Großprojekt in Marbach Volksbank will an neuem Platz neu bauen

So könnte ein begrünter und verkehrsberuhigter König-Wilhelm-Platz aussehen. Foto: Lebendige Ortsmitten für BW, 2024

Das Kreditinstitut möchte seine Filiale in Marbach am Neckar abreißen und an selber Stelle eine neue Zweigstelle samt 25 Wohnungen errichten lassen. Der König-Wilhelm-Platz direkt davor soll zum Aufenthaltsort mit viel Grün werden.

Die Zweigstelle der VR-Bank Ludwigsburg am König-Wilhelm-Platz in Marbach hat ungewollt fast etwas von einem Potemkinschen Dorf. Das Anfang der 1980er-Jahre errichtete Gebäude am Rande der Altstadt kommt mit einer Bürofläche von mehr als 2000 Quadratmetern zwar mächtig daher, steht aber in weiten Teilen leer. Für eine Nutzung der brach liegenden Arbeitszimmer besteht nach Einschätzung des Kreditinstituts auf absehbare Zeit auch keine Nachfrage. Deswegen macht die Bank nun mit ihren Plänen ernst, über die schon länger diskutiert wird: das Haus soll abgerissen und durch eine neue Filiale mit deutlich weniger Bürofläche ersetzt werden. Dafür werden in den drei Obergeschossen insgesamt 25 Eigentumswohnungen entstehen.

 

Gastronomie im Erdgeschoss

Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Heiko Herbst am Dienstagnachmittag bei einem Pressegespräch mitteilte, solle im Erdgeschoss zudem eine Gastronomie angesiedelt werden. Man denke dabei an ein Café oder ein Bistro. Dem Betreiber wolle man eine Außenbewirtschaftung ermöglichen. Angesichts des aktuell eher tristen Umfelds mag es momentan wenig attraktiv klingen, hier im Freien an einem Kaffee zu nippen. Aber im Zusammenhang mit dem Volksbank-Neubau soll der König-Wilhelm-Platz ebenfalls herausgeputzt werden. „Die Kreisstraße dominiert hier, macht den Platz nicht mehr greifbar“, erklärte Janus Baldermann, der Stadtplaner der Kommune. Das Ziel sei deshalb, den Verkehr zurückzudrängen, die Aufenthaltsqualität zu steigern, die Fuß- und Radwegeverbindungen attraktiver zu gestalten sowie das Areal erlebbar zu machen. Mehr Pflanzen wolle man obendrein unterbringen.

Die Stadt hat bei all dem auch die Gartenschau mit Benningen im Blick, die 2033 in den Kommunen über die Bühne gehen wird. Denn der König-Wilhelm-Platz soll dann quasi als grünes Scharnier für die Gäste dienen, die vom Bahnhof kommend über die Altstadt weiter hoch zur Schillerhöhe pendeln. Und das Vorhaben der Bank sei nun gewissermaßen Motor und Startschuss dafür, dem König-Wilhelm-Platz frisches Leben einzuhauchen, sagte Baldermann.

Bauzeit von bis zu zwei Jahren

Die Abrissbagger sollen nach Möglichkeit Anfang 2025 anrücken, noch im selben Jahr der Neubau beginnen. Heiko Herbst geht davon aus, dass die Arbeiter etwa eineinhalb bis zwei Jahre brauchen werden, um die Filiale samt Wohnungen fertigzustellen. Während dieser Zeit würden die Kunden in Interimslösungen – zum Beispiel in leer stehenden Flächen – in Marbach beraten. Im neuen Domizil könnten auf 600 Quadratmetern die klassischen Servicefunktionen in Anspruch genommen werden. Dazu solle der gesamte Beratungsbedarf aus dem Umland in der Schillerstadt abgedeckt werden, ob von Firmen- oder jungen Kunden oder bei Fragen zu Baufinanzierungen.

Die geplanten Eigentumswohnungen hätten eine Größe zwischen 56 und 117 Quadratmeter und sollen exklusiv an Kunden und Volksbank-Mitglieder verkauft werden, erklärte Heiko Herbst. „Wir sehen nach wie vor einen ungebrochenen Wohnungsbedarf und gehen fest davon aus, dass in Marbach und in der Region weiterhin Wohnungen gebraucht werden“, meinte er. „Das ist eine hervorragende Wohnlage sowohl für ältere als auch für jüngere Menschen“, ergänzte Bürgermeister Jan Trost. Viele Ärzte sowie die Innenstadt seien ebenso zu Fuß wie die Schulen oder ein Kindergarten erreichbar. Parken können die künftigen Bewohner in einer Tiefgarage mit 45 Plätzen, von denen 18 für die Öffentlichkeit und für die Besucher von Bank und Café reserviert sein werden.

Die Tiefgarage macht den Weg erst frei, dass der Platz davor zu einem Treffpunkt werden kann. Aktuell ist das Areal im Vorfeld der Bank eine Stellfläche für Autos. Der Rathauschef ist sicher, dass die Umgestaltung die Innenstadt stärkt. „Wir sehen da großes Potenzial, dass man dort verweilen kann und dann in die Altstadt, die Museen und die Einkaufsgeschäfte gehen kann“, sagte Trost. Der Umbau soll ungefähr dann beginnen, wenn bei dem Volksbank-Vorhaben das Gröbste geschafft ist und die Außenanlagen angelegt werden. Trost schätzt, dass man für das Projekt einen siebenstelligen Betrag in die Hand nehmen muss. Bis zu 75 Prozent der Kosten übernehme das Land. Die Volksbank wird für ihren Neubau mit begrünter Fassade rund 14 Millionen Euro investieren.

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