Greenteam der Uni Stuttgart Nach dem Brand ist vor dem Start

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Die Studenten des Greenteams treten Anfang August in der Formula Student in Hockenheim an. Dabei mussten sie ihren Boliden in Rekordzeit neu aufbauen.

Die Akkus des  Rennwagens fingen Ende Mai Feuer, die Studenten mussten einen Totalausfall beklagen. In nur vier Wochen bauten sie einen neuen Flitzer. Foto: z/Dreesmann
Die Akkus des Rennwagens fingen Ende Mai Feuer, die Studenten mussten einen Totalausfall beklagen. In nur vier Wochen bauten sie einen neuen Flitzer. Foto: z/Dreesmann

Vaihingen - Das Geschoss zischt über den Messeparkplatz vor der Halle acht und biegt mit quietschenden Slicks in die mit grünen Pylonen abgesteckte Schikane. Wie an einem unsichtbaren Gummiband gezogen, beschleunigt es auf der anschließenden kurzen Geraden, das rechte Vorderrad verliert auf der Kuppe kurz den Bodenkontakt, wie in jeder Runde, und da ist es wieder, dieses Zischen.

Der Rennwagen des Greenteams der Uni Stuttgart ballert nicht aus den Auspuffrohren, wie man das sonst von einem Gefährt erwarten dürfte, das wie eine geschrumpfte Version eines Formel-1-Boliden daherkommt. Das Gefährt bezieht seine Kraft ja auch nicht aus einem Benzintank, sondern einem Akku. „Jeden Tag wird getestet“, sagt Mireille Pistorius, die Sprecherin des Teams. In einer Woche schon treten sie in Hockenheim an.

Greenteam, das ist eine Gruppe rennbegeisterter Nachwuchsakademiker, die bei der Rennserie Formula Student mitmachen will. Die Mitglieder, so um die 50 dürften es wohl sein, studieren Maschinenbau, Elektrotechnik oder sonst irgendetwas, das nützlich sein kann.

Die Vaihinger Studenten haben schon das zweite Auto fertig

Wobei, genau genommen, eigentlich niemand studiert, während er in einem Containerdorf auf dem Vaihinger Campus an dem Rennwagen schraubt. So zeitaufwendig ist das Hobby, dass im Grunde zwei Semester aussetzen muss, wer eine Saison bestreiten will. Die Uni unterstützt sie trotzdem, und eine Menge Firmen aus der Automobilbranche auch, die ihnen bei den teils sündhaft teuren Komponenten unter die Arme greifen.

„Andere Teams sind noch gar nicht fertig, und wir haben schon unser zweites Auto“, sagt Pistorius und deutet auf den grün-weißen Boliden, der zum planmäßigen Boxenstopp neben eine Bierbank fährt. Entstanden ist der Renner ab Herbst 2013 am Computer, im Frühjahr waren die Einzelteile fertig und wurden zusammengesetzt, die feierliche Präsentation war Ende April – und Ende Mai schlugen die Flammen aus den Seitenkästen.

Das Team wollte auf dem Testgelände von Bosch in Schwieberdingen einige Runden drehen, als in einer Pause der Wagen Feuer fing. Schuld war wohl eine defekte Akkuzelle. Zwar wurde niemand verletzt, aber der Wagen war ein Totalschaden. Übrig blieben nur die Nase, die vier Elektromotoren in den Radnaben und die Lenkstange.

„Unser Glück war, dass einen Tag zuvor unsere Sponsoren gesehen haben, dass der Rennwagen fährt“, sagt Pistorius. „Deshalb konnten wir sie davon überzeugen, uns noch einmal zu unterstützen.“ Nur vier Wochen später war der neue Bolide fertig.

Im Trockenen schafft es der Bolide in 2,1 Sekunden auf 100

Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf, Blitze zucken. Zeit, den Test auf dem Messeparkplatz abzubrechen und den Wagen in die Halle acht zu schieben, in der gähnende Leere herrscht. Ohnehin müssen einige Kleinigkeiten repariert werden. Einer der vier Motoren setzt ständig aus, meint Stephan Klatt, der den Boliden steuert. Da müsse wohl irgendwo ein Wackelkontakt sein. Vielleicht ist es aber auch das starke Magnetfeld, das sich um die E-Motoren bildet und die Elektrik durcheinander bringt.

Wie dem auch sei, Klatt ist begeistert. „Der Rennwagen ist viel leichter, das merkt man überall“, sagt er. Vergangenes Jahr brachte der Bolide 200 Kilogramm auf die Waage, jetzt nur noch 178. Er beschleunigt schneller, ist wendiger und liegt besser in der Kurve. „Im Regen haben wir es schon mal in 2,7 Sekunden von Null auf Hundert geschafft“, sagt er. Damit hängt man jeden Porsche ab. Im Trockenen waren schon 2,1 Sekunden drin, meint jemand.

Anfang des Jahres war das Ziel ganz klar. Die Vaihinger wollten die Serie gewinnen, nachdem sie 2013 ein Rennen gewannen und die Saison insgesamt auf dem vierten Platz abschlossen. Nun, nach dem Brand, wollen sie Anfang August in Hockenheim einfach nur gut abschneiden. Noch läuft nicht alles rund, auch wenn die Zuverlässigkeit schon erstaunlich gut ist. Das Zeug zum Sieg hätte der Flitzer jedenfalls. Und falls es doch nicht reichen sollte, warten im Anschluss auch gleich die nächsten Rennen, Mitte August in Österreich und Ende August in Spanien.

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