„Mehr Girls an die Decks, bitte!“ hat sich im Kessel nun schon länger zu „immer mehr Girls an den Decks“ entwickelt. Michelle Uzoh aka Immi Bakes ist eine der passionierten Powerfrauen, die sich dem Auflegen verschrieben hat – neben ihrem Studium, aber von ganzem Herzen. Denn Musik spielte im Leben der 30-Jährigen, die in Bad Cannstatt aufgewachsen ist, immer eine große Rolle.
Musik im Blut
Zwei ihrer drei Schwestern sind Sängerinnen, eine hat auch eine Band und studiert Musical in Osnabrück. Michelles Neffe ist als Produzent tätig und eine Cousine ist auch DJ – und dann ist noch ein Cousin beim Kollektiv Contain’t dabei. „Musik ist einfach überall um mich herum.“
Und so tingelt die sympathische Stuttgarterin seit geraumer Zeit zwischen den coolen Spots der Stadt hin und her, um ihren besonderen Musik-Mix, der von (Chicago/New York) 90s-House, Dance, Soul und Jazz inspiriert ist, mit Latin- und Afro-Vibes gespickt und tanzbar, melodisch und feminin daherkommt, unter die Leute zu mischen bzw. bringen.
„Das mit dem DJ-ing wollte ich tatsächlich schon immer machen. Als Teenager habe ich davon geträumt, wie es wohl ist, wenn ich selbst mal auflege“, erinnert sich Michelle mit leuchtenden Augen zurück. Aber lange habe sie sich nicht getraut. Es hätte nicht so viele weibliche DJ-Vorbilder gegeben, vor allem auch nicht „of color“. „Und ich muss sagen, auch musikalisch habe ich mich da nie irgendwo gesehen.“
Den Traum leben
Den Träumereien folgten trotz allem irgendwann Tatsachen. „Was ich dieses Jahr für mich mitgenommen habe, ist: Just do it, mach’ es einfach und träume nicht nur. Denn nur du selbst hast es in der Hand.“ Ein Auslöser dafür sei gewesen, dass nach Corona immer mehr Frauen an den Decks präsent wurden. „Und das hat mir Mut gemacht und mich inspiriert. Und ich dachte: Hey, das kann ich auch!“
Dann kaufte sich die Studentin einen Controller über Kleinanzeigen, zog sich ein Youtube-Tutorial nach dem anderen rein und legte ein Jahr lang zu Hause für ihren Freund auf. „Ich hatte schon auch den Anspruch an mich, auf einem gewissen musikalischen Level für die Leute zu spielen.“
Neue Musik erfinden
Dass Immi Bakes, so ihr Künstlername, weiß wovon sie spricht und was sie tut, zeigt sich an den Bookings, die sich häufen. Auch wenn die Aufregung beim ersten Gig in der Necktar-Galerie, begleitend zu einer Fashion-Show, riesig war. „Ich habe jeden Tag geübt und mir so einen Stress gemacht. Mittlerweile denke ich: Das war viel zu viel! Aber man will’s ja auch gut machen.“
Für alle, die wie Michelle mit dem Auflegen anfangen wollen, hat die introvertierte 30-Jährige einige Ratschläge parat: „Was man mitbringen sollte, ist natürlich Leidenschaft für Musik, aber vor allem auch mit dem Drang und Bock neue Musik zu (er)finden und diese dann auch vor Leuten präsentieren zu wollen. Und: Wenn’s Spaß macht, dann ist es das Richtige!“
Und auch wenn die stolze Stuttgarterin, wie sie sich selbst bezeichnet, erst am Anfang ihrer DJ-Karriere steht, so bringt sie langjährige Gastro-Erfahrung mit, unter anderem stand sie lange an der Garderobe im Tonstudio (Kult!). Dass man da so einiges erlebt, können wir uns alle denken. Na, dann mal los – es ist Zeit ein paar Geschichten auszuplaudern: Go Immi, go Immi...
Powernaps in der Garderobe
„Ich habe mit meiner besten Freundin an der Garderobe im Tonstudio gearbeitet. Und auch wenn wir privat feiern waren, haben wir immer Zeit an der Garderobe verbracht. Das war der Place to be. Da haben wir gequatscht, getanzt, Leute beobachtet. Ich habe dort sogar manchmal Powernaps gemacht, um Kraft zu tanken und dann weiterzufeiern.“
Zusammengefaltet
„Das Tonstudio war auf jeden Fall eine gute Schule. Von respektlosen Sprüchen, bis zur Androhung mit dem Anwalt (total betrunken, versteht sich) und anderen weirden Gästen war alles dabei. Und apropos weird: Ein Gast kam mal zu mir an die Garderobe, lies sich ewig Zeit, sein Jackett auszuziehen und ganz sachte zusammenzulegen, da haben nur noch die Samthandschuhe gefehlt. Er hat es mir dann überreicht, fast schon wie ein Geschenk und ich dachte nur: Okay, habe es aufgemacht und aufgehängt.“
Strom weg, Vibe kaputt
„Beim Auflegen bin ich ja jetzt noch nicht so lange dabei. Daher habe ich da auch nicht so viel erlebt, dafür aber vielleicht das Krasseste, was man als DJ erleben kann bzw. ein echtes „Worst Case Szenario“. Als ich auf einer Party auflegte und die Stimmung am Überkochen war, ist tatsächlich der Strom ausgefallen. Einfach verrückt wie schnell so etwas den kompletten Vibe zerstören kann. Nach fünf Minuten war die Hälfte der Gäste weg. Na ja, gehört dazu und man lernt auf jeden Fall daraus.“