Waiblingen - Nein, er wolle keine Schlammschlacht, sagt Alfonso Fazio. Aber das Verfahren, mit dem seine Partei, die Grünen, Mitte Juli ihre Landtagskandidatin Swantje Sperling und deren Stellvertreter Valentin Gauß gekürt hätten, finde er einfach nicht in Ordnung. Fazio, der seit Jahren als Gemeinde- und Kreisrat aktiv war und teils noch ist, spricht von einer „feindlichen Übernahme“ durch zwei Politprofis, die im Rems-Murr-Kreis kaum bekannt seien. Er hat nun angekündigt, selbst als unabhängiger Einzelbewerber ins Rennen zu gehen.
Die für die Landtagswahl nominierte Kandidatin Swantje Sperling war im Ludwigsburger Kreisvorstand ihrer Partei, saß dort im Kreistag und im Gemeinderat von Remseck. Sie leitet das Büro der Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann. Nach der Nominierung im Juli ist sie in den Wahlkreis nach Leutenbach gezogen und hat ihre Ämter und Mandate in Ludwigsburg abgegeben. Seither ist sie Mitglied im Grünen Kreisverband Rems-Murr. Valentin Gauß ist der persönliche Referent von Verkehrsminister Winfried Hermann und wohnt seit wenigen Jahren in Fellbach.
Knappe Entscheidung bei der Kandidatenwahl
Der Kreisvorstand hätte seines Wissens drei potenzielle Anwärter aus den eigenen Reihen gehabt, sagt Fazio. Einer oder eine, den Namen wisse er nicht, habe die Kandidatur aber zurückgezogen. Fazios Tochter, die Kreisrätin Marilena Fazio, war im Juli zur Kandidatenkür angetreten und hatte mit 34 Stimmen knapp gegen Sperling verloren, die im zweiten Wahlgang 39 Stimmen erhielt. Der dritte Bewerber, Christoph Mohr aus Winnenden, schied im ersten Wahlgang aus.
Mit Swantje Sperling und Valentin Gauß setze man auf „zwei Leute, die etabliert in der Parteistruktur, aber nicht im Landkreis verwurzelt sind“, kritisiert Alfonso Fazio. Er habe daher beschlossen, selbst als unabhängiger Kandidat für die Landtagswahl im Frühjahr ins Rennen zu gehen. „Ich will der Partei signalisieren, dass wir im Wahlkreis Waiblingen selbst groß sind.“
Kreisvorstand Brigitte Seiz: „das ist Demokratie“
Brigitte Seiz vom Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen sagt zu den Vorwürfen: „Es war uns ein hohes Anliegen, dass jeder, egal woher er kommt, das Recht hat, sich zu bewerben.“ Dann sei es Sache der Mitglieder, sich bei der Nominierung für Kandidaten zu entscheiden. „Wir hatten Glück, dass wir drei Bewerber hatten“, sagt Brigitte Seiz. Dass Marilena Fazio knapp verloren habe, „das tut natürlich weh, aber das ist Demokratie“. Und dass Alfonso Fazio als Grünen-Mitglied den Weg einer Kandidatur als Einzelbewerber gehe und einer von den Parteimitgliedern nominierten Kandidatin damit Konkurrenz mache, sei schade – und könne durchaus Konsequenzen haben, sagt Brigitte Seiz: „Wir wollen aber mit Alfonso nochmals ins Gespräch gehen.“
Alfonso Fazio hat seine Unterlagen für die Landtagskandidatur als Einzelbewerber bereits zusammengetragen, dazu gehören 267 Unterschriften von Unterstützern. Er ist seit Jahrzehnten politisch aktiv, 1994 trat er bei den Grünen ein und hat seit Langem ein Dauerabo für einen Sitz im Waiblinger Gemeinderat. Zudem war er nach eigenem Bekunden „der erste Migrant, der für ein Oberbürgermeisteramt kandidiert hat“ – in Waiblingen. Im Jahr 1996 hatte sich Fazio für ein Landtagsmandat beworben, was zu dieser Zeit mit viel Aufwand und wenig Aussicht auf Erfolg verbunden war.