Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte aus dem Wizemann Matthias Mettmann: Was mit Musik

Von Björn Springorum 

Kein Konzert ohne ihn: Matthias Mettmann ist der Boss im Wizemann und veranstaltet alle Stuttgarter Gigs von Chimperator Live. Von Woody Allens Privatjet bis zum Oralverkehr bei K.I.Z. hat der schon alles gesehen!

Matthias Mettman in seinem zweiten Zuhause - dem Wizemann. Foto: privat 2 Bilder
Matthias Mettman in seinem zweiten Zuhause - dem Wizemann. Foto: privat

Stuttgart - Wer ihn nicht kennt, würde an ihm vorbeilaufen und sich höchstwahrscheinlich denken: Netter Typ, coole Brille. Matthias Mettmann strahlt eine seltene und wirklich angenehme Mischung aus Understatement, Herzlichkeit und Professionalität aus – nicht unbedingt das, was man vom Wizemann-Boss und dem Oberhaupt von Chimperator Live vermuten würde.

 

Er mag im Club die Fäden in der Hand haben, mag entscheiden, wann wo welche Band der an das Cro-Label angeschlossenen Booking-Agentur auf die Bretter geht. Er ist sich aber eben nicht zu schade dafür, abends an der Tür zu stehen, Tickets zu checken und Stempel aufzudrücken. Einer wie er hat natürlich nicht nur, aber auch bei Chimperator viel gesehen und erlebt.

 

Zuvor war er beim Veranstalter Musiccircus für die Hip-Hop-Gigs zuständig, noch früher war er im Theaterhaus aktiv. Dort, mit Anfang 20, hat er schon mal Woody Allen getroffen. Seither ist viel passiert. Aber das kann er natürlich am besten selbst erzählen, weshalb sich das Stadtkind eines schönen Mittags ins Wizemann aufgemacht hat – naturgemäß sein natürlicher Lebensraum und irgendwie so was wie seine zweite Heimat.

 

Ausrasten mit Michael Setzer

 

Ausgerechnet beim Akustikkonzert von End Of Green gab es Stress mit einer etwas übergewichtigen Dame, die einen ziemlich Aufstand gemacht und wild um sich geschlagen hat. Die Sicherheitskräfte baten sie vor die Tür, wo sich herausstellte, dass sie wohl von einem anderen Konzertgänger blöd angequatscht wurde. Sie war nicht zu beruhigen, also forderten wir eine weibliche Sicherheitsmitarbeiterin hinzu. Die wurde weggestoßen, ein Security bekam die volle Breitseite mit der Hand, ein zweiter mit Anlauf ihr Knie genau zwischen die Beine. Da war klar: Das funktioniert so nicht mehr. Wir riefen eine Streife hinzu, die auch sofort angegangen wurde. Es kamen also weitere Streifen, bis dieses Mädel irgendwann wieder in den Griff zu kriegen war. Dass drei Sicherheitsbeamte sie nicht bändigen konnten und kräftig einstecken mussten, war schon krass – zumal wir so was wie Schlägereien hier gar nicht kennen.

 

Mündliche Überlieferung

 

Als K.I.Z. in der Porsche-Arena spielten, kam es zum Wildesten, was ich jemals erlebt habe. Im Set wurden K.I.Z. von ihrer Security zur kleinen Bühne in der Hallenmitte gebracht, um dort auch einen Teil der Show zu performen. Schon auf dem Weg dorthin wurden sie auf Handzeichen und Gefuchtel aus dem Publikum aufmerksam, zahlreiche Leute beschwerten sich über ein Pärchen, das angeblich bumsen würde. Es stellte sich heraus, dass ein Pärchen direkt in der Menge während des Auftritts Oralverkehr hatte. Als die Band vorüberlief, schrie der Typ noch lauthals, dass sie auch gern mal dürften, wenn sie denn wollten. Das Angebot wurde übrigens abgelehnt.

 

Veritable Blamage

 

Der Auftritt einer gewissen Münchener Band im Keller Klub vor einigen Jahren wird allen Beteiligten in besonderer Erinnerung bleiben – insbesondere in der des Sängers. Franco, der ja bekannterweise politisch korrekt homosexuell ist, stand damals an der Bar, als die Band mit dem Soundcheck zugange war und wir fragten, ob wir schon Einlass machen können oder die Band noch ein Weilchen für den Soundcheck braucht. Darauf hin meinte der Sänger, dass alles gut sei, der Monitorsound aber noch etwas „schwul“ klinge. Franco flippte völlig aus und schrie: „Das einzige, was hier schwul ist, ist deine schwule Musik, du Scheißschwuchtel!“ Naja, überflüssig zu erwähnen, dass der ganze Laden vor Lachen zusammenbrach.

 

Pioniergeist

 

Es dauerte schätzungsweise 45 Minuten nach Einlassbeginn beim allerersten Konzert im Wizemann, da hatten wir unser erstes Tag an der Klowand. Es hängt übrigens heute noch – das große „Code Red“ auf der Herrentoilette.

 

Menschliche Grenzfälle

 

Bei einem Boy-Konzert entdeckten wir plötzlich einen Vater, der am Notausgang sein Kind wickelte. Die Mutter hatte es sich wohl um den Bauch gebunden und unbemerkt reingeschmuggelt, was uns mal wieder vor eine völlig neuartige Situation stellte. Als wir sie auf ihre grobe Fahrlässigkeit hinwiesen, meinte der Vater, dass Kinder unter 14 Jahren ja eine Aufsichtsperson brauchten. Da waren wir wirklich baff – zumal der Vater, nachdem wir sie vor die Tür gesetzt hatten, später noch mal zum Einlass kam und fragte, ob ihn die Band nicht für das ausverkaufte Konzert am nächsten Tag in Heidelberg auf die Gästeliste setzen könnte. Ich ärgere mich noch heute, dass ich damals das Jugendamt nicht eingeschaltet habe!

 

Rumkaspern bei Casper

 

Als Casper in der Schleyerhalle auf der Bühne stand, hörte ich auf einmal Gegröle aus der Künstlergarderobe. Ich schaute nach und sah mit an, wie die Vorband Portugal. The Man und manches Crewmitglied eine Tür an mir vorbei trug. Gut, es dauerte eine Weile, bis ich es als Tür erkannte, aber es war definitiv die Toilettentür aus der Garderobe. Die hatten sie ausgehängt, um mit ihr Bierpong zu spielen und nahmen sie dann mit auf die Bühne. Dort tranken sie Kurze von dieser Tür – vor 10 000 Leuten. Blöd nur, dass es eine Spezialtür war, die es in der ganzen Schleyerhalle nur einmal gab und am nächsten Tag irgendein Schlagersänger auftrat. Wenn der ungestört aufs Klo gehen wollte, musste diese Tür also irgendwie wieder eingesetzt werden. Das war schade, weil sie von allen signiert und angemalt wurde.