Großeinkauf Stuttgart ordert Pizza für 371 110 Euro

In Stuttgart gibt es gesteigerten Bedarf an Pizzen. Foto: dpa
In Stuttgart gibt es gesteigerten Bedarf an Pizzen. Foto: dpa

Darfs ein bisschen mehr sein? Eine Großbeschaffung der Stuttgarter Stadtverwaltung wirkt skurril. Immerhin kommen die georderten Pizzen aber dem Nachwuchs zu Gute.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)
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Stuttgart - Man muss sich die Zahl auf der Zunge zergehen lassen: Das Stuttgarter Haupt- und Personalamt hat Ende Februar eine Pizza-Bestellung im Gegenwert von 371 110,24 Euro aufgegeben. Die Mehrwertsteuer kommt noch obendrauf. Das Angebot, das die Stadt nicht ablehnen konnte, hat eine Firma aus dem Badischen im Zuge eines europaweiten Ausschreibungsverfahrens unterbreitet. Es ging nur diese eine Offerte ein.

Rechnerisch mehr als 250 Euro pro Tag

Fortan bekommt das Rathaus etwas gebacken. Die Lieferzeiten gehen über das branchenübliche Maß („20 Minuten“) deutlich hinaus. Der Vertrag läuft seit dem 1. März und endet am 28. Februar 2023. Dazwischen liegen – Wochenenden, Feier- und Schalttage mitgezählt – 1460 Tage. Rein rechnerisch investiert die Stadtverwaltung also bis zum Ablauf des Vertrags Tag für Tag 254,18 Euro in die Beschaffung „zubereiteter Teigwaren“, wie das Vergabeverfahren überschrieben ist. Die Pizza-Connection wird aber keine ausgeprägten Phasen des „dolce far niente“ in den Amtsstuben auslösen. Auch stärkt sich nicht an Capriociosa & Co., wer sein Tagwerk mit dem Überwachen des ruhenden Verkehrs oder der Einhaltung des Betriebsverbots von Komfort-Kaminen zubringt.

Pizzen für den Stuttgarter Nachwuchs

Etwas überraschend gibt sich das Jugendamt als Auftraggeber zu erkennen. „Wir essen das aber nicht selber“, erklärt Heinrich Korn, Vizechef des Amts. Vielmehr stünden die Pizzen in der Regel alle fünf Wochen auf dem Speiseplan der städtischen Kindergärten. Dass es nur einen Interessenten gegeben hat, erklärt Korn mit den besonderen Anforderungen. Gesucht war ein Pizzabäcker, der das sogenannte Cook-and-chill-Verfahren beherrscht. Dabei wird die frisch zubereitete Mahlzeit auf 4 Grad heruntergekühlt und bleibt mehrere Tage haltbar. „Das sind aber bitte schön keine Tiefkühlpizzen“, sagt Korn. Zudem lege man Wert darauf, dass die Pizzen nicht übermäßig gesalzen sind. 1500 Stück werden je Lieferung fertig und von Hambrücken (Landkreis Karlsruhe) in die Landeshauptstadt gekarrt.

Apropos gesalzen: Bei der Ausschreibung des Auftrags hatte die Stadt noch gehofft, dass höchstens 362 460 Euro fällig würden. Nun wird’s ein bisschen kostspieliger. Für die lieben Kleinen darf uns das aber nicht zu teuer sein: Buon appetito!




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