Gesetzlich ist bislang geregelt, dass die zukünftigen Stromautobahnen auf Basis von Erdverkabelung entstehen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Wenn im Norden der Wind weht und die Sonne scheint, muss der Strom irgendwie in den Süden geschafft werden. Bisher fehlte es an leistungsfähigen Leitungen. Das soll sich jetzt ändern.
Betreiber der deutschen Stromübertragungsnetze haben Vorschläge für mögliche Trassenverläufe neuer Stromautobahnen entwickelt. Neben den bereits im Bau befindlichen Suedlink und Ultranet sollen in Zukunft auch die geplanten Stromtrassen Suedwestlink und Nordwestlink die im windreichen Norden Deutschlands produzierte grüne Energie nach Baden-Württemberg transportieren, wie der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW mitteilt. Konkrete Vorschläge für Trassenverläufe gibt es demnach auch für die geplante 600 Kilometer lange Stromautobahn Ostwestlink, die Energie von Niedersachsen nach Sachsen leiten soll.
Der Ausbau der neuen Gleichstromleitungen durch Deutschland verläuft bislang schleppend. Die neuen Stromautobahnen sollen das Rückgrat der deutschen Energiewende werden – doch sie sind in der Bevölkerung teils umstritten. Gesetzlich ist bislang geregelt, dass sie auf Basis von Erdverkabelung entstehen. Doch die Verlegung von Erdkabeln dauert nicht nur erheblich länger, sondern ist auch deutlich teurer als der Bau von Überlandleitungen. Die Kosten fließen in die bundesweit einheitlichen Übertragungsnetzentgelte ein, die inzwischen knapp ein Viertel des Strompreises ausmachen.
Erdkabel sollen Strom vom Norden in den Süden bringen. Foto: dpa/Marijan Murat
Wo genau sollen die Erdkabel verlaufen?
„Wir wollen mit allen Leitungen spätestens 2037 in Betrieb gehen – je nach Beschleunigungspotenzial auch früher“, sagt Alexander Schilling, Sprecher von Transnet BW. Um die Bürgerinnen und Bürger vor Ort frühzeitig einzubinden, wollen die zuständigen Netzbetreiber Transnet BW, 50 Hertz und Tenne T ihre Pläne in sogenannten Infomärkten vorstellen – noch vor Beginn des offiziellen Genehmigungsverfahrens. „Hinweise zu den vorgeschlagenen Leitungsvorschlägen können so in die Planungen einfließen“, sagt TransnetBW-Sprecher Schilling. Termine sind geplant in Bad Rappenau (28. Februar), Herrenberg (5. März), Buchen (6. März) und Weissach (7. März).
Nach den aktuellen Vorschlägen sollen die zwei neuen geplanten Leitungen im Wesentlichen durch die Kreise Main-Tauber, Neckar-Odenwald, Heilbronn, Ludwigsburg und Böblingen sowie teilweise den Landkreis Calw verlaufen. Im vergangenen Jahr hatte der Bundestag für neue Stromleitungs-Projekte ein verschlanktes Genehmigungsverfahren beschlossen. Damit hatte die Bundesnetzagentur einen fünf bis zehn Kilometer breiten Korridor festgelegt.
Ein wichtiger Baustein für die Energiewende: Stromautobahnen Foto: StromNetzDC/Björn Locke
Mit rund 700 Kilometern Länge und Kosten von etwa zehn Milliarden Euro ist die Suedlink-Trasse das bislang größte Infrastrukturprojekt der Energiewende in Deutschland. Eigentlich sollte Suedlink schon 2022 fertiggestellt sein, verzögerte sich vor neun Jahren aber durch die politische Vorgabe, auf Erdkabel umzuschwenken. Nun wird 2028 angepeilt. Ein wichtiger Baustein der Energiewende ist auch die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) Ultranet, die nach aktueller Planung Ende 2026 in Betrieb gehen soll. Die insgesamt 340 Kilometer lange Leitung geht von Osterath in Nordrhein-Westfalen bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg.
Tausende Kilometer neue Stromnetze nötig
Doch damit künftig noch größere Mengen Strom aus erneuerbaren Energien aus Norddeutschland nach Baden-Württemberg fließen können, sind Tausende Kilometer zusätzlicher Netze nötig. So soll der Suedwestlink, der insgesamt eine Übertragungsleistung von vier Gigawatt hat, grüne Energie aus dem Norden auf Luftlinie von rund 730 Kilometern bis nach Baden-Württemberg bringen. Wo genau die Kabel am Ende verlaufen, wird in einem Planfeststellungsverfahren ermittelt. Die Trasse wird von den beiden Übertragungsnetzbetreibern 50 Hertz und Transnet BW gemeinsam geplant.
Über die Stromtrasse Nordwestlink soll zusätzlich eine Übertragungsleistung von zwei Gigawatt vom Norden in den Südwesten gelangen. Das entspricht etwa der Leistung von zwei Atomkraftwerken. Die von Tenne T und Transnet BW geplante Leitung verläuft Luftlinie auf etwa 600 Kilometern zwischen dem niedersächsischen Alfstedt und dem baden-württembergischen Obrigheim.