Gute-Nacht-Geschichte mit Kevin Bernthaler aka Betha Zwischen Sektdusche, Krückstock und Handstaubsauger im Club

Bock auf Gute-Nacht-Geschichten aus dem Studio Amore? Kevin Bernthaler aka Betha hat ein paar auf Lager. Foto: Tanja Simoncev

Kevin Bernthaler, auch bekannt als Betha ist im Nightlife zu Hause. Als Betriebsleiter im Studio Amore springt der 36-Jährige zwischen Back-Office und DJ-Pult hin und her und haut ganz nebenbei die derbsten Gute-Nacht-Geschichten raus. Lass hören!

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Wenn er nicht gerade zwischen DJ-Gigs im Club Lehmann, in der Romantica oder auf dem Sweat-Festival-Closing hin und her tingelt, dann ist Kevin Bernthaler aka Betha gesettelt im Studio Amore zu Gange, als Betriebsleiter, aus Leidenschaft.

 

Wer jetzt denkt, der 36-Jährige schiebe dort eine ruhige (Disco-)Kugel, der hat sich getäuscht. Denn vor allem beim Sunday Roast, der am 2. Oktober als Monday Roast einheizen wird, kennt Kevin am DJ-Pult – B2B oder auch Ass2Ass mit Leif Müller – nur eine Geschwindigkeit und das ist Vollgas: Party, Power, Schweiß, (Freuden-)Tränen, Sektduschen. Und. So. Weiter.

Meist mit einem Negroni in der Hand und einem USB-Stick um den Hals ist der Stuttgarter immer dort, wo man ihn braucht, hat ein offenes Ohr, nicht nur für Techno-Tunes, sondern auch für Theken-Talk. Obwohl alles mal mit Hip-Hop und damit Sprechgesang begonnen hatte, sind es jetzt – aber eigentlich schon seit 2005 – die elektronischen Beats, die sein Herz und die Partypeeps zum Tanzen bringen.

Mit Papa am (DJ)-Pult

Dass es mal so kommen musste, ist eigentlich kein Wunder, denn Papa Bernie Bernthaler ebnete als echte Stuttgarter House-Legende den Weg. „Ich fand’s früher cooler, etwas Anderes zu machen als mein Vater, aber heute schaue ich auf, lerne von ihm und habe die geilsten Abende mit ihm.“ Ja, die beiden legen auch zusammen auf – ein richtiges Power-Duo am DJ-Pult.

Als Spross einer großen Gastro-Familie, aufgewachsen auf der idyllischen Rohrer Höhe, zog es Kevin nur kurzweilig in andere Metiers. „Auch wenn ich einmal einen Büro-Job machen sollte, was ich nicht glaube, werde ich diesen nie mit der gleichen Leidenschaft ausüben können, wie das, was ich schon mein ganzes Leben mache: Musik, ausgehen, feiern. Ich bin ein Freigeist, der im Nightlife zu Hause ist, und tue einfach nur das, was mir Spaß macht und werde Opa damit.“

Natürlich habe dieser Lifestyle auch seine Schattenseiten, das funktioniere auch nicht immer easy, ohne Probleme. „Es gab viele Downs, aber alles halb so wild, jetzt sitze ich hier und bin Betriebsleiter im Studio Amore – ein mega geiles Projekt, ich bin einfach happy.“

Mit 30 geht’s erst richtig los

Für alle, die bald 30 werden und schon Panik schieben, dass dann alles vorbei ist, der Spaß endet und ihr nie wieder feiern werdet: Lasst euch von Betha, der 2011 Resident im Lehmann wurde, gesagt sein: „Mit 30 geht’s erst richtig los – und es lässt nicht nach, vor allem nicht mit so einem Projekt wie dem Studio Amore. Wir hetzen hier von einer Party zur nächsten. Und die Leute wollen immer mehr.“

Dass es im Studio Amore jetzt noch ein bisschen weitergeht, darauf haben offensichtlich nicht nur die Macher richtig Bock. Kleiner Spoiler: Es kommt noch Einiges auf uns zu, unter anderem eine Silvester-Party, die ihresgleichen sucht, so zumindest das Versprechen von Kevin. „Es wird so wild, ich hab schon richtig Schiss davor“, betont der Betriebsleiter lachend.

Jetzt aber mal zu den Gute-Nacht-Geschichten, hau raus, Kevin!

Mit Krückstock im Club

Für Leute Ü30 ist es mittlerweile schwierig geworden auszugehen bzw. feiern zu gehen. Und wir haben jetzt einen besonderen, extravaganten Ort geschaffen, wo sich auch ältere Menschen wohlfühlen. Also viel älter als ich, die Rede ist hier von den Generationen Ü50. Und die bringen teilweise noch ihre Eltern mit, die am Krückstock gehen und total aufgebrezelt daherkommen. Aber: Es stört überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, wir finden’s richtig cool.

DJ immer ready

Ich habe mich recht früh dem DJ-ing verschrieben. Darauf hatte ich meinen Fokus gelegt, weil mir das einfach so krass Spaß gemacht hat. Und ich hatte einfach immer einen USB-Stick dabei, jahrelang. Den habe ich teilweise auch als Kette um den Hals getragen, damit ich immer ready war: Irgendwo fällt noch ein DJ aus, irgendwo ist noch eine Afterhour, irgendwo passiert noch was, noch eine Party – und es kam nicht selten vor. Und ich war immer am Start. Raphael Dincsoy, einer meiner besten Freunde und Booker aus dem Lehmann, gab mir dann den Spitznamen: DJ Immer ready.

Keep it clean: Wenn Papa den Handstaubsauger auspackt...

Ich erinnere mich an tolle Momente, wenn ich mit meinem Vater aufgelegt habe. Ob im Studio Amore oder im Lehmann. Wir hatten auch mal eine gemeinsame Partyreihe in der Romantica, da habe ich immer den ganzen Abend mit ihm gehostet. Es war schon auch immer sehr anstrengend – geil, aber auch anstrengend. Er ist eben ein ganz eigener Typ. Wenn mein Dad im Club ankommt, wird erstmal das DJ-Pult geputzt, akribisch mit Q-Tipps und so weiter. Und die komplette Technik auseinander genommen. Einmal hatte er tatsächlich auch einen Handstaubsauger dabei. Ich konnte meinen Augen nicht trauen und dachte nur: Das kann doch nicht wahr sein. Aber mein Pa hat’s eben gern sauber.

Bei Hitze: Sektdusche!

Die Sunday-Roast-Parties sind etwas ganz Besonderes, gewesen, für Stuttgart, für uns. Ich habe noch nie so einen Vibe erlebt. Weil die Leute bunt gemischt waren, von Jung bis Alt. Mein Vater war da, meine Mutter war da, mein Neffe... da war so eine krasse Energie in dem Laden. Ohne Lüftung, ohne Klimaanlage. Es war allen scheißegal. Die Leute waren irgendwann halb nackt, standen hinter uns auf den Sofas, sind am Geländer hochgeklettert und haben Choreografien auf dem DJ-Pult getanzt. Es war Wahnsinn – Gänsehaut.

Dabei war der Sunday Roast als Party für uns gedacht, so als Goodie, als Belohnung, einfach eine nette Sonntagsparty. Und dann ist das Ding so durch die Decke gegangen. Es war chaotisch, aber wir haben aus jeder Situation das Beste gemacht. Und ja, nach den ersten zwei Roasts mussten wir dann schon reagieren, weil einfach viel zu viele Leute bei uns mit uns feiern wollten. Aber es hatte niemand schlechte Laune, zu keinem Zeitpunkt. Trotz langer Schlangen an der Bar. Da hat sich der Barmann halt einfach mal zwei Sekt-Flaschen geschnappt und gefragt, ob jemand Durst hat. Und dann gab’s ne fette Sektdusche – und alle fanden’s einfach nur geil.

Monday Roast im Studio Amore, Schillerstr. 23, Stuttgart-Mitte, 2. Oktober, 18-6 Uhr

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