Eine Initiative möchte am Rotenberg bei Bönnigheim Anlagen bauen. In Vaihingen/Enz werden ähnliche Pläne geschmiedet. Doch ob aus den Wünschen Realität im Landkreis Ludwigsburg wird, ist offen.

Wie groß die Euphorie gewesen sein muss, kann man schon aus einer einzigen Zahl herauslesen: Rund 350 Bürger hätten sich vor fast zehn Jahren an der Finanzierung von zwei Windrädern im Bereich des Rotenbergs bei Bönnigheim beteiligt. Zudem stand eine Energiegenossenschaft (EG) vor der Gründung, die sich um den Betrieb der Anlagen kümmern wollte. Doch die Begeisterung verflog schon wenige Monate später, als der Standort entgegen der anfänglichen Überlegungen nicht als Vorranggebiet für Windkraft im Regionalplan ausgewiesen wurde. Nun will die Initiative aber einen zweiten Anlauf unternehmen.

Befeuert werden die aktuellen Gedankenspiele dadurch, dass im Land fast zwei Prozent der Fläche für Windräder freigehalten werden sollen. Der Verband Region Stuttgart (VRS) startete also einen neuen Suchlauf und forderte die Kommunen auf, Standorte zu melden. Der Bönnigheimer Bürgermeister Albrecht Dautel sei daraufhin auf die EG zugegangen, sagt Dieter Ackermann, Interimsvorsitzender der EG. Man habe der Stadt Daten zu dem schon 2013 in der Diskussion stehenden Areal geliefert sowie „die Information, dass wir den Bau von zwei Windrädern auf dieser Fläche anstreben“. „Wir haben die Interessenbekundung dann an die Region weitergegeben“, berichtet Dautel.

Rechnerisch Strom für alle Bönnigheimer

Beim Bereich Rotenberg/Großer Saukopf handelt es sich um eine Anhöhe, die sich vor den Toren der Kommune am Waldrand ausbreitet. Die Fläche liege quasi brach, der Sandsteinboden eigne sich eher schlecht als recht für einen Forst, erklärt Ackermann. „Im Hinblick auf die Effizienz von möglichen Windkraftanlagen übererfüllt der Standort aber sogar die aktuellen Vorgaben“, betont Ackermann, dem Anlagen der neuesten Generation mit einer Höhe von rund 260 Metern bis zur Flügelspitze vorschweben. „Damit könnten rechnerisch alle Haushalte in Bönnigheim mit Strom aus einer nachhaltigen Quelle versorgt werden“, konstatiert er.

Die Stimmungslage im Gemeinderat

Man stehe mit einem Projektierer in Kontakt, der derzeit Details zu dem Projekt prüfe und mit dem man bei der Umsetzung kooperieren wolle. Mit einem Ergebnis werde in den nächsten Wochen gerechnet. Bürger könnten sich finanziell bei dem Vorhaben einbringen. Auf die Unterstützung der Stadt können Ackermann und seine Mitstreiter so gut wie sicher bauen. Die Stimmungslage im Gemeinderat sei in der Vergangenheit so gewesen, dass man die benötigten kommunalen Flächen zur Verfügung stellen würde, sagt der Rathauschef. Dautel geht davon aus, dass sich das Gremium auch beim anstehenden Verfahren zur Regionalplananpassung in Sachen Windkraft wohlwollend zu dem Standort auf eigener Gemarkung äußert.

Region bietet frühzeitige Abklärung an

Ob das dann auch für die in der Frage höchste Instanz, den Verband Region Stuttgart gilt, muss sich zeigen. Eine konkrete Einschätzung zu den Chancen für die Fläche könne er noch nicht abgeben, erklärt der Technische Direktor Thomas Kiwitt. „Dazu wäre ein konkreter Standort und eine konkrete Anlagenkonstellation erforderlich“, konstatiert er. Grundsätzlich stehe man aber für frühzeitige Abklärung gerne zur Verfügung. Bei Bedarf sei man „auch rasch in der Lage, die notwendige Entscheidung des zuständigen Gremiums herbeizuführen“.

Aussagen, die sich auch auf den Fleckenwald in Vaihingen/Enz münzen lassen, an dem sich die örtliche Energiegenossenschaft ebenfalls den Bau von Windrädern vorstellen könnte. Eine Mehrheit der Fraktionen im Gemeinderat unterstütze es, den Standort auf dem Höhenzug bei der Deponie Horrheim bei der Region anzumelden, sagt die EG-Vorsitzende Susanne Schwarz-Zeeb. Drei Anlagen schweben der EG dort vor. Der Maschinenbauer Romai in Horrheim wolle den Strom von einem der Windräder abnehmen, sagt Schwarz-Zeeb. Bei Ensinger Mineral-Quellen hat man ähnliche Absichten. „Im Zuge des Umbaus der Stromversorgung unseres Unternehmens hin zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien haben wir großes Interesse daran, Strom aus diesen Windkraftanlagen direkt zu beziehen“, so Geschäftsführer Frank Lehmann.

Viele denkbare Optionen in Vaihingen/Enz

Das von der EG ins Auge gefasste Terrain ist aber nur ein möglicher Standort für Windräder in Vaihingen. „Der Verband Region Stuttgart hat uns neben dem Fleckenwald mehr als zehn so genannte Suchräume – also Flächen mit mehreren möglichen Anlagen-Standorten – im Norden und Süden der Gemarkung vorgeschlagen, die wir nun prüfen müssen“, erklärt Pressesprecher Mario Steigleder. Diskutiert werde das Thema Anfang 2023 im Gemeinderat.

Zahlreiche Rückmeldungen

Was den neuerlichen Suchlauf allgemein anbelangt, so scheint die Region einen Nerv getroffen zu haben. „Die frühzeitige Information der Kommunen hat zu zahlreichen Rückläufen geführt, die wir gerade aufbereiten“, berichtet Kiwitt. „Ich gehe davon aus, dass wir früh im kommenden Jahr mit den Beratungen zu konkreten Vorranggebieten beginnen können“, erläutert Kiwitt.

Alte Deponie am Lemberg aus dem Rennen

Turbulenzen
Die Möglichkeit scheint wegen der Höhe auf der Hand zu liegen, doch das Landratsamt Ludwigsburg stellt klar: Auf der ehemaligen Deponie am Lemberg zwischen Affalterbach und Poppenweiler wird kein Windrad gebaut. Der Abstand zur Wohnbebauung sei gering. Außerdem liege der Standort im Wald, weshalb es zu Turbulenzen und verringerten Windgeschwindigkeiten komme. Vor allem aber wäre die Standsicherheit „erheblich beeinträchtigt“, da der Zersetzungsprozess des Hausmülls nicht abgeschlossen sei, folglich kontinuierlich Setzungen einträten.

Eigenverbrauch
Dagegen könnten auf Schwieberdinger Gemarkung zwei Windräder realisiert werden. Die Firma Bosch arbeitet hier mit einem Projektierer zusammen, würde den Strom der Anlagen dann selbst verwenden. Mehrfach Interesse an einem zweiten Windrad hat überdies die Energiegenossenschaft Ingersheim bekundet, die aktuell die einzige Anlage im Landkreis Ludwigsburg betreibt.