Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte mit Akbar Khan Storys aus Stuttgarts Kult-Disco

Von Alla Lukashova 

Akbar Khan hütet seit fast zwei Jahrzehnten die Tore des legendären Clubs Boa, in dem sogar schon Ikonen wie Liza Minnelli empfangen wurden. In unserer Gute-Nacht-Geschichte plaudert er aus dem Nähkästchen.

Wer in die Boa will, muss an ihm vorbei: Türsteher Akbar Khan. Foto: privat
Wer in die Boa will, muss an ihm vorbei: Türsteher Akbar Khan. Foto: privat

Stuttgart - In den letzten vier Jahrzehnten hat sich die Stuttgarter Kult-Disco Boa mit Veranstaltungen wie dem Monday Classic und den After Work Partys den Ruf eines Clubs mit Charme und Tradition erarbeitet. Dieses Jahr geht es straight auf den Vierzigsten zu. Der Kult ist generationenübergreifend – wo unsere Eltern vor Jahren schon gefeiert haben, waren wir spätestens zu unserer Schulabschlusszeit auf Abi-Partys am Start.

Wer schon mal in der Boa feiern war, wird sich vielleicht an einen muskulösen großen Mann mit Bart und Glatze erinnern, denn an Akbar Khan kommt kein Gast unbemerkt vorbei. Der diplomierte Ingenieur ist hauptberuflich Projektleiter bei einem bekannten Dienstleistungsunternehmen aus der Automobilbranche und seit 17 Jahren auch Türsteher im ältesten Club Stuttgarts. Er schafft es einen verantwortungsvollen Vollzeitjob mit der Nachtszene zu kombinieren und zeigt nach so vielen Jahren Dienst noch keine Ermüdungszeichen. Uns hat er erzählt wie das Ganze funktioniert und was er alles in den zwei Jahrzehnten erlebt hat.

Ausgleich zum Alltag

Ich komme aus einer Akademikerfamilie und bei uns war immer klar, dass ich studieren werde. Auch wenn ich die seltsame Idee hatte Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, um Pilot zu werden. (lacht) Die Nightlife-Szene war für mich immer interessant und heute bietet sie mir einen guten Ausgleich zu dem bodenständigen Alltag mit einem 9-to-5-Job.

Verkuppler

Vor Kurzem war ich auf einer Hochzeit von einem Brautpaar eingeladen, das sich in der Boa kennengelernt hat. Sie haben sich gewünscht, dass ich unbedingt dabei bin, da ich die beiden an dem einen besagten Abend verkuppelt hätte. Sogar ihre Hochzeitsfotos haben sie in der Boa gemacht. Man denkt gar nicht, welche Rolle man als Türsteher im Leben von Menschen manchmal so spielt, aber so eine romantische Story bestätigt mir, dass ich doch einen guten Job mache.

Die erste Begegnung

Recht witzig ist es, wie ich überhaupt das erste Mal in diesen Laden gekommen bin. Damals wollten mein Bruder und ich in die Boa gehen und haben draußen eine riesige Schlange gesehen. Da ich gar keinen Bock hatte anzustehen, habe ich meinem Bruder gesagt: „Komm wir gehen einfach vor!“ Eigentlich hätte uns der Türsteher wegschicken können, weil wir so dreist waren an allen vorbeizugehen, aber er hat uns ohne ein Wort durchgelassen. Später habe ich ihn auch gefragt, wieso er uns eigentlich reingelassen hat und er meinte: „Ich habe euch gesehen und mir nur gedacht, bevor ich euch zum Feind habe, habe ich euch lieber zum Freund!“ Als zweifacher Deutscher Meister in Kickboxen habe ich dann doch ein respekteinflößendes Erscheinungsbild.

Bunter Hund

Mein Name ist in der Stuttgarter Clubszene inzwischen recht bekannt. Den Großteil der Gäste in der Boa kenne ich auch persönlich und begrüße jeden Zweiten mit einem Handschlag und manchmal kommt es auch vor, dass Leute zu mir kommen und meinen: „Ich bin ein Freund vom Akbar!“. Amüsant wird es dann, wenn ich nachfrage wie dieser Akbar denn so aussieht. „Groß, mit einem Bart und einer Glatze.“ Und wenn ich diesen Leute dann vorschlage mich mal genauer anzuschauen, wird das meistens dann doch recht peinlich.

Actionreicher Job

Der Job als Türsteher ist auch deshalb ein guter Ausgleich zum ausgewogenen Alltagsleben, weil er mit viel Action verbunden ist. An einem Abend waren mal zwei Gäste aus Italien bei uns im Club feiern, die sich im Laufe des Abends sehr aufmüpfig verhalten haben. Ich musste die beiden irgendwann zum Hinterausgang begleiten, um sie draußen dann zu beruhigen. Da sie dort auch nicht friedlich werden wollten, habe ich irgendwann die Polizei geholt. Normalerweise löse ich unangenehme Zwischenfälle ohne fremde Hilfe, aber in diesem Fall hätte ich die zwei nicht einfach so weglaufen lassen können. Dafür war ihr Verhalten doch zu krass. Am Ende hat sich rausgestellt, dass nach ihnen in Italien bereits gefahndet wurde, da sie dort gewalttätig waren und Autos auf Straßen angezündet haben. Ich habe dann sogar von der ausländischen Polizeibehörde ein Dankesschreiben fürs Fassen dieser zwei Täter erhalten.

Legendärer Gast

Big Tom darf sich übrigens mittlerweile nicht mehr komplett in der Boa entkleiden. Seitdem kommt er auch nicht mehr so oft, meist sogar nur noch zur der jährlichen großen Feier in der alten Reithalle.