Gruselige Geschichten aus dem Rems-Murr-Kreis Der Hexer von Steinenberg und Schwieberdingen

Von Harald Beck 

Mysteriöse Geschichten gibt es auf der ganzen Welt. Einige gruselige und zum Teil wahre Geschichten aus dem Rems-Murr-Kreis stellen wir in loser Folge vor: Adam Wagenhals und sein Kontakt mit dem Satan.

Er sei beim Satan in die Lehre gegangen, sagte  Adam Wagenhals . Foto: Adobe Stock/vukkostic
Er sei beim Satan in die Lehre gegangen, sagte Adam Wagenhals . Foto: Adobe Stock/vukkostic

Schorndorf - Hexen sind weiblichen Geschlechts, keine Frage. Schon Martin Luther wusste schließlich, dass die männliche Abart dieser Spezies, die sogenannten Beschwörer, mehr oder weniger ausschließlich für Schutz-, Heil- und ähnlich positiven Zauber zuständig sind. Hexen dagegen, das lässt sich in Luthers Gesamtwerk nachlesen, „das sind die bößen teufelshuren, die da milch stehlen, wetter machen, auf bock und besen reytten“.

Der Verlust einer christlichen Seele droht

In Band sechs der „Schorndorfer Heimatblätter“ ist nachzulesen, wie es ein junger Steinenberger im Jahr 1655 trotzdem geschafft hat, sich in den Verdacht „ganz gemeiner Hexerei“ zu bringen. Schon mit 14 Jahren ist Wolf Adam Wagenhals, damals Lehrling in einem Steinenberger Steinbruch, dadurch aufgefallen, dass er keine Ahnung vom Katechismus hatte. Für die Steinenberger Sittenwächter war das damals allemal Grund genug, dem Schorndorfer Dekan Meldung über den akut drohenden Verlust einer christlichen Seele zu machen.

Anstelle der Auszüge aus dem Katechismus hat dann der gute Wagenhals beim hochnotpeinlichen Gespräch ganz andere Dinge zu berichten: Ihm sei bei einem Botengang Beelzebub höchstpersönlich erschienen – „oben weiß, unten schwarz mit Geißfüß“. Der habe ihn ausgiebig in die ­satanischen Wissenschaften eingeführt. Nachdem der selbst ernannte Satanslehrling noch drei, ihm angeblich aus konspirativen Sitzungen bekannte Hexen denunziert hatte, landete Adam Wagenhals erst einmal im Schorndorfer Gefängnisturm.

Eine funktionierende Sonnenuhr im Hut

Die folgende Inquisition sollte dann seine Untaten im Einzelnen zutage bringen. Der Verdächtige bestand allerdings felsenfest darauf, er habe Beelzebub in Ausführung seiner unchristlichen Aufträge ein ums andere Mal ein Schnippchen geschlagen. So habe er im übelsten der eingestandenen Fälle seiner kurzen Laufbahn als „Hexenmeisterslehrling“ jenes Loch in der Hose, das seinem Meister den Tod bringen sollte, auf die falsche Seite gesetzt. Der sei zwar krank geworden, starb aber nicht. Der Meister bestätigte auf Nachforschungen der Inquisitoren sowohl das Loch in der Hose als auch die Krankheit. Noch mehr irritiert hat die Befrager aber, dass der Stei­nenberger Schelm eine funktionierende Sonnenuhr in seinen Hut eingebaut hatte.

Maximal eine „kleine Verrückung des Verstandes“, so lautete die Diagnose der Inquisitoren. Trotzdem wurden weitere Weisungen aus Stuttgart eingeholt. Der Wagenhals möge Reue zeigen, hieß es vom Oberrat. Was der vorübergehend unter kirch­liche Aufsicht gestellte Bursche laut der alten Ermittlungsakten prompt „unter Vergießung vieler heißen Zehren“ auch tat.




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