Gotthilf Fischer Konzert Einstand mit Elan – Finale mit „Frieden“

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Der Männerchor der Concordia Schmiden verabschiedet Gotthilf Fischer beim Höfleskonzert mit seinem Lieblingslied. Während die Melodie durch die Dämmerung zieht, wird wohl jedem Sänger und Besucher klar, dass eine Ära zu Ende geht.

Ausstand mit viel Gesang: Gotthilf Fischer stimmt mit allen ein Land. Foto: Eva Herschmann
Ausstand mit viel Gesang: Gotthilf Fischer stimmt mit allen ein Land. Foto: Eva Herschmann

Schmiden -

Der Männerchor der Concordia Schmiden stimmte zum Abschied das Lieblingslied von Gotthilf Fischer an. „Frieden“, das aus der Feder des Chorleiters stammt, klang durch die Dämmerung und Sängern und Besuchern war klar, dass eine Ära zu Ende geht. Nach 59 Jahren trat Gotthilf Fischer beim 20. Höfleskonzert vom Dirigentenpult des Gesangvereins ab. Davor hatte der 90-Jährige aber noch mal alle Register gezogen und nicht nur die Sänger – insgesamt 120 erhoben ihre Stimmen, wobei die Schmidener von der Concordia Bönnigheim und dem Gesangverein Schwaikheim sowie dem Daimler-Männerchor unterstützt wurden – sondern auch die 300 Gäste in Oettingers Höfle zum Singen gebracht.

Erfahrene Höfleskonzert-Besucher wissen längst, dass Gotthilf Fischer erst zufrieden ist, wenn alle singen und es sich auch noch gut anhört. Bereits beim zweiten Lied, das der gemischte Chor anstimmte, gab der Meister der Massenchöre dem Publikum den Einsatz. „Ach ich hab in meinem Herzen“ erklang es vielstimmig, und weiter ging es mit dem „Heimatlied“. Fischer war angetan: „Ihr seid goldig. Und dabei haben wir doch nie eine Singstunde abgehalten.“ Die bekamen die Gäste vom Maestro wenig später bei „Auf der schwäbsche Eisebahne“. Das alte Volkslied klappte nach der kurzen Probe einwandfrei und Gotthilf Fischer, der Ehrenchorleiter der Concordia, ernannte alle Anwesenden zu Ehrenmitgliedern der Fischer-Chöre.

Auch für Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull war es ein besonderer Moment. Sie hätte nie gedacht, dass sie einmal den „berühmten Fischer“, den sie nur aus dem Fernsehen kannte, verabschieden dürfe. Sie erinnerte an das Jahr 1959, als sich Fischer gegen elf Mitkandidaten durchsetzte und einstimmig zum Chorleiter gewählt wurde. „Da hab ich einiges dafür bezahlt“, flachste dieser. Für sein Engagement hat Fischer Auszeichnungen bekommen – auch die städtische Ehrenplakette. Zum Abschied übergab Gabriele Zull deshalb eine Miniplastik der „Springerin“, die im Original vor dem F3 steht. „Ich glaube, auch sie haben sich in ihrem Leben öfters kopfüber in neue Gewässer gestürzt.“

„Das Jahr 1959 war ein Wendepunkt in unserer Vereinsgeschichte“, sagte Horst Brack, der Vorsitzende des Gesangvereins Concordia und erinnerte an viele Reisen und große Auftritte. „Die Sänger werden all diese Erlebnisse immer in ihren Herzen tragen.“ Auf Roland Müller trifft das zu. Ein Jahr nach Gotthilf Fischer kam er zur Concordia. Er war beim Papst in Rom dabei, beim US-Präsidenten Jimmy Carter in Washington sowie beim Finale der Fußball-WM 1974 in München. „Dank Gotthilf Fischer habe ich Gott und die Welt gesehen.“

Er wisse gar nicht, wo die Jahre hingegangen seien, erklärte Gotthilf Fischer. Das Leben sei so kurz, die Menschen sollten aufeinander zugehen und sich die Hand reichen, riet er vor seinem Abgang, den er gewohnt humorvoll gestaltete: „Ich habe Termine bis Februar 2019, und seien Sie gewiss, ich werde sie einhalten.“

Jedem Ende folgt auch stets ein Neuanfang

Während der gemischte Chor mit seinem langjährigen Dirigenten von der Bühne abtrat, die Concordia stattdessen ab Mitte September an jedem zweiten Freitag ein offenes Singen anbieten wird, bleibt der Männerchor bestehen. Bereits vor zwei Jahren hat Kai Müller das Fischer-Dirigat übernommen. In bester Tradition präsentierten sich die Sänger beim Höfleskonzert mit fröhlichen Trinkliedern.

Jedem Ende folgt auch stets ein Neuanfang. Der Sing Out hat sich am Samstag erstmals öffentlich mit dem neuen Dirigenten Damir Brajlovic präsentiert. Der gebürtige Heilbronner, der seit 1. April den Takt im Rock- und Popchor vorgibt, feierte einen gelungenen Einstand und bewies bei der Premiere, dass er es mit Charme und Elan ebenfalls versteht, die Menschen zum Mitsingen zu bringen. „Es scheint, wir haben schon einen neuen Gotthilf Fischer“, sagte Horst Brack und grinste.




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