Greta und Jan Navel aus Weinstadt auf Weltreise Vom Ländle aufs Dach der Welt und weiter

Greta und Jan mit ihren „Wohnmobil“ vor dem Berg Ararat in der Türkei Foto: Jan Navel

Greta und Jan Navel leben ihren Traum: Seit anderthalb Jahren reist das Paar aus Weinstadt in einem umgebauten Geländewagen um die Welt. Wie ist es Ihnen ergangen, was vermissen sie, und wie soll es weitergehen? Ein Zwischenstand und fantastische Bilder aus Kirgistan.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass sich Greta und Jan Navel zuletzt bei uns gemeldet haben – damals aus ihrem Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer auf einem Rastplatz irgendwo kurz vor der ungarisch-serbischen Grenze. Jetzt sitzen sie in einem Hinterzimmer eines Cafés in Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, und blenden sich pünktlich auf die Minute und bestens gelaunt per Videochat auf dem Bildschirm in ihrer früheren Heimat ein.

 

Das Ziel: einmal den ganzen Erdball umrunden

Vor anderthalb Jahren hat das Paar, 40 und 37 Jahre alt, nicht nur seine Wohnung im Remstal, sondern auch zwei gut bezahlte Jobs mit besten Entwicklungsmöglichkeiten bei einem großen Stuttgarter Automobilkonzern gekündigt, und sich mit einem umgebauten Mercedes-Puch, Baujahr 1995, auf den Weg gemacht. Das Ziel: einmal den ganzen Erdball umrunden.

Mehr als 50 000 Kilometer haben sie seither mit dem früheren Schweizer Armeefahrzeug zurückgelegt und rund 25 Länder bereist. Von dem groben Plan – vereinfacht gesagt gen Osten und dann immer geradeaus zu fahren – mussten sie allerdings schon kurz nach dem Start abrücken. Der Putin-Krieg in der Ukraine und andere Auseinandersetzungen haben die Welt auch für Reisende mehr als schwierig gemacht.

So ist die Reise dann zunächst vom Baltikum im Norden bis zum Balkan im Süden gegangen. Bevor sie dann im neuen Jahr nach Asien führen sollte, ließen die Navels ihr Fahrzeug Ende 2022 noch einmal mit einem robusteren Fahrwerk und einem Satz neuer Reifen ausrüsten. Natürlich habe man die zwischenzeitliche Rückkehr ins Ländle auch genutzt, um über Weihnachten und Silvester viel Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen. Denn das sei, was man aus der Heimat existenziell vermisse, sagen die beiden – neben Spätzle und Brezeln natürlich.

Weihnachten noch mal zurück ins Ländle

Anfang dieses Jahres ging es dann zügig in Richtung Süden. Über Griechenland verließen die Navels den alten Kontinent. Im türkischen Kappadokien boten sich ihnen einzigartige Heißluftballon-Spektakel, in der südöstlichen Provinz Adiyaman sahen sie die verheerenden Auswirkungen der Erdbeben, die kurz zuvor dort gewütet hatten.

Das Auto streikt mitten im dagestanischen Nichts

In Georgien wartete das Paar einen ganzen Monat auf Ersatzteile für ihr Fahrzeug. Doch richtig beängstigend wurde es auf dem ohnehin schon mit einem mulmigen Gefühl angetretenen Transit durch Russland zur Mongolei, als auf dem Weg in der Republik Dagestan im Nordkaukasus die Benzinpumpe den Geist aufgab. Greta schüttelt es noch heute, wenn sie daran denkt: „Das Auswärtige Amt warnt dringend vor Aufenthalten in der Region, und ausgerechnet da sitzen wir plötzlich fest – mitten im Nichts und ohne Handyempfang.“

Unvorstellbare Gastfreundschaft

Und so wurden aus den drei für die Durchreise geplanten Tagen fast drei Wochen – verbunden mit einer unvorstellbaren Gastfreundschaft. Eine dagestanische Familie pickte die beiden auf, schleppte ihr Auto in das nächste Örtchen und bot ihnen Kost und Logis ohne jegliche Gegenleistung an. „Sie haben uns mit nach Hause genommen, Essen gegeben und uns auf ihrer Couch übernachten lassen, als sei das das Selbstverständlichste der Welt“, sagt Greta. Und sie organisierten, dass die Navels ihre Reise mit provisorisch geflickten Benzinpumpen gen Osten fortsetzen konnten.

Nicht nur in dieser ausweglos erscheinenden Situation habe ihn die bisherige Reise gelehrt, dass man Fremden Vertrauen schenken könne, sagt Jan. „Wir haben ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen sind zum Teil bettelarm, aber ohne mit der Wimper zu zucken bereit, das Wenige, was sie haben, mit uns zu teilen.“

In der Mongolei schließt sich der Kreis

Quer durch Kasachstan ging die Reise weiter, auf zum Teil schwierigen Routen „Für 150 Kilometer haben wir zwei Tage gebraucht“, sagt Jan, „obwohl wir nonstop hinterm Steuer saßen.“ In Ulan Bator dann konnten zwei neue Benzinpumpen eingebaut werden. Gerade rechtzeitig, denn „das Provisorium hätte wohl auch keinen Kilometer länger gehalten“, sagt Jan.

Und dort, in der Mongolei, schloss sich der Kreis. Hier hatte für die Navels alles begonnen. Vor vier Jahren war hier die Idee mit der Weltreise geboren worden. Die Navels hatten das Land schon einmal bereist und sich dort mit einem russischen Jeep unter anderem durch die Wüste Gobi gekämpft, den sie vor Ort gekauft hatten. Mit dem Verkäufer, dem sie das Fahrzeug anschließend wieder zurückgaben, habe sich über die Jahre eine Freundschaft auf Distanz entwickelt, die jetzt persönlich belebt wurde: „Es war unglaublich, die Familie wiederzusehen“, sagt Jan. „Sie hatten gerade das Nationalfest Naadam gefeiert und wir wurden automatisch Teil davon.“

Statt, wie ursprünglich geplant, noch weiter in Richtung Osten zu reisen, beschlossen die Navels nach einer intensiven Zeit unter anderem auch im Altai-Gebirge im Westen der Mongolei, den gleichen Weg zurück nach Zentralasien zu nehmen. Denn „einmal um die Welt zu fahren, muss ja nicht den perfekten Kreis bedeuten“, sagt Greta.

Soziale Projekte in Tadschikistan

Nun soll es von Kirgistan nach Tadschikistan gehen. Die Grenze ist seit Kurzem zumindest für Ausländer wieder geöffnet. Wenn es klappt, wollen die beiden den Pamir Highway, die alte Seidenstraße von Osch nach Duschanbe fahren, „den Traum eines jeden Overlanders“, wie Jan sagt. Mit seiner Lage auf bis zu 4600 Metern Höhe birgt das „Dach der Welt“ größte Herausforderungen an Mensch und Maschine.

Gleichzeitig aber können die Navels den Trip auch gut mit ihrem sozialen Engagement verbinden. Das Paar ist ehrenamtlich für die Kinderrechtsorganisation Terre des hommes unterwegs, die in Tadschikistan mehrere Projekte betreut. „Es fügt sich einfach alles perfekt zusammen“, sagt Greta.

So folgt man den Navels

Homepage
www.followthenavels.com

Spendenkampagne
www.tdh.de/spenden-und-stiften/followthenavels

Instagram
www.instagram.com/followthenavels

Kontakt
followthenavels@gmail.com

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Weinstadt Weltreise Mongolei