Die Gastronomie ist sein Metier: Anthony D’Alessandro tut das, was er liebt. Das sieht man, das spürt man. Seine Gäste feiern ihn, lachen mit ihm und kommen immer wieder zurück. Warum das so ist? Ganz einfach!
Selten erlebt man einen Gastronomen, der so viel Leidenschaft für sein Metier aufbringt, so viel Herzblut, dass man selbst schon mit den Tränen kämpfen muss. Hier sind Emotionen im Spiel. „Das ist keine Arbeit für mich, das ist mein Leben“, sagt er. Und der Rest der Meute nickt.
Denn hinter ihm steht eine ganze Mannschaft, ein Team, ohne das das alles nicht möglich gewesen wäre. Die Rede ist vom Ciao Amore (im ehemaligen Blockhouse an der Eberhardstraße) – dem riesigen Schiff, wie es Anthony selbst bezeichnet, das man sich angelacht hätte.
Lust und Lagermöglichkeiten
„Unser Konzept ist ja, dass wir ein Allrounder sein wollen“, erklärt der 34-Jährige mit italienischen Wurzeln. „Warum nicht alles probieren?!? Wir sind eine Cocktail-Bar, wenn du willst. Du kannst hier auf einen Espresso (Martini) vorbeikommen oder dich durch die Weinkarte probieren.“
Man habe schließlich wahnsinnig viele Ideen, Lust darauf, etwas auszuprobieren und mehr als genug Lagermöglichkeiten. Also: „Warum nicht?“
Eine Weinkarte „des Zorns“
Wir haben 80 Weine auf der Karte – französisch, italienisch, deutsch. Wenn ich den Gästen die Weinkarte hingelegt habe, war die erste Reaktion oft: Nach zweimal Umblättern weg mit dem Ding. Aber langsam, seit der Anfangshype etwas abgeflacht ist, checken die Leute erst, was für Positionen wir haben. Unfassbar gute nämlich. Wir haben sogar eine eigene Riesling-Karte. Und wenn eine:r sagt: Boah, geh’ mir weg mit Riesling, denke ich nur: Und genau dich vernasche ich jetzt.
Wie Heroin
„Ich wollte nie Gastronom werden!“, platzt es aus Anthony heraus. „Glaubst du’s mir?“, schießt er direkt hinterher. Hineingestolpert und hängengeblieben oder wieso bleibt man dann so lange in einem Beruf, den man eigentlich nicht ausüben wollte? „Das ist wohl wie Herion. Solange der Rausch noch da ist, hat man da Bock drauf. Jeden Morgen steht man auf und denkt: Okay, ich brauche den nächsten Schuss.“
Der Stuttgarter, der in Bietigheim aufgewachsen ist, würde jeden bewundern, der diesen Beruf pragmatisch betrachte und ausübe. „Aber ich hab’ zu viel Herzblut dafür, ich sterbe für den Shit.“ Mit Tränen in den Augen betont er: „Es ist halt ein riesen Unterschied, ob du ein Gastgeber bist oder eine Servicekraft.“ Wirtsleute seien schließlich eine Zunft. „Wir geben den Leuten ein Dach über dem Kopf, warmes Essen, wir fangen sie auf...“
Hotellerie statt Küche
Aber wie fing denn nun alles an, mit der Gastronomie? „Ich wollte eigentlich Koch werden, weil ich kochen liebe, weil meine Mutter einen Göttin in der Küche ist.“ Doch er habe “leider“ auf seine ältere Schwester gehört und sei in der Hotellerie gelandet. „Aber im Herzen beneide ich unsere Pizzabäcker – wir gegen die Bons, das wär mein Traum.“
Bei einem Ferienjob in der Gelateria habe Anthony schließlich seine Mentorin Martina Schneider kennengelernt und wurde später zum ersten Mitarbeiter im L.A. Signorina. Es folgten drei Jahre im Käseladen im Winter. „Das war mit die schönste Zeit in in meinem Leben. Das war genau mein Ding.“ Danach ging’s in den Westen zu Italo Disco. Dort sei er auch der erste Mitarbeiter gewesen. „Tja, und jetzt bin ich hier.“ Vom Oberkellner zum Manager, man müsse mit 34 schließlich gucken, wo man bleibt.
„Am Ende des Tages bin ich ein Captain.“ Anthony spricht von einer Crew hinter ihm, die ihm vertraut. „Ich rede ja immer gern von einem Schiff und ich sag’s euch: Entweder wir finden damit neues Land oder ich geh’ mit dem Scheiß unter.“
Man habe sich schon eine „Alte Lady“ angelacht. „Es ist verrückt hier.“ Langsam aber sicher würde man auch über verlängerte Öffnungszeiten nachdenken. „Bis drei Uhr draußen sitzen, ohne dass sich Anwohner:innen beschweren, ist schon ein Träumchen.“ Anthony spielt auf die Ganzjahresaußenbestuhlung an, die ab Januar Realität werden sollte.
Späte Silvester-Sause
Überleg mal, ich habe mein erstes Silvester erst mit 26 so richtig gefeiert. Davor war’s einfach Arbeit – 29-Stunden-Schichten. Danach sind wir mit einer geklauten Flasche Champagner und 1000 Euro Trinkgeld noch feiern gegangen. Aber haben dann direkt weitergearbeitet. Kurz am Hemd gerochen, ob das noch geht, eine Schicht lang und Zack weiter. Das ist kein Job, der es dir einfach macht.
Welcome to Miami
Kurz bevor ich der Hotellerie den Rücken gekehrt hatte, wurde ich von Stammgästen nach Miami eingeladen. Ich dachte erst, wenn ich das annehme, wache ich am nächsten Tag in einer Badewanne mit Eiswürfeln auf und meine Milz ist weg. Aber ne, die wollten mir einfach etwas Gutes tun. Das waren Geschäftsleute, die in der Hotellobby ihr Business gemacht hatten und immer von mir bedient werden wollten. In Miami konnte ich dann machen, was ich wollte. Unglaublich, aber wahr. Hätte ich auch nicht gedacht. Aber die wollten weder Sex mit mir, noch meine Organe.
Ciao Amore, Eberhardstr. 10, Stuttgart-Mitte, Mo-Mi+So 12-23, Do 12-0, Fr+Sa 12-1 Uhr