Große Zukunftspläne Linden-Museum steht vor einer Durststrecke

Von Martin Haar 

Wegen Bauarbeiten findet 19 Monate keine Sonderausstellung im Museum für Völkerkunde statt. Doch in Zukunft will das Lindenmuseum mit einem innovativen Konzept groß durchstarten.

Das Logo und Leitbild des Linden-Museums, das sich Foto: Martin Haar
Das Logo und Leitbild des Linden-Museums, das sich Foto: Martin Haar

Stuttgart - An die große Sonderausstellung zum Thema „Hawai’i – Königliche Inseln im Pazifik“ ist seit Mai nur noch schöne Erinnerung. Doch davon müssen die Stuttgarter zehren. Denn auf den nächsten Höhepunkt müssen die Freunde des kleinen, aber feinen Museums noch eine ganze Weile warten. Konkret: bis Oktober 2019. Der Grund sind Bau- und Sanierungsmaßnahmen an dem neoklassizistischen Gebäude.

„Hinter den schönen Kulissen ist die ganze Baustruktur rissig und porös“, erklärt der Museums-Sprecher Martin Otto-Hörbrand. Es sei schon viel investiert worden. Zum Beispiel bei der Belüftung, aber auch nach diversen Wasserschäden. „Manchmal geht das Wasser ratzfatz durch drei Stockwerke durch“, sagt er und ergänzt, dass das Gebäude nicht barrierefrei sei.

Schließen wird das staatliche Museum für Völkerkunde, das am 28. Mai 1911 eröffnet hatte, in der Zeit der Baumaßnahmen freilich nicht. Noch gebe es die attraktive Dauerausstellung. „Wir erklären dort unter anderem die Herkunft und die Ausbreitung der beiden Weltreligionen Hinduismus und Buddhismus, die beide in Indien entstanden sind.“ Auch die Abteilung islamischer Orient sei sehr gefragt: „Da haben wir ganz viele Schulprogramme, die wir dialogisch führen.“

Auf neuem Standort soll alles besser werden

Doch trotz der baulichen Korrekturen, am Ende wird das Linden-Museum weiterhin nicht den eigenen Ansprüchen und denen der Direktorin Professorin Inés de Castro gerecht werden. Daher soll das Linden-Museum nach Fertigstellung des Tiefbahnhofes in einen Neubau auf dem frei werdenden Gelände zu ganz neuer Blüte kommen. So lautet jedenfalls der politische Wille und der von Inés de Castro. „Uns wird es es zu klein“, sagt Martin Otto-Hörbrand, „so schön es hier manchmal auch aussieht, wir haben Platzprobleme.“

Weil das Gebäude nie generalüberholt worden sei, leide die Raumhöhe darunter. „In einem neuen Gebäude könnten wir Objekte zeigen, für die wir derzeit physisch gar keinen Platz haben. Zudem wollen wir auch viel mehr offene Werkstätten anbieten. Etwa für Museumspädagogik. Wir wollen das, was sonst noch im Museum außerhalb der Ausstellungen passiert, deutlich sichtbarer machen“, sagt Martin Otto-Hörbrand und nennt das englische Motto dazu: „Wir wollen ein place to see, ein place to be und ein place to share sein.“ Dahinter verbirgt sich die Vision, mit vielen Gruppen in der Stadtgesellschaft zusammen zuarbeiten und Dinge zu teilen. Ein Platz zu sein, wo Leute am neuen Bahnhof ankommen und reinkommen können. Und schließlich soll das neue Linden-Museum ein Ort des Schauens von internationalem Rang sein.

Neue Sonderausstellung thematisiert Azteken

Bis es soweit ist, muss das Linden-Museum weiter auf begrenztem Raum große Themen spielen. Das nächste lautet: Azteken.

Die große Landesausstellung beginnt am 12. Oktober 2019 und soll bis 3. Mai 2020 andauern. „Die Landesausstellung gibt einen faszinierenden Einblick in die aztekische Kultur. Sie wird anlässlich des 500. Jahrestags der Landung des spanischen Eroberers Hernán Cortés im Golf von Mexiko im Linden-Museum gezeigt“, sagt Martin Otto-Hörbrand. Im Fokus stehen zwei Federschilde und eine Grünsteinfigur aus dem Landesmuseum Württemberg, die noch nie im Kontext der aztekischen Kultur präsentiert wurden. Sie werden ergänzt durch kostbare Leihgaben aus Mexiko und Europa.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Präsentation neuester Forschungsergebnisse sein. So sind bislang unveröffentlichte Funde des erst 1978 entdeckten Haupttempels Templo Mayor zu sehen. Steinskulpturen sowie Keramiken, Mosaike und Goldarbeiten stehen für die aztekische Kunst und Kultur, die durch Illustrationen der farbintensiven Bilderhandschriften dem Besucher nahe gebracht werden. Die Dramaturgie der Ausstellung folgt der Reise von Cortés von den Provinzen bis in den heiligen Bezirk der Hauptstadt Tenochtitlán.

„Die Eroberung Mexikos vor 500 Jahren war der Ausgangspunkt für die Vermischung indigener und europäischer Kulturen. Bis heute prägt dies ganz Lateinamerika“, erklärt die Museums-Direktorin Inés de Castro. „Die Große Landesausstellung präsentiert eine der bedeutenden mittelamerikanischen Kulturen, die bei uns zumeist leider nur in Verbindung mit Menschenopfern gesehen wird, in ihrer Vielschichtigkeit und ihrem Reichtum“, so de Castro weiter.

Doch so schön die Sache auch klingt. Die Freunde des Linden-Museums müssen bis zur Erkundung dieser Schätze noch sehr geduldig sein.

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