung zu rechnen. „Erst wenn der Zinssenkungszyklus in den USA tatsächlich beginnt, sehen wir nachhaltiges Aufwärtspotenzial.“
Auch andere Experten halten Rücksetzer oder zumindest eine Verschnaufpause für wahrscheinlich. „Da Gold keine Erträge abwirft, könnten die Rekordpreise dadurch gefährdet sein, dass die Zentralbanken, allen voran die US-Notenbank und die EZB, die Zinssätze länger hochhalten, um die Inflation zu bekämpfen“, sagt Adrian Ash vom Online-Edelmetallhändler Bullion Vault.
Besonders in den USA, wo die Wirtschaft trotz straffer Geldpolitik brummt und die Teuerung zuletzt nicht wie von der Fed erhofft zurückging, könnte die Zinswende sich länger als erwartet hinziehen. Dann dürfte auch der Goldpreis erst mal wieder sinken.