Großprojekt Ludwigsburger Stadtbahn OB setzt auf Schnellbusse in der Stadt

Bislang endet die Bahn in Remseck, der Landrat will das ändern. Foto:  
Bislang endet die Bahn in Remseck, der Landrat will das ändern. Foto:  

Der Oberbürgermeister will Schnellbusse, der Landrat will eine Stadtbahn – und der Gemeinderat weiß nicht, was er will. Noch immer wird über den Bau der Ludwigsburger Stadtbahn gestritten, jetzt liegt ein neues Gutachten vor. Viel Zeit für eine Entscheidung bleibt nicht.

Lokales: Tim Höhn (tim)

Ludwigsburg - Die Sitzung des Ludwigsburger Verwaltungsausschusses war schon zu Ende, als Werner Spec am Dienstagabend im Rathaus noch mal nach dem Mikro griff. Er habe eine „sehr erfreuliche Mitteilung“ zu machen, sagte der Oberbürgermeister, und das Wort erfreulich sollte er in den nächsten Minuten noch einige Male in den Mund nehmen. Der Grund für die Euphorie? Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten zum schienenlosen Stadtbahnsystem liege nun vor und zeige deutlich, dass die schienenlose Stadtbahn eine echte Alternative sei.

Mancher im Ausschuss mag sich kurz gefragt haben, was eine schienenlose Stadtbahn ist, um sich dann an einen Ausflug des Gemeinderats nach Straßburg zu erinnern. Im April hatten sich die Ludwigsburger die dort eingesetzten Buses with High Level of Service angeschaut, große Schnellbusse, die auf eigenen Straßen durch Straßburg rollen. Spec hat das offenbar überzeugt, denn seit Dienstagabend scheint klar: er will die Schnellbusse – oder schienenlosen Stadtbahnen – für Ludwigsburg.

So offen hat er das nicht gesagt, aber es ließ sich heraushören. Die Schnellbusse seien, so der OB, im Vergleich zu einer normalen Stadtbahn deutlich stadtverträglicher. Da man in Ludwigsburg auf Elektroantrieb setzen könnte, wäre die Lösung zudem umweltverträglich. Die Hauptaussage des Gutachtens ist jedoch: Während für die Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg ein Investment von 150 bis 200 Millionen Euro nötig sei, sei die schienenlose Variante schon für rund 25 Millionen Euro zu haben. Die Reisezeiten beider System seien vergleichbar, erklärte Spec. Den Landrat Rainer Haas habe er über die neuen Erkenntnisse bereits informiert, die Bürgermeister der umliegenden Kommen werde er jetzt informieren.

Der Landrat spricht von einer historischen Chance

Dass diese Nachricht dort Begeisterung auslöst, darf bezweifelt werden, im Landratsamt dürfte sich eher Verzweiflung breit machen. Seit ewigen Jahren wird über die Verlängerung der Stadtbahn von Remseck über Ludwigsburg und Möglingen bis nach Markgröningen debattiert. Trassen wurden untersucht, über technische Systeme gestritten, und der wohl leidenschaftlichste Befürworter des Großprojekts ist der Landrat selbst. „Wir haben eine historische Chance“, sagt Haas. „Wenn wir die nicht nutzen, ist völlig unklar, ob sie je wieder kommt.“

Die Aussage fußt darauf, dass der Bund ein neues Förderprogramm aufgelegt hat. Sollte die Ludwigsburger Stadtbahn in dieses Programm aufgenommen werden, könnten der Kreis und die beteiligten Kommunen mit einer Förderung in Höhe von 70 bis 80 Prozent der Kosten rechnen, sagt der Landrat. Der Kreis will daher zügig den Förderantrag stellen, Möglingen, Markgröningen und Remseck wollen ebenfalls. Nur Ludwigsburg zögert und bringt mit dem Schnellbussystem eine neue Variante ins Spiel.

Zwar sagt Haas, dass er das System interessant finde, aber eine Lösung für die Verkehrsprobleme sieht er darin nicht. „Eine Stadtbahn hätte für die Region eine wesentlich größere Bedeutung als ein Bussystem“, sagt er. Zumal Busse auch nur dann wirklich schnell unterwegs seien, wenn sie auf separaten Fahrbahnen fahren. „Wo dafür der Platz in Ludwigsburg herkommen soll, weiß ich nicht.“

Die Stadt fürchtet um ihr barockes Stadtbild

Haas selbst hat vor Wochen eine neue Variante ins Spiel gebracht und damit viele überrascht. Sein Vorschlag sieht vor, die Stadtbahntrasse von Pattonville nach Ludwigsburg zu legen, über die Leonberger Straße und durch einen existierenden Autotunnel unter den Bahnhof und von dort weiter in Richtung Markgröningen zu führen. Die Strecke würde nicht mitten durch die City verlaufen, und „damit wären die befürchteten optischen Eingriffe ins barocke Stadtbild wesentlich geringer“, sagt Haas. Die Trasse von Haas oder die Schnellbusse von Spec – um diese zwei Vorschläge spitzt sich die Debatte jetzt offenbar zu.

Obwohl Spec betont, dass er sich noch nicht positioniert habe: So intensiv er die Vorteile der Busse hervorhebt, so vehement stellt er die Nachteile der Bahn heraus. Das in Stuttgart etablierte Hochflursystem mit Hochbahnsteigen sei für das enge Ludwigsburg kaum denkbar, sagt er. Schienen seien zudem problematisch für Radfahrer und Bahnen eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer, wie die Todesfälle in anderen Städten beweisen würden. Er glaube auch nicht, dass das Projekt in der vom Landrat genannten Höhe bezuschusst würde. „Meine Fachleute sagen, dass diese Zahlen teils schön gerechnet wurden.“

Der Ludwigsburger Gemeinderat ist zerrissen

Wer und was setzt sich durch? Spec sagt, er wolle mit allen Alternativen eine breite Debatte in den Gremien und der Bevölkerung anstoßen. Im Gemeinderat dürfte er Anhänger für die Schnellbusse finden, denn das Gremium ist zerrissen: Einige Stadträte wollen die Stadtbahn. Andere wollen sie, aber nur ohne Hochbahnsteige – dafür aber müsste Ludwigsburg in eine teure Niederflurtechnik investieren, was nach derzeitigem Stand unrealistisch wäre. Wieder andere wollen gar keine Bahn.

Viel Zeit bleibt nicht. „Alle stehen in den Startlöchern, Ludwigsburg muss sich jetzt bekennen“, sagt Haas. Es sei nicht mehr die Zeit, über alle Varianten, Streckenführungen und Systeme zu sprechen, sondern höchste Zeit, einen Förderantrag zu stellen. „Wir müssen dieses Jahr zu Potte kommen, sonst ist der Topf vielleicht leer.“




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