Grün-rote Regierung Theresia Bauer weiß viel zu kritisieren an der Uni

Von und Reiner Ruf 

 Weltläufig und feierlich wie kein anderes Haus hat dagegen das Wissenschaftsministerium den Wandel vollzogen. Der Marmorsaal im Neuen Schloss bildet am Montag die Kulisse für die Verabschiedung von Minister Peter Frankenberg und die Amtseinführung von Ministerin Theresia Bauer. Wenig verwunderlich, dass auf offener Bühne nicht mit Lob gespart wird. Doch daneben sind Bedenken gegenüber Theresia Bauer vorstellbar, die als führende Kritikerin der bisherigen Hochschulpolitik des Landes gilt und jetzt ebendieses Ministerium übernimmt. Doch die Anwesenden sehen die Sache professionell. "Viele Kritikpunkte Bauers decken sich mit der Haltung der Pädagogischen Hochschulen", sagt etwa Ulrich Druwe, der Rektor der PH Freiburg. Das Studiengebührengesetz wird eingestampft. Ein führender Jurist meint gelassen, ihn habe auch niemand gefragt, was er davon gehalten habe, als er das Gesetz ausgearbeitet habe. Weniger souverän sind die Rektoren. Sie pochen darauf, dass das Land ihnen die entgangenen Einnahmen ersetzen müsse. "Volle Kompensation ist für die nachhaltige Qualität in der Lehre unbedingt erforderlich", macht Horst Hippler vom Karlsruher Institut für Technologie, KIT, unmissverständlich klar.

Dass Bauer zehn Jahre lang als hochschulpolitische Sprecherin der Grünen stets Frankenbergs Leitbild von der unternehmerischen Hochschule kritisiert hat, ist den Rektoren auch noch im Ohr. "Man darf Hochschulen nicht mit Wirtschaftsunternehmen verwechseln, aber das Verharren in starren Strukturen ist nicht mehr möglich", warnt Hippler für die Rektoren. "Die Verantwortung für die Sicherung der Exzellenz liegt bei Ihnen, Frau Bauer", weist der Karlsruher der Wissenschaftsministerin ihre Rolle zu. Man kennt die neue Frau an der Spitze - und schätzt sie. "Kenntnisreich, engagiert" und vor allem "nicht unbedingt dogmatisch", das sind die Eigenschaften Bauers, auf die Hippler und alle Rektoren zählen.

Aufmerksam haben die Studentenvertreter Laura Maylein und ihr Freiburger Studienkollege Vincent Heckmann vom Asta Bauers Rede verfolgt und sind enttäuscht: "Der Begriff Studierende ist gar nicht vorgekommen." Dabei wolle man doch jetzt die langjährige Oppositionshaltung verlassen und zu einem konstruktiven Dialog mit dem Ministerium kommen, sagt Heckmann. "Wenn die Wahlversprechen umgesetzt werden, dann sieht's wieder besser aus für die Studierenden." Dann fallen die Studiengebühren, dann wird die verfasste Studierendenschaft wieder eingeführt.

"Wenn es schon einen Regierungswechsel gibt, dann haben wir gehofft, dass er in diese Richtung geht und Bauer das Ministerium übernimmt", sagt der Freiburger Rektor Hans-Jochen Schiewer. Er lässt auch nicht gelten, dass in manchen akademischen Kreisen der Mensch erst bei der Habilitation beginne. Ob Magistra Bauer sich mit hierarchisch gesinnten Würdenträgern schwertun wird? "Das macht sie mit ihrer Persönlichkeit wett", meint ein Ministeriumsmitarbeiter. "Sie kann denen mit Charme und Witz Paroli bieten."