Grill-Gut Das Dreimaleins des Feuermachens

Von unserer Redaktion 

Brennglas, Einweggrill oder Anzündkamin: Redakteure im Wettstreit um die schönste Glut.

Wird die Pute eine gute? Georg Friedel heizt dem Einweggrill ein, hinten brutzelt bereits Lederers Rote. Foto: Isabelle Butschek
Wird die Pute eine gute? Georg Friedel heizt dem Einweggrill ein, hinten brutzelt bereits Lederers Rote. Foto: Isabelle Butschek

Zuffenhausen - Zeige mir deine Glut, und ich sage dir, wann du grillst! Getreu diesem Motto haben sich Leonie Hemminger, Georg Friedel und Chris Lederer dieser Tage auf den Weg zum Grillplatz im Zuffenhäuser Stadtpark gemacht. In ihrem Gepäck: Rote und Steak sowie dreierlei höchst unterschiedliche, mehr oder weniger geeignete Hilfsmittel zum Feuermachen und Grillen. Wer weiß, wie ein Anzündkamin funktioniert, was ein Einweggrill taugt und warum ein zartes Flämmchen einem Schmetterling gleicht, der braucht nicht weiterzulesen. Für alle anderen schildern die drei Damen und Herren des Feuers ihre Erfahrungen.

Chris Lederer: Es war meine eigene Idee, mit einem Brennglas Feuer zu machen, also beklage ich mich nicht. Dass es eine doofe Idee war, gebe ich auch gleich zu, dann wäre das erledigt. Denn während meine beiden Kontrahenten Hemminger und Friedel auch bei trübem Wetter ihre Streichhölzer oder Feuerzeuge aus der Tasche ziehen können, bin ich mit meiner Lupe auf Sonnenschein angewiesen. Nur ein träges Wölkchen, und schon wäre ich aufgeschmissen. Immerhin: die Sonne scheint. Also keine Ausreden. Ergänzend sollte ich erwähnen, dass ich auch ohne Grillanzünder oder andere Brandbeschleuniger angerückt bin, nicht mal Zeitungspapier habe ich mir erlaubt. „Was ich zum Grillen brauche, hole ich mir vom Waldboden“, habe ich vorher behauptet.

Außerdem hatten die Neandertaler damals auch kein Zeitungspapier zu Hilfe genommen. Genau genommen hatten die ja nicht mal Brenngläser . . . Jedenfalls, das muss ich an dieser Stelle einflechten, wäre ich gescheitert mit meinem Feuerversuch, wenn nicht unser Sportredakteur Mike Meyer, der sich in seiner Freizeit auf Mittelalter-Festivals rumtreibt – vom Zunderpilz erzählt hätte. Zunderpilz? Wie sieht der aus, wo findet man den? Genau weiß ich es nicht, aber ich habe mir einen trockenen Pilz, vermutlich eine Art Baumschwamm, von einem toten Stamm abgebrochen. Spitzensache. Denn die Idee mit der Birkenrinde hat buchstäblich nicht gezündet. Kaum brachte ich die dünne, weiße Rinde mit dem gebündelten Sonnenstrahl zum Glühen, rasten die kleinen Glutpünktchen beim Anpusten in alle Richtungen davon. Beim Pilz ging’s schon besser. Da brannte sich die Glut immer weiter ins Pilzfleisch hinein, wurde heißer und heißer. Die Kunst besteht darin, nicht zu fest und nicht zu schwach zu pusten.

Besser ist, man hat trockenes Gras und kleine Hölzchen parat

Hilfreich ist außerdem, wenn man keine Kollegen hat, die einem währenddessen Fragen stellen, wie „Chris, klappt es?“ oder „Na, möchtest du auch einen Schluck Wein, wir trinken schon mal!“ Besser ist, man hat trockenes Gras und kleine Hölzchen parat, damit man das Glutnest zum Entflammen bringt. Dabei ist es mit dem Pusten wie mit dem Festhalten eines Schmetterlings – hält man ihn zu fest, stirbt er, hält man ihn zu leicht, fliegt er davon.

Mein Schmetterling jedenfalls ging in Flammen auf. Halleluja! Blöd nur, dass ich das Feuer nicht unter dem Grillrost, sondern fünf Meter daneben gemacht hatte. Also, schnell in den Wald gesaust und Holz gesammelt (ein Dankeschön an die helfenden Kollegen). Als genug Hölzer brannten, konnte ich einen kleinen Scheiterhaufen entzünden. Der Rest: Formsache. Das Feuer mit Ästen von Eichen und Buchen vollends kultiviert. Und dann verschwitzt, verraucht, aber glücklich die erste Wurst auf den Rost gebracht. Das sollten die anderen beiden erstmal nachmachen. Bon Appetit!

Georg Friedel: Meine Güte, Lederer! Es gibt doch bequemere Wege, ein Stück Fleisch oder eine Wurst zu braten. Warum alles so kompliziert gestalten? Ein wenig tut er mir leid, der Kollege, wie er pustet und pustet, wie ihm der Schweiß herunter tropft. Er hockt wie ein Schamane vor seinem Nest aus Zundermaterial, als wäre dies ein urzeitlicher Götzenschrein.

Vorteile hat der Einmalgrill allerdings auch

Ich beschwöre den Gott der Flamme lieber auf die neuzeitliche Art. Mit Erfolg: Meine Grillkohle ist ratzfatz angezündet. Feureka, liebe Kollegen! Wozu gibt es Streichhölzer und Grillanzünder? Nun gut, ich gebe zu, ich habe es mir sehr, sehr einfach gemacht. Ich bin in den erstbesten Supermarkt geschlappt, habe nach dem erstbesten Einmalgrill gegriffen, bin zur erstbesten Kasse gegangen und habe einen lächerlichen Betrag, ich glaube es waren 2,49 Euro, gezahlt.

Ich bitte euch, Leute! Was will der Kunde dafür erwarten? Aber immerhin: Für eine 0,5 Zentimeter dünne Putenschnitzelscheibe reicht die Grillkohle in der Aluminiumschüssel allemal. Später habe ich es noch mit einer roten Wurst versucht. Die war nach langer Zeit soweit und schmeckte nicht wirklich lecker. Ich muss offen gestehen: Kollege Lederer und Kollegin Hemminger haben am Ende eindeutig bessere Ergebnisse auf dem Rost erzielt. Vorteile hat der Einmalgrill allerdings auch. Die Anschaffungskosten sind gering, und in dem Set ist alles enthalten, was man zum Grillen braucht. Ein Anzünder, ein Rost, eine Aluschale mit Holzkohle und eine kleine Ständerkonstruktion. Über die Ex-und-Hopp-Mentalität lässt sich streiten, aber für faule Zeitgenossen hat der Grill einen weiteren Vorzug: Anstatt ihn schrubben zu müssen, wird er einfach komplett entsorgt.

Fazit: So richtig warm sind mein Billigrost und ich nicht miteinander geworden. Das wird sicher keine glühende Leidenschaft zwischen uns. Das Grillvergnügen ist mehr als bescheiden, die Kohle entwickelt für meinen Geschmack zu wenig Hitze. Leistungsmäßig ist der Einmal-und-nie-wieder-Grill eher ein Loser.

Der Teufel steckt im Detail

Leonie Hemminger: Ich habe heimlich geübt. Beim Grillwettbewerb mit meinen beiden männlichen Kollegen will ich mir schließlich keine Blöße geben. Denn, ja, ich erfülle das gängige Klischee: Bei mir zuhause grillt der Mann. Ich kann leckere Salate zubereiten – aber danach kräht bei unserem Wettgrillen ja kein Hahn. Also habe ich vorab Fachliteratur gewälzt über indirektes und direktes Grillen, über die Dos und Don’ts an der Grillzange, habe Freunde und Nachbarn zum Üben eingeladen und war mir sicher, ich könnte am Kugelgrill eine ruhige Kugel schieben.

Doch der Teufel steckt im Detail. Meine Aufgabe soll es nämlich sein, die Briketts in einem sogenannten Anzündkamin zum Glühen zu bringen. Nie gesehen, nie gehört. Kollege Lederer, mein direkter Konkurrent, hat mir diese Methode vorab wärmstens angepriesen. Er murmelte etwas davon, die Briketts würden damit besonders schnell heiß. Schnell? Das überzeugt mich.

Also lasse ich unsere Grill-Olympiade ruhig angehen. Vor mir liegen ein zylinderförmiges, etwa 30 Zentimeter hohes Metallrohr, ein Campinganzünder, Spiritus, Streichhölzer, Handschuhe. Doch was soll jetzt wohin? Und in welcher Reihenfolge? Mit Spiritus ist schließlich nicht zu spaßen. Lederer bietet mir Unterstützung an. „Fair“, denke ich und ahne noch nicht, dass dies nur ein fieser Trick ist, um mich hinzuhalten und mit seiner eigenen Wurst an mir vorbeizuziehen. „Moment noch kurz“, stößt er zwischen zwei Pustern hervor, und japst dabei schon auf dem letzten Loch.

„Ich muss mich um mein Feuer kümmern!“

Es soll das letzte gewesen sein, was man von ihm in den nächsten zwanzig Minuten hören wird. Von nun an bläst Lederer nur noch wie verrückt auf sein kümmerliches Häufchen an Zweigen. Sein Kopf färbt sich von Hell- in bedrohliches Dunkelrot, Schweißperlen tropfen aus jeder Pore. Friedel und ich machen uns Sorgen. Was, wenn er hyperventiliert? Ach, stoßen wir erst einmal an! Bei dem jämmerlichen Anblick von Lederer können wir uns ruhig noch ein bisschen Zeit lassen. Und Friedel scheint seine Aluschale gut im Griff zu haben – zumindest seit er die Gebrauchsanweisung eingehend studiert hat. Im Gegensatz zu mir hat er wenigstens eine.

Auf einmal geht alles ganz schnell. Lederer rennt in den Wald und prescht wie ein tollwütiger Hund durch die Hecken, auf der Suche nach Brennholz. Der Sauerstoffmangel und die giftigen Gase haben ihn wirklich mitgenommen. „Ich muss mich um mein Feuer kümmern!“, ruft er uns zu. An Hilfeleistungen bei meinem Anzündkamin ist nach wie vor nicht zu denken. Und ehe wir uns versehen, hat Lederer zwar ein kleines, aber prasselndes Feuerchen geschaffen. Schwupps, liegt seine rote Wurst auf dem Rost, schwupps, beißt er hinein. „So, kann ich jetzt irgendwo helfen?“, fragt er scheinheilig und mit vollem Mund.

Und mein Anzündkamin? Glimmt nun träge vor sich hin. Selbst Friedel hat mittlerweile seine Rote zwischen den Zähnen und tut so, als ob sie gelungen wäre, pah! Mein Magen knurrt, der Wein in nüchternem Zustand macht mich dösig. Das lieblich gesäuselte Angebot der beiden Herren, meine Wurst auf einem ihrer Feuerstellen zu braten, lehne ich kategorisch ab. Eher gehe ich hungrig nach Hause. Doch dann nimmt die Geschichte eine plötzliche Wendung: Meine Briketts glühen feuerrot. Kaum in den Kugelgrill gekippt, kann schon die erste Wurst platziert werden. Bei großer Hitze ist sie ruckzuck durch und schmeckt gar köstlich. Von Lederers Feuerchen ist schon nicht mehr viel übrig, und Friedels Einmalgrill ist nach einmal Grillen am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. Und dann? Kommen die lieben Kollegen angekrochen und möchten ihr restliches Grillgut gerne bei mir platzieren. Triumph!

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