Grünes Kleinod Der Garten der vier Jahreszeiten

Über einzelne Beete schweift der Blick durch den Garten bis zur Villa. Foto: Frank M. von Berger

Im Breisgau hat eine Familie in den vergangenen drei Jahrzehnten ein außergewöhnlichen Garten angelegt. Ein Besuch bei Sylvia Hämmerle.

Stuttgart - Eine ruhige Seitenstraße, grüne Hecken und schmucke Stadtvillen: Waldkirch im Breisgau von seiner schönsten Seite. Hier wuchs in den vergangenen drei Jahrzehnten ein außergewöhnlicher Garten heran. Betritt man den Garten von Familie Hämmerle, ahnt man nicht, was einen erwartet. Ein paar Stufen auf dem Weg zur Haustür empor, dann links ab und der Weg führt in ein zauberhaftes Refugium, das man von der Straße aus nicht vermutet.

 

Obwohl der Garten nach Norden ausgerichtet ist und deshalb nicht so viel Sonne abbekommt, begrüßen im Frühsommer zahlreiche Rosen die Besucher. Ramblerrosen, also in Bäume kletternde Blütenschönheiten, sind die besondere Liebe von Sylvia Hämmerle, der Schöpferin dieses Märchengartens. „Bobbie James“ und „Rambling Rector“ sind nur zwei der vielen Sorten, die hier ihre duftigen Blüten entfalten.

Überhaupt sind Rosen die erklärte Leidenschaft der Gartenenthusiastin und Innenarchitektin, die auch als Autorin und Gartenberaterin tätig ist. Sie liebt zudem Alte Rosen wie „Charles de Mills“ oder „Rose de Resht“, ebenso die bis in den Herbst hinein blühende Schottische Rose „Stanwell Perpetual“.

Sieht man sich im Garten um, bleibt ein Blick auf das schöne alte Haus nicht aus. Die Villa wurde 1899 vom Architekten, Bildhauer, Maler und damaligen Leiter der Kunsthochschule Karlsruhe, Karl Hofacker, im Gründerzeitstil erbaut. Türmchen und Erker – die gehörten früher zu einer standesgemäßen Villa einfach dazu, ebenso wie ein neobarocker Garten mit Pavillon und Springbrunnen. Als das Haus 1953 verkauft wurde, baute man es um. Der damals noch in zwei Ebenen gestaltete Garten wurde eingeebnet und zeittypisch mit Koniferen und ein paar rot blühenden Rosenstöcken bepflanzt. Pflegeleicht, aber eher langweilig. Als die Familie Hämmerle 1993 das Anwesen übernahm, war sofort klar, dass der Garten neu gestaltet werden sollte.

Die tristen Koniferen wurden gerodet

Gut, dass Sylvia Hämmerle bereits Gartenerfahrung besaß. Sie wuchs im österreichischen Dornbirn unweit des Bodensees auf und hatte im elterlichen Garten bereits in Jugendjahren einen Kräutergarten angelegt. Später lebte sie zwölf Jahre in Südafrika, wo sie in der Nähe von Kapstadt einen eigenen großen Garten gestaltete. Inspiriert wurde sie unter anderem von Besuchen im Botanischen Garten von Kirstenbosch und durch die Gärten ihrer britisch geprägten Nachbarn. „Das mediterrane Klima dort unten war ideal fürs Gärtnern. Man brauchte nur ein paar Pflanzentriebe in die Erde zu stecken und sie wuchsen gleich an“, sagt sie. „Es regnete mindestens einmal die Woche zuverlässig, sodass in dem milden Klima alles wie von selbst wuchs“, schwärmt sie vom idealen Gartenklima dort.

„Als ich dann in Waldkirch zu gärtnern anfing, musste ich zunächst einmal viel Lehrgeld bezahlen“, sagt die leidenschaftliche Gärtnerin. Die anderen Klimaverhältnisse im Breisgau und der aufgeschüttete Boden des Grundstücks in der Merklinstraße waren eine Herausforderung für die Neuanlage des Gartens. Dazu kamen zahlreiche düstere, in die Jahre gekommene Koniferen. Ihr Mann und ihre beiden Söhne halfen mit, einen Teil der tristen Nadelgehölze zu roden.

Es hat sich gelohnt. Von den vielen Gehölzen blieben lediglich eine große Traueresche (Fraxinus excelsior ’Pendula’) und einige Eiben, die Sylvia Hämmerle in Formschnitt erzog. Und der damalige Springbrunnen wurde zu einem naturnahen Teich, der heute die Mitte des Gartens ziert.

Sitzplätze laden zum Verweilen ein

Rasenflächen gibt es im Garten kaum noch, dafür elegant gewundene Pfade, üppig bepflanzte Staudenbeete und zahlreiche Sitzplätze, die zum Verweilen einladen. Von dort aus schweifen die Blicke auf immer wieder überraschende Arrangements mit bemoosten Steinbänken, bepflanzten Töpfen, Kübeln und dekorativen Skulpturen. „Manche der Steinelemente im Garten kamen per Container aus unserem Garten in Südafrika nach Waldkirch“ sagt Sylvia Hämmerle.

Die kreative Gartendekoration hat sie über die Jahre selbst zusammengesammelt. „Früher habe ich viel auf Flohmärkten herumgestöbert, aber irgendwann wurde es einfach zu viel für die Wohnräume. Einen Teil der Beutestücke brachte ich dann im Garten unter, Freunde steuerten auch immer wieder etwas vom Dachboden oder aus dem Keller bei.“

Künstlerische Dekoration in Form von skurrilen Fundstücken aus der Natur, ausrangierten Gebrauchsgegenständen und spielerisch in die Vegetation eingearbeiteten Objekten verleihen dem Garten einen ganz besonderen Charme. So etwa antike Kristallleuchter, die an den Ästen der alten Bäume baumeln.

Eine grüne Oase, die sich stets wandelt

Inzwischen ist der Garten zu einer kontrollierten, aber durchaus lebendigen und sich immer wieder wandelnden, blühenden und grünen Oase herangewachsen. „Gäste müssten eigentlich in allen vier Jahreszeiten vorbeikommen, um alle Facetten des Gartens zu sehen“, sagt Sylvia Hämmerle. Die vor mehr als zwei Jahrzehnten neu gepflanzten Gehölze wie etwa Blutpflaumen und Magnolien haben sich inzwischen zu stattlichen Bäumen entwickelt.

Neue Pflanzen kauft Sylvia Hämmerle gern in renommierten Gärtnereien wie der von Dieter Gaißmayer in Illertissen. Einige ihrer rund 100 Rosensorten hat sie im Landhaus Ettenbühl bei Bad Bellingen erworben. Aber sie wird auch schon mal im Gartencenter fündig. „Allerdings nur bei ausgewählten, qualitativ hochwertigen Pflanzen und auf keinen Fall bei handelsüblicher Gartendekoration. Denn die hat viel zu wenig Patina und Individualität.“ Und Letztere ist in ihrem Garten auf jedem Quadratmeter sichtbar.

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