Grundrechte-Demo in Stuttgart Versuchtes Tötungsdelikt vor der Demo

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Am Rande der Grundrechte-Demo am Samstag gab es mehrere Vorfälle. Nach einer Schlägerei ermittelt die Polizei nun sogar wegen versuchten Totschlags.

Grundrechte-Demo auf dem Wasen am vergangenen Samstag. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg
Grundrechte-Demo auf dem Wasen am vergangenen Samstag. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Stuttgart - Obwohl die sogenannte Grundrechte-Demo am Samstag auf dem Wasen mit 5000 erlaubten Teilnehmern deutlicher kleiner war als am Wochenende zuvor, hat es rundherum deutlich mehr Aufregung gegeben. Die Polizei ermittelt wegen einer Reihe von Straftaten, die sich gegen Demoteilnehmer und in einem Fall auch gegen ein Unternehmen richtete, dass die Veranstaltungstechnik transportieren sollte. Nach einer Schlägerei ermittelt die Polizei sogar wegen versuchten Totschlags, „aufgrund der schwere der Verletzungen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Eine Ermittlungsgruppe namens „Wasen“ ist eingerichtet.

Der massivste Übergriff geschah an diesem Wochenende nach der Demo in der Nähe des Stadions auf dem Weg zur Versammlung. Ein Opfer wurde so schwer verletzt, dass die Polizei aufgrund der Verletzungen nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt. Am Tatort habe man eine Schreckschusswaffe gefunden. Ob und wie diese eingesetzt worden sei, stehe noch nicht fest. Auch hier sei die Einordnung der Angreifer in das linke Spektrum bislang lediglich eine Vermutung. Die Angreifenden waren vermummt. Mehrere Personen seien danach vernommen worden, aber konkret Tatverdächtige gebe es noch nicht, sagte der Pressesprecher der Polizei.

Zweiter Angriff am Abend

Der zweite tätliche Angriff geschah gegen 19 Uhr in der Nähe des Cannstatter Kurparks. Eine Gruppe, die aufgrund der mitgeführten Schilder und Transparente als Demoteilnehmer identifizierbar gewesen sei, sei angegriffen worden. Die Angreifer seien schwarz gekleidet und vermummt gewesen. Als die Angegriffenen sich in eine Pizzeria flüchteten, sei ihnen die andere Gruppe gefolgt. Dazu kam es auch zu Spuren der Verwüstung in dem Lokal. Aufgrund der gesamten Umstände und der Vorgeschichte gehe die Polizei davon aus, dass es sich bei den Angreifern um linke Akteure handeln könnte. Dazu passt, dass sich die Opfer nach Informationen unserer Zeitung als Anhänger der sogenannten neuen Rechten bezeichnet haben sollen. Von mehren Seiten war in den zurückliegenden Wochen die Vermutung geäußert worden, dass sich rechte Kräfte unter den Demonstrierenden befinden würden.

Transportfahrzeuge brannten

In der Nacht zum Samstag waren Transportfahrzeuge abgebrannt, mit denen Lautsprecheranlagen zum Wasen gebracht werden sollten. Die Polizei vermutet Brandstiftung, der Staatsschutz ermittelt. Es gibt noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. Gemutmaßt wird, dass sie aus der politisch extrem linken Ecke kommen könnten. Das ergebe sich angesichts der Umstände, sagte ein Polizeisprecher. Dieser Klientel werden auch mehrere Angriffe, die beim Anmarsch der Demoteilnehmer an den zurückliegenden Wochen ebenfalls rund um die Demo vorgefallen sein sollen, zugerechnet.

Der Initiator Michael Ballweg hatte am Samstag nach der Demo verkündet, er werde keine weiteren Versammlungen mehr initiieren. Er setze nun auf die Einzelnen, die sich seiner Initiative Querdenken 711 angeschlossen haben. Eine Kundgebung zum Thema ist schon angemeldet. Der Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner will den Protest weiterführen. Die Demo werde nicht mehr das Label „Querdenken 711“ tragen, sagt er.

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