Armaturenhersteller im Schwarzwald Warum Familie Grohe in Firmen investiert

Unternehmerfamilie Grohe: die Brüder Richard, Philippe, Nicolas und Jan Nikolas (von links) und ihr Vater Klaus Grohe. Foto: Felix Groteloh

Die Gründerfamilie hinter dem Schwarzwälder Armaturenhersteller Hansgrohe tritt als Investor auf und hat sich mehrheitlich am Pforzheimer Maschinenbauer Benzinger beteiligt.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Vom Familienunternehmen zur Unternehmerfamilie, die ein Herz für den Mittelstand hat – und auch das nötige Kapital. So lässt sich das Engagement der Familie Grohe, der Gründerfamilie hinter dem Schwarzwälder Armaturenspezialisten Hansgrohe, beschreiben. Ihr jüngstes Investment: der Kauf des Pforzheimer Maschinenbauers Benzinger von der Unternehmerfamilie Jehle.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie Grohe als Investor im Mittelstand auftaucht. Über die familieneigene Beteiligungsgesellschaft Syngroh Capital (Schiltach/Frankfurt) ist es mittlerweile die vierte Firmenbeteiligung. Die Grohes verstehen sich nicht nur als Geldgeber, sondern wollen auch ihre unternehmerischen Erfahrungen als aktive Gesellschafter einbringen.

Nach Schätzungen des „Manager Magazins“ soll das Vermögen der Familie Klaus Grohe bei rund 1,1 Milliarden Euro liegen. Klaus Grohe ist auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Schiltach. Aus dem operativen Geschäft von Hansgrohe hat sich die Familie bereits vor Jahren zurückgezogen, ist aber im Aufsichtsrat vertreten.

Erfahrung im eigenen Unternehmen

Der Erfahrungsschatz der vier Grohe-Brüder und deren Vater ist groß. Klaus Grohe (86) hat den Armaturenspezialisten Hansgrohe als Vollblutunternehmer in zweiter Generation zu einer der bekanntesten Designmarken in der Branche mit einem Milliardenumsatz aufgebaut. Auch drei seiner Söhne waren mehrere Jahre im Unternehmen – Richard als Vorstand für Innovation, Philippe als Markenchef der Luxusmarke Axor und Nicolas baute das Amerika-Geschäft auf. Nur der Jüngste der vier Brüder, Jan Nikolas, war nicht im väterlichen Unternehmen.

Er managt das Vermögen der Syngro Beteiligungsgesellschaft, in der die Familie Grohe bereits seit 1999 ihre an der Hansgrohe SE gehaltenen Anteile gebündelt hat. Das sind 32 Prozent, Mehrheitsgesellschafter von Hansgrohe ist mit 68 Prozent die US-Firma Masco (Livonia, Michigan).

Im Jahr 2017 wurde unter dem Dach der Syngro Beteiligungsgesellschaft die Syngro Capital GmbH und die Syngro Adivsory GmbH gegründet, um der Familie Grohe weitere unternehmerische Direktbeteiligungen zu ermöglichen. Syngro Advisory prüft Beteiligungen und entwickelt diese nach einem Investment mit einem Expertenteam.

Syngro Capital entscheidet über Kauf und Verkauf, investiert in Mittelständler, die ihren Hauptsitz im deutschsprachigen Raum und einen Unternehmenswert zwischen zehn und 200 Millionen Euro haben. Der Schwerpunkt liegt nach Angaben von Syngro Capital auf Nachfolgelösungen, der Unterstützung von Veränderungs- und Internationalisierungsprozessen sowie auf dem Herauslösen von Unternehmensbereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Das zur Verfügung stehende Beteiligungskapital beträgt rund 200 Millionen Euro.

Syngroh Capital ist nach Angaben eines Syngroh-Sprechers neben Maschinenbauer Benzinger am Gebäudetechnikdienstleister KMLS, am Presswerkzeughersteller Novopress und am Kochfeldspezialisten Termacook beteiligt. „Werte wachsen dort, wo Herkunft auf Zukunft trifft. Mit Familie Jehle und dem Unternehmen Benzinger verbinden uns zahlreiche Gemeinsamkeiten, allen voran langfristiges Denken, die Begeisterung für Qualität und Innovation in der Produktentwicklung und -fertigung und unsere geografischen Wurzeln“, sagt Richard Grohe, Geschäftsführer von Syngro Capital über das jüngste Investment.

Vom Maschinenbauer bis zum Kochfeldspezialisten

Benzinger, ein 1916 gegründeter Dreh- und Fräsmaschinenproduzent, beliefert unter anderem namhafte Hersteller von Luxusuhren und ist mit seinen Präzisionsmaschinen in der lukrativen Nische nach eigenen Angaben führend. Die Systeme kommen aber auch in anderen Branchen zum Einsatz, darunter Optik, Feinmechanik, Medizintechnik, bei Autozulieferern sowie der Luft- und Raumfahrt.

Beide Familien teilten die Leidenschaft für Produkte mit Form und Funktion: Hansgrohe- und Axor-Armaturen seien Schmuckstücke mit Zusatznutzen, wie es eben Uhren auch seien. Das seien optimale Grundlagen für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft zweier Familien, die es zusammen auf 240 Jahre Unternehmerkultur brächten, so Grohe. Unternehmerfamilie Jehle hält weiter eine Minderheitsbeteiligung an Benzinger.

Benzinger-Chef Rainer Jehle bleibt Geschäftsführer. „Unserer Familie war es immer wichtig, Benzinger generationenübergreifend aufzustellen“, sagte Jehle. Mit Syngroh Capital habe man einen Investor gefunden, der das Wachstum unterstützen werde. Zugleich schaffe man durch den Einstieg langfristig orientierter Partner eine Perspektive für die Unternehmensnachfolge.

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